Sonntag, 12.07.2009

Wandertag am Säntis

Eingeweihte und ziemlich dreckige Wanderschuhe

Ich glaube, nach einer 10-Stunden-Wanderung mit geschätzten 1700 Höhenmetern kann man die neuen Wanderschuhe als eingeweiht betrachten. Selbiges haben wir gestern erledigt und es war mal wieder Spitzenklasse, auch wenn das Wetter nicht so optimal war.

Um fünf in der Frühe sind wir Richtung Schweiz losgefahren und waren nach ca. zwei Stunden in Wasserauen auf dem Parkplatz. Die wenig vertrauenerweckenden dunklen Wolken über den hohen Bergen ignorierend gings auch gleich hoch Richtung Bogartenlücke erst durch den Wald, dann über ziemlich nasse schlammige Wiesen, was die Lauferei ziemlich erschwerte. Ich war begeistert von der Vegetation: So bunte Wildblumenwiesen, das sah teilweise aus wie ein angepflanzter Steingarten rechts und links vom Weg. Viele unbekannte Pflanzen, aber das Fotolicht war wegen der dunklen Wolken nicht so gut, weshalb es auch vom ersten Teil der Tour keine Fotos gibt.

Die Türkenbundlilie. Wächst da einfach so in der Wildnis. Sieht herrlich aus

An der Bogartenlücke angekommen, strebte die Aussicht dort oben aufgrund der Nebelschwaden gegen Null, selten riss es mal auf und man konnte die herrliche Bergwelt ringsum erahnen. Ansonsten sah es aus, als ob im Tal unten ein Riesensuppenkessel steht, der vor sich hin brodelte und Unmengen von Dampf erzeugte.

Weiter gings dann auf nem blauweiß markierten Weg: “Nur für geübte Wanderer, Trittfestigkeit und Schwindelfreiheit Voraussetzung” – also genau richtig für mich (harhar!). Andi meinte aber, das geht schon in Ordnung, also los. Immer weiter hoch und mich störte bei der Kraxelei eigentlich am meisten, dass es so nass und teilweise rutschig war. Wobei ich aber meine neuen Stiefelchen gleich von Anfang an zu schätzen wusste: Ich fühlte mich viel sicherer als mit den 30-Euro-Deichmann-Teilen, mit denen ich im Allgäu unterwegs war und die für sowas eigentlich gar nicht gedacht waren.

Ich glaub, da oben war ich irgendwie...

Dann waren wir auf dem Grat und bald auch auf dem höchsten Punkt dort, der Marwees. Dort und auch auf dem Grat war es für mich vielleicht gar nicht so schlecht, dass es so neblig war, so konnte ich die Höhe Tiefe rechts und links von mir nur erahnen und das reichte mir fürs erste. Herrje! Jetzt fing es auch noch an zu pieseln und der Wind war kalt und böig und so waren wir froh, die Regenjacken dabeizuhaben.

Weiter ging es dann bergab (teils auf allen vieren, weil ganz schön steil und rutschig) zur Meglisalp, zuletzt war das ein richtig gemütlicher Weg, aber leider wurde der Regen stärker. So waren wir froh, in der Alp angekommen zu sein und waren überrascht, wie voll es darin war. Hatten wir doch unterwegs kaum Leute getroffen. Zur Stärkung gabs Kaffee und Bierchen, wobei sich die Bestell-Laune umgekehrt proportional zu den Schweizer Preisen verhält. Netterweise hörte dann auch der Regen auf.

Die guckt ziemlich aufmüpfig, oder? Wir mussten drumrumlaufen, die Viechter haben keinen Platz gemacht

Was uns recht schnell zu dem Entschluss brachte, noch einen netten Umweg dazu zu packen. Ich merkte zwar, dass ich in den neuen Schuhen an den Fersen Blasen bekam, aber damit hatte ich ja schon gerechnet, ich bin ziemlich anfällig dafür. Es tat aber nur mäßig weh und nach Hause wollte ich noch nicht, also gings von der Meglisalp auf der anderen Seite wieder nach oben in Richtung Säntis. Und siehe, ab und zu kam jetzt auch mal die Sonne raus, der Nebel verschwand langsam, aber es war nach wie vor windig und kalt.

