Nachdem ich nun schon ziemlich lange rumgequengelt habe, dass ich mal aufn Säntis will, war es gestern soweit: Ich sollte meinen Willen bekommen. Wetter war ausnahmsweise mal optimal, wolkenloser Himmel schon am frühen Morgen, man glaubts ja kaum noch.
Also halb fünf aus den Federn (zum Sonntag *ärgs*), dann zwei Stunden Fahrt in die Schweiz nach Schwägalp. Dort war schon ganz schön was los, wir waren wohl nicht die einzigen mit diesem Plan. Es war noch ganz schön kühl und die Wand, an der wir da hochsteigen wollten, lag komplett im Schatten, aber durch das permanente Bergaufgelatsche wurde einem bald warm.
Und bergauf ging es, aber sowas von! Wenn man vor diesem Bergmassiv steht, glaubt man ja immer nicht, dass man da hochgehen kann, aber es funktioniert tatsächlich. Da staun ich immer wieder.
Was extrem störte, war die Völkerwanderung, die inzwischen eingesetzt hatte. Wir hatten den Eindruck, die ganze Schweiz Welt war auf den Säntis unterwegs. Laufend überholte man Leute oder wurde überholt, je nach Fitness… Einer ist sogar da hoch gejoggt, zumindest hat er es versucht, aber das ist Geschmackssache und hört spätestens an der Stelle auf, wo die Kraxelei anfängt und das war kurz vorm Tierwies.
Dort machten wir ne kurze Pause und fotografierten die geniale Aussicht, um uns dann ins weitere Vergnügen zu stürzen. Ab jetzt wurde es bisschen kletteriger. Da war ein ziemlich hart gefrorenes Schneefeld zu überqueren, auf sowas fühle ich mich immer noch nicht wirklich wohl. Wenn es rutschig wird, habe ich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren und das mag ich nun mal gar nicht.
Das letzte Stück zum Gipfel zog man sich an Drahtseilen über einen Grat fast senkrecht nach oben. Sah aber schlimmer aus, als es war. Ich fühlte mich völlig sicher dabei, es war halt nur ganz schön anstrengend und ich hatte nicht gerade meinen fittesten Tag erwischt. Und die Tatsache, dass nach wie vor gefühlte Millionen von Leuten unterwegs waren, war ziemlich unlustig.
Dann waren wir oben und mussten durch einen Tunnel durch die Seilbahnstation durch. Oben war der reine Touristentrubel, Massen von Leuten. Zu denen, die da hochgelaufen waren, kamen noch die Millionen dazu, die sich mit der Seilbahn hochfahren ließen. Einfach furchtbar, aber die Aussicht war grandios und so suchten wir uns ein relativ ruhiges Plätzchen, aßen unsere mitgebrachten Brote und fotografierten ein bisschen.
Weiter ging es über den Lisengrat zum Rotsteinpass. Auch jede Menge Kraxelei, aber seilgesichert und nicht weiter schwierig, obwohl es von weitem aussieht, als könne man da gar nicht laufen. Erst bisschen hoch und dann runter und auf nem mal erholsamen Spazierweg an dieser Passhütte vorbei.
Danach gings wieder nach oben, richtig schön steil und anstrengend, aber alles wunderbar mit Drahtseilen gesichert, so dass ich mich wirklich wohl fühlte bei der Kletterei, es hat richtig Spass gemacht. Sieht man ja vielleicht auch auf den Bildern.
Oben angekommen fühlte ich mich gar nicht mehr wohl, da sich auf dem schmalen Grat dort Massen von Leuten aufhielten. Ich fragte mich, wo die auf einmal alle herkamen und warum die ausgerechnet da alle herumsaßen. Wir fanden trotzdem eine Stelle, wo wir uns relativ bequem hinsetzen konnten und Andi zeigte mir den weiteren Weg auf dem Nädligergrat, den wir gleich weitergehen würden.
