Sonntag, 05.07.2009

Schlechtwettershopping

Da wir die unsichere Wetterlage satt hatten, entschlossen wir uns Samstag früh kurzerhand zu einer Shopping-Tour nach Schorndorf zum Larca. Dabei konnte man wenigstens nicht nass werden und ein Besuch in dem riesigen Laden, wo man stöbern und gucken kann bis zum Umfallen, lohnt sich eigentlich immer. Dazu gibt es sachkundige und beratungsfreudige Verkäufer (die einen auch nur beraten, wenn man fragt) und immer irgendwelche Sonderangebote. Schicke Wanderblusen zum Beispiel. :hach:

Und so wurde ich am Samstag stolze Besitzerin dieser nigelnagelneuen Gehwerkzeuge. Da es ein Auslaufmodell vom letzten Jahr war, habe ich noch 60 Euro gespart, die schicken Teile waren zwar trotzdem noch teuer genug, aber das ist ok. Was freu ich mich über diese Anschaffung!

Nun fehlt noch besseres Wetter und Urlaub und dann können wir wieder die Bergwelt unsicher machen. Hach!

verzapft von Ilona um 19:26 Uhr | 7 Kommentare | TB

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Sonntag, 12.07.2009

Wandertag am Säntis

Eingeweihte und ziemlich dreckige Wanderschuhe

Ich glaube, nach einer 10-Stunden-Wanderung mit geschätzten 1700 Höhenmetern kann man die neuen Wanderschuhe als eingeweiht betrachten. Selbiges haben wir gestern erledigt und es war mal wieder Spitzenklasse, auch wenn das Wetter nicht so optimal war.

Um fünf in der Frühe sind wir Richtung Schweiz losgefahren und waren nach ca. zwei Stunden in Wasserauen auf dem Parkplatz. Die wenig vertrauenerweckenden dunklen Wolken über den hohen Bergen ignorierend gings auch gleich hoch Richtung Bogartenlücke erst durch den Wald, dann über ziemlich nasse schlammige Wiesen, was die Lauferei ziemlich erschwerte. Ich war begeistert von der Vegetation: So bunte Wildblumenwiesen, das sah teilweise aus wie ein angepflanzter Steingarten rechts und links vom Weg. Viele unbekannte Pflanzen, aber das Fotolicht war wegen der dunklen Wolken nicht so gut, weshalb es auch vom ersten Teil der Tour keine Fotos gibt.

Die Türkenbundlilie. Wächst da einfach so in der Wildnis. Sieht herrlich aus

An der Bogartenlücke angekommen, strebte die Aussicht dort oben aufgrund der Nebelschwaden gegen Null, selten riss es mal auf und man konnte die herrliche Bergwelt ringsum erahnen. Ansonsten sah es aus, als ob im Tal unten ein Riesensuppenkessel steht, der vor sich hin brodelte und Unmengen von Dampf erzeugte.

Weiter gings dann auf nem blauweiß markierten Weg: “Nur für geübte Wanderer, Trittfestigkeit und Schwindelfreiheit Voraussetzung” – also genau richtig für mich (harhar!). Andi meinte aber, das geht schon in Ordnung, also los. Immer weiter hoch und mich störte bei der Kraxelei eigentlich am meisten, dass es so nass und teilweise rutschig war. Wobei ich aber meine neuen Stiefelchen gleich von Anfang an zu schätzen wusste: Ich fühlte mich viel sicherer als mit den 30-Euro-Deichmann-Teilen, mit denen ich im Allgäu unterwegs war und die für sowas eigentlich gar nicht gedacht waren.

Ich glaub, da oben war ich irgendwie...

Dann waren wir auf dem Grat und bald auch auf dem höchsten Punkt dort, der Marwees. Dort und auch auf dem Grat war es für mich vielleicht gar nicht so schlecht, dass es so neblig war, so konnte ich die Höhe Tiefe rechts und links von mir nur erahnen und das reichte mir fürs erste. Herrje! Jetzt fing es auch noch an zu pieseln und der Wind war kalt und böig und so waren wir froh, die Regenjacken dabeizuhaben.

Weiter ging es dann bergab (teils auf allen vieren, weil ganz schön steil und rutschig) zur Meglisalp, zuletzt war das ein richtig gemütlicher Weg, aber leider wurde der Regen stärker. So waren wir froh, in der Alp angekommen zu sein und waren überrascht, wie voll es darin war. Hatten wir doch unterwegs kaum Leute getroffen. Zur Stärkung gabs Kaffee und Bierchen, wobei sich die Bestell-Laune umgekehrt proportional zu den Schweizer Preisen verhält. Netterweise hörte dann auch der Regen auf.