Die kalten Böen erreichten ihren Höhepunkt an der Wagenlücke, von da an ging es wieder abwärts geklettert über Steine, Geröll und sogar ein Schneefeld sind wir runtergerutscht, das war vielleicht spaßig. Skifahrn ohne Ski sozusagen und aufpassen, dass man sich nicht aufn Hintern setzt.

Nicht nur Kühe, auch Bergziegen blockieren die Wanderwege

Ab hier hab ich dann auch mehr geknipst, einfach, weil das Wetter besser war und ich nicht mehr ganz so arg aufpassen musste, dass ich nicht irgendwo runterfalle. Am Seealpsee kamen wir dann schon nur noch mit T-Shirts an, so warm war es inzwischen geworden. Allerdings zeigte ein Blick nach hinten, dass über den hohen Bergen immer noch die fetten Wolken hingen.

Ein ziemlich müder Zickenbock lag auf dem Weg rum
Kugelige Teufelskralle (hört sich gefährlich an, war aber ne harmlose Blume)
Wir nannten sie Bergpuschel, der richtige Name ist aber Akeleiblättrige Wiesenraute. Wow.
Blick ins Tal Richtung Seealpsee
Beim Abstieg von der Wagenlücke
Übergang über einen Bach mit Gehhilfe


In der Kneipe dort am See gabs nochmal Kaffee zur Stärkung für die Heimfahrt, vorher machten wir noch unsere Schuhe im See sauber (meine Güte, sahen die verdreckt aus!) und dann gings nur noch abwärts nach Wasserauen zum Parkplatz. Das Bergruntergelaufe zum Schluss auf dem Asphaltweg ließ unsere Knie nochmal so richtig laut jammern, spätestens jetzt merkten wir, dass es für heute wirklich reichte.

Bei allerschönster Abendsonne gings dann wieder zwei Stunden nach Hause. Meine Güte, war ich hinüber! Aber die Gegend um den Säntis und auch der Säntis selber hat uns bestimmt nicht das letzte Mal gesehen. Andi kennt da noch so viele Wege und irgendwann muss ich ja auch mal die Aussicht fotografieren. Trotz teils suboptimalem Wetter eine klasse Tour!!!

Da in der Mitte kann man auch durch auf die andere Seite zur Meglisalp
Der blaue Eisenhut. Giftig und selten
Blick von oben auf den Seealpsee
Der Seealpsee von fast unten
Beine baumelnd in der Mondlandschaft
Gelber Fingerhut. Hab ich noch nie so oft wildwachsend gesehen


Und die Schuhe? Einweihung bravourös bestanden, ich möchte nichts anderes mehr haben zum Wandern. Haben wir gut eingekauft. Daran ändern auch die zwei Blasen an den Fersen nichts, wie gesagt, mit sowas habe ich beim ersten Mal gerechnet und das gibt sich von allein.

verzapft von Ilona um 16:36 Uhr | 10 Kommentare |

Tags: , ,

10 Kommentare zu “Wandertag am Säntis”

  1. Angel sagt:

    Nicht schlecht, ihr beiden! Wenn das so weiter geht, werdet ihr uns bald mit Euren Supertouren abhängen :-) (Ich war noch nie am Säntis)

    Darf ich mal ganz dezent der Link zur besten Sektion des DAV einstreuen? Spätestens wenn es daran geht, auf irgendwelchen Hütten zu übernachten, lohnt sich die Mitgliedschaft. Abgesehen davon finden sich da natürlich die allernettesten DAV-Mitglieder und es werden tolle Touren und Kurse und Gemeinschafts-Unternehmungen angeboten :-)
    http://www.sektion-alpen.net/

    Genug der Werbung ;-)
    Bezüglich Blasen: Am besten ist, die betroffenen Stellen sofort abzutapen, sobald man was spürt. Im Vorfeld schon mal mit Hirschtalg vorarbeiten, das macht dei Haut elastischer und sie hält mehr aus. Und wenn es dann doch mal passiert ist – nix geht über Compeed.

  2. Ilona sagt:

    Wir euch abhängen? Du machst Witze!!!
    Aber Säntis kann ich nur empfehlen, da ist es wirklich klasse und dabei blieb ja die meiste Pracht hinterm Nebel verborgen.
    Die DAV-Seite kenn ich schon, aber danke für den Link, das passt gut hierher zum Bericht.
    Und wer kennt Compeed nicht, wenn er schon mal mit Blasen zu tun hatte? Das Zeug ist wirklich gut, aber auch