House of God

House Of God, Samuel Shem von Samuel Shem
488 Seiten

Inhalt

Sechs frisch mit dem Medizinstudium fertige angehende Mediziner absolvieren im “House of God”, einem angesehenen amerikanischen Krankenhaus, ihr erstes klinisches Jahr, vornehmlich auf einer inneren Station. Das Ganze spielt in den siebziger Jahren vor dem Hintergrund der Watergate-Affäre.

Sehr direkt und detailliert schildert der Autor, wie sie versuchen, zu überleben. Wie aus Idealismus und dem Wunsch, Menschen zu helfen Gleichgültigkeit, Arroganz und Verzweiflung werden. Wie aus Patienten Objekte gemacht werden, die hin- und hergeschoben werden. Menschenwürde ist ein Fremdwort.

Korruption, Geldschneiderei und Grausamkeit sind an der Tagesordnung. Man liest von einem Wettbewerb, wohlgemerkt, einem von der Krankenhausleitung offiziell ausgeschriebenen Wettbewerb: Wer die meisten Obduktionsgenehmigungen erbettelt, gewinnt eine Reise für zwei Personen. Der diensthabende Arzt in der Notaufnahme heißt “Mauer” und hat einzig die Aufgabe, soviele Patienten wie möglich wieder wegzuschicken. Eine Regel, die den jungen Ärzten als erstes eingebleut wird, heißt: “Ärztliche Betreuung besteht darin, so wenig wie möglich zu tun.”

Nicht alle sechs überleben dieses Jahr. Einer nimmt sich das Leben, allein gelassen und dem emotionalen Druck nicht gewachsen. Es sind sympathische Charaktere und man beobachtet mit Schrecken, wie sie sich verwandeln…

Meine Meinung

Wer dieses Buch zu lesen gedenkt, sollte flugs Abschied nehmen von netten Arztserien wie “Alphateam”, “Schwester Stefanie” oder “Emergency Room”. Sollte sich vom idealisierten Bild des Arztes als hingebungsvoller Helfer und Heiler, der unter Einsatz aller Möglichkeiten versucht Leben zu retten, lösen.

Und man sollte beim Lesen eine hohe Ekelschwelle haben. Denn wie gesagt, es wird sehr direkt beschrieben. Übersensiblen und Menschen über 60 rate ich von diesem Buch ab. Denn es geht vorrangig darum, wie alte, kranke Menschen behandelt werden.

Ansonsten empfehle ich es uneingeschränkt allen interessierten Menschen, die den Bezug zur Realität vor lauter Weichei-Arzt-Serien-Dr.-Stefan-Franks noch nicht verloren haben. ;-)

2 Kommentare zu “House of God”

  1. maria sagt:

    ich studiere seit einiger zeit selbst medizin. das buch hat mich fast dazu gebracht damit aufzuhören… vielleicht geht es so ja wirklich in den krankenhäusern zu, aber will man das (v. allem als patient) wirklich wissen?!?

  2. Elena sagt:

    Ich fahre Krankentransport und weiß, dass es genau so zugeht. Vieles ist zwar überspitzt dargestellt, aber man erkennt auch sehr vieles wieder….
    Ich denke es ist gut sowas vor dem Medizinstudium gelesen zu haben, weil es schon etwas deillusionierend ist – ich denke dass man wissen sollte worauf man sich einlässt als (angehender) Arzt. :)

Kommentar schreiben