Die guckt ziemlich aufmüpfig, oder? Wir mussten drumrumlaufen, die Viechter haben keinen Platz gemacht

Was uns recht schnell zu dem Entschluss brachte, noch einen netten Umweg dazu zu packen. Ich merkte zwar, dass ich in den neuen Schuhen an den Fersen Blasen bekam, aber damit hatte ich ja schon gerechnet, ich bin ziemlich anfällig dafür. Es tat aber nur mäßig weh und nach Hause wollte ich noch nicht, also gings von der Meglisalp auf der anderen Seite wieder nach oben in Richtung Säntis. Und siehe, ab und zu kam jetzt auch mal die Sonne raus, der Nebel verschwand langsam, aber es war nach wie vor windig und kalt.

Die kalten Böen erreichten ihren Höhepunkt an der Wagenlücke, von da an ging es wieder abwärts geklettert über Steine, Geröll und sogar ein Schneefeld sind wir runtergerutscht, das war vielleicht spaßig. Skifahrn ohne Ski sozusagen und aufpassen, dass man sich nicht aufn Hintern setzt.

Nicht nur Kühe, auch Bergziegen blockieren die Wanderwege

Ab hier hab ich dann auch mehr geknipst, einfach, weil das Wetter besser war und ich nicht mehr ganz so arg aufpassen musste, dass ich nicht irgendwo runterfalle. Am Seealpsee kamen wir dann schon nur noch mit T-Shirts an, so warm war es inzwischen geworden. Allerdings zeigte ein Blick nach hinten, dass über den hohen Bergen immer noch die fetten Wolken hingen.

Ein ziemlich müder Zickenbock lag auf dem Weg rum
Kugelige Teufelskralle (hört sich gefährlich an, war aber ne harmlose Blume)
Wir nannten sie Bergpuschel, der richtige Name ist aber Akeleiblättrige Wiesenraute. Wow.
Blick ins Tal Richtung Seealpsee
Beim Abstieg von der Wagenlücke
Übergang über einen Bach mit Gehhilfe


In der Kneipe dort am See gabs nochmal Kaffee zur Stärkung für die Heimfahrt, vorher machten wir noch unsere Schuhe im See sauber (meine Güte, sahen die verdreckt aus!) und dann gings nur noch abwärts nach Wasserauen zum Parkplatz. Das Bergruntergelaufe zum Schluss auf dem Asphaltweg ließ unsere Knie nochmal so richtig laut jammern, spätestens jetzt merkten wir, dass es für heute wirklich reichte.

Bei allerschönster Abendsonne gings dann wieder zwei Stunden nach Hause. Meine Güte, war ich hinüber! Aber die Gegend um den Säntis und auch der Säntis selber hat uns bestimmt nicht das letzte Mal gesehen. Andi kennt da noch so viele Wege und irgendwann muss ich ja auch mal die Aussicht fotografieren. Trotz teils suboptimalem Wetter eine klasse Tour!!!

Da in der Mitte kann man auch durch auf die andere Seite zur Meglisalp
Der blaue Eisenhut. Giftig und selten
Blick von oben auf den Seealpsee
Der Seealpsee von fast unten
Beine baumelnd in der Mondlandschaft
Gelber Fingerhut. Hab ich noch nie so oft wildwachsend gesehen


Und die Schuhe? Einweihung bravourös bestanden, ich möchte nichts anderes mehr haben zum Wandern. Haben wir gut eingekauft. Daran ändern auch die zwei Blasen an den Fersen nichts, wie gesagt, mit sowas habe ich beim ersten Mal gerechnet und das gibt sich von allein.

verzapft von Ilona um 16:36 Uhr | 10 Kommentare | TB

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Montag, 27.07.2009

Säntis und mehr

Nachdem ich nun schon ziemlich lange rumgequengelt habe, dass ich mal aufn Säntis will, war es gestern soweit: Ich sollte meinen Willen bekommen. Wetter war ausnahmsweise mal optimal, wolkenloser Himmel schon am frühen Morgen, man glaubts ja kaum noch.

Also halb fünf aus den Federn (zum Sonntag *ärgs*), dann zwei Stunden Fahrt in die Schweiz nach Schwägalp. Dort war schon ganz schön was los, wir waren wohl nicht die einzigen mit diesem Plan. Es war noch ganz schön kühl und die Wand, an der wir da hochsteigen wollten, lag komplett im Schatten, aber durch das permanente Bergaufgelatsche wurde einem bald warm.

An dieser Wand gehts hoch zum Säntis. Das war allerdings am Nachmittag geknipst, früh war alles im Schatten
Da unten parkierte irgendwo das Auto. Die Schwägalp von weit oben
Aufstieg auf den Säntis, zur Not auch mal mit Leiter
Beim Aufstieg auf den Säntis
Durch die Steinwüste auf den Säntis


Und bergauf ging es, aber sowas von! Wenn man vor diesem Bergmassiv steht, glaubt man ja immer nicht, dass man da hochgehen kann, aber es funktioniert tatsächlich. Da staun ich immer wieder.

Was extrem störte, war die Völkerwanderung, die inzwischen eingesetzt hatte. Wir hatten den Eindruck, die ganze Schweiz Welt war auf den Säntis unterwegs. Laufend überholte man Leute oder wurde überholt, je nach Fitness… Einer ist sogar da hoch gejoggt, zumindest hat er es versucht, aber das ist Geschmackssache und hört spätestens an der Stelle auf, wo die Kraxelei anfängt und das war kurz vorm Tierwies.

Dort machten wir ne kurze Pause und fotografierten die geniale Aussicht, um uns dann ins weitere Vergnügen zu stürzen. Ab jetzt wurde es bisschen kletteriger. Da war ein ziemlich hart gefrorenes Schneefeld zu überqueren, auf sowas fühle ich mich immer noch nicht wirklich wohl. Wenn es rutschig wird, habe ich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren und das mag ich nun mal gar nicht.

Zwischenstation Tierwies
Die Churfirsten beim Aufstieg auf den Säntis
Das letzte Stück Aufstieg und das komische Ufo, welches die Bergstation der Säntis-Bahn darstellt.


Das letzte Stück zum Gipfel zog man sich an Drahtseilen über einen Grat fast senkrecht nach oben. Sah aber schlimmer aus, als es war. Ich fühlte mich völlig sicher dabei, es war halt nur ganz schön anstrengend und ich hatte nicht gerade meinen fittesten Tag erwischt. Und die Tatsache, dass nach wie vor gefühlte Millionen von Leuten unterwegs waren, war ziemlich unlustig.

Dann waren wir oben und mussten durch einen Tunnel durch die Seilbahnstation durch. Oben war der reine Touristentrubel, Massen von Leuten. Zu denen, die da hochgelaufen waren, kamen noch die Millionen dazu, die sich mit der Seilbahn hochfahren ließen. Einfach furchtbar, aber die Aussicht war grandios und so suchten wir uns ein relativ ruhiges Plätzchen, aßen unsere mitgebrachten Brote und fotografierten ein bisschen.

Und nochmal die Churfirsten vom Säntis aus
Aussicht vom Säntis auf den Seealpsee.
Der Liesengrat vom Säntis aus. Da sollte es gleich weitergehen
Nochmal der Wanderweg auf dem Lisengrat
Auf dem Lisengrat
Der Säntis vom Lisengrat aus


Blumenrabatte am Wanderweg auf dem Weg zum Rotsteinpass

Weiter ging es über den Lisengrat zum Rotsteinpass. Auch jede Menge Kraxelei, aber seilgesichert und nicht weiter schwierig, obwohl es von weitem aussieht, als könne man da gar nicht laufen. Erst bisschen hoch und dann runter und auf nem mal erholsamen Spazierweg an dieser Passhütte vorbei.

Danach gings wieder nach oben, richtig schön steil und anstrengend, aber alles wunderbar mit Drahtseilen gesichert, so dass ich mich wirklich wohl fühlte bei der Kletterei, es hat richtig Spass gemacht. Sieht man ja vielleicht auch auf den Bildern.

Da seh ich cooler aus, als ich eigentlich war. So mitten im Schnee
Am Abgrund, aber gut drauf
Und hoch gings. Alles schon drahtseilgesichert
Nochmal am Abgrund. Na ja, war ganz schön tief, aber ich finde es immer weniger schlimm
Hier kann ich beim Kraxeln noch Blödsinn machen
In Aktion


Oben angekommen fühlte ich mich gar nicht mehr wohl, da sich auf dem schmalen Grat dort Massen von Leuten aufhielten. Ich fragte mich, wo die auf einmal alle herkamen und warum die ausgerechnet da alle herumsaßen. Wir fanden trotzdem eine Stelle, wo wir uns relativ bequem hinsetzen konnten und Andi zeigte mir den weiteren Weg auf dem Nädligergrat, den wir gleich weitergehen würden.