Ach du Schreck! Da war gar kein Weg. Da war nur ein Grat, wo es rechts und links steil runter ging. Jede Menge Felsen und ein bisschen Gras dazwischen, aber immerhin ne blau-weiße Wegmarkierung, die ich ja schon vom letzten Mal kannte: Das sind die Wege für geübte Wanderer mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Nur dass es das letzte Mal neblig war und ich nicht vorher gesehen habe, was auf mich zukommt. Mir war nun ganz schön mulmig zumute…
Aber ich wollte ja ins nächste Level, also los gings. Dieselbe Taktik wie immer: Verdrängen, dass es hoch bzw. tief ist und auf den Weg und den nächsten Schritt konzentrieren. Und siehe da: Es ging. Ich war zwar langsam, weil sehr vorsichtig, aber wir kamen voran. Sogar ne Fotosession im Liegen auf ner Gras-Stelle war möglich, weil die Aussicht von da oben wirklich der absolute Hammer war. Wir haben sogar Steinböcke gesehen! Aber wie immer geben die Fotos nicht mal annähernd die Realität wieder…. Schade.
Ne Weile ging es wieder bergauf, teils über Geröll, teils über große Felsblöcke und ich merkte, wie ich immer sicherer wurde. Man musste schon ganz genau aufpassen, wo man hintrat und wie, es war auch anstrengend, aber ich kam gut klar. Meine neuen Bergschuhe haben sich inzwischen auch an mich gewöhnt und spätestens jetzt war ich froh, sie zu haben. Sie trugen nicht grad wenig zu meiner neu gewonnenen Geh-Sicherheit bei.
Irgendwann gings dann runter und das wurde dann wirklich anstrengend. Sehr steil und oft musste man klettern. Und jetzt merkte ich, dass mich langsam, aber sicher die Kräfte verließen. Die Hände taten weh vom rauen Felsgestein, die Oberschenkel brannten und die Knie jammerten. Dazu brannte die Sonne nur so runter und uns war inzwischen auch das Wasser ausgegangen. Gar nicht gut, aber was halfs? Irgendwie musste ich jetzt da durch. Ein Käsebrot zur Stärkung eingenommen und weiter. Wieder über große Felsbrocken, loses Geröll und schön vorsichtig die Kletterstellen gemeistert. Irgendwie hab ich es jedenfalls geschafft.
Dann kam ein großes Schneefeld zum Runterrutschen und danach nur noch abwärts, aber nicht mehr so steinig und schwierig (aber steil und daher nicht grad knieschonend). Da gabs dann wieder Natur zu gucken, der vegetationstechnische Overkill schlechthin. Herrje, was wuchs da alles am Wegesrand und sogar aus den Felsen heraus – einfach wunderschön!
Irgendwann nach 16 Uhr waren wir dann unten in Wildhaus, wo wir uns erstmal mit Kaffee, Bier und Apfelschorle stärkten, um dann mit dem Schwyzer Poschdauto (Postauto=Bus) zurück zur Schwägalp zu fahren.
Als ich am Auto meine Wanderschuhe ausgezogen habe, dachte ich eigentlich, dass meine Füße abgefault wären, aber die sahen ganz normal aus. Keine neuen Blasen, alles bestens. Auch die neuen Wandersocken taten hervorragend ihren Dienst und die Füße nebst Socken fühlten sich fast trocken an.
Dann gings ab nach Hause, leider noch in nen Stau hinter Konstanz geraten, aber alles halb so schlimm.
Das war für mich einer dieser Tage, an die ich mich ewig erinnern werde. So viele Eindrücke! Und ich bin mal wieder mächtig stolz auf mich, vor allem, dass ich einmal mehr meine Angst überwunden hab. Wieder einen großen Eimer Höhenangst in den Abgrund gekippt. Klar hätte ich das allein nie gemacht und deshalb danke an meinen Bergführer, dass er mir sowas zutraut. 
Wahnsinnsaufnahmen. Ihr seid echt verrückt.
Wer kann, der kann!
Super-Tour! Und Klasse Bericht, da ist man gleich richtig drin und dabei
Tipp für/gegen Schnee, insbesondere wenn der noch recht hart ist: Grödel, so eine Art Mini-Steigeisen. Z.B. sowas: http://www.outdoortrends.de/ausruestung/groedel/austrialpin-groedel-diagonal.html
sehr toll..!! Love it..!
wow der hammer!