Der Nädligergrat. Sieht da jemand einen Weg?

Ach du Schreck! Da war gar kein Weg. Da war nur ein Grat, wo es rechts und links steil runter ging. Jede Menge Felsen und ein bisschen Gras dazwischen, aber immerhin ne blau-weiße Wegmarkierung, die ich ja schon vom letzten Mal kannte: Das sind die Wege für geübte Wanderer mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Nur dass es das letzte Mal neblig war und ich nicht vorher gesehen habe, was auf mich zukommt. Mir war nun ganz schön mulmig zumute…

Aber ich wollte ja ins nächste Level, also los gings. Dieselbe Taktik wie immer: Verdrängen, dass es hoch bzw. tief ist und auf den Weg und den nächsten Schritt konzentrieren. Und siehe da: Es ging. Ich war zwar langsam, weil sehr vorsichtig, aber wir kamen voran. Sogar ne Fotosession im Liegen auf ner Gras-Stelle war möglich, weil die Aussicht von da oben wirklich der absolute Hammer war. Wir haben sogar Steinböcke gesehen! Aber wie immer geben die Fotos nicht mal annähernd die Realität wieder…. Schade.

Wandern auf dem blau-weißen Wanderweg.
Bergabsurfen aufm Geröllfeld. Es war viel steiler, als es hier aussieht
Der Lisengrat aus der anderen Richtung. Von diesem steilen Zahn sind wir runtergekommen
Wanderung durch die Steinwüste, immer noch der Nädligergrat


Ne Weile ging es wieder bergauf, teils über Geröll, teils über große Felsblöcke und ich merkte, wie ich immer sicherer wurde. Man musste schon ganz genau aufpassen, wo man hintrat und wie, es war auch anstrengend, aber ich kam gut klar. Meine neuen Bergschuhe haben sich inzwischen auch an mich gewöhnt und spätestens jetzt war ich froh, sie zu haben. Sie trugen nicht grad wenig zu meiner neu gewonnenen Geh-Sicherheit bei.

Irgendwann gings dann runter und das wurde dann wirklich anstrengend. Sehr steil und oft musste man klettern. Und jetzt merkte ich, dass mich langsam, aber sicher die Kräfte verließen. Die Hände taten weh vom rauen Felsgestein, die Oberschenkel brannten und die Knie jammerten. Dazu brannte die Sonne nur so runter und uns war inzwischen auch das Wasser ausgegangen. Gar nicht gut, aber was halfs? Irgendwie musste ich jetzt da durch. Ein Käsebrot zur Stärkung eingenommen und weiter. Wieder über große Felsbrocken, loses Geröll und schön vorsichtig die Kletterstellen gemeistert. Irgendwie hab ich es jedenfalls geschafft.

Blumen aus dem Stein. Die großblütige Gämswurz. Arnika wars dann doch nicht.

Dann kam ein großes Schneefeld zum Runterrutschen und danach nur noch abwärts, aber nicht mehr so steinig und schwierig (aber steil und daher nicht grad knieschonend). Da gabs dann wieder Natur zu gucken, der vegetationstechnische Overkill schlechthin. Herrje, was wuchs da alles am Wegesrand und sogar aus den Felsen heraus – einfach wunderschön!

Gelber Enzian, als wir schon fast unten waren

Irgendwann nach 16 Uhr waren wir dann unten in Wildhaus, wo wir uns erstmal mit Kaffee, Bier und Apfelschorle stärkten, um dann mit dem Schwyzer Poschdauto (Postauto=Bus) zurück zur Schwägalp zu fahren.

Als ich am Auto meine Wanderschuhe ausgezogen habe, dachte ich eigentlich, dass meine Füße abgefault wären, aber die sahen ganz normal aus. Keine neuen Blasen, alles bestens. Auch die neuen Wandersocken taten hervorragend ihren Dienst und die Füße nebst Socken fühlten sich fast trocken an.

Dann gings ab nach Hause, leider noch in nen Stau hinter Konstanz geraten, aber alles halb so schlimm.

Das war für mich einer dieser Tage, an die ich mich ewig erinnern werde. So viele Eindrücke! Und ich bin mal wieder mächtig stolz auf mich, vor allem, dass ich einmal mehr meine Angst überwunden hab. Wieder einen großen Eimer Höhenangst in den Abgrund gekippt. Klar hätte ich das allein nie gemacht und deshalb danke an meinen Bergführer, dass er mir sowas zutraut. :hach:

verzapft von Ilona um 18:18 Uhr | 5 Kommentare | TB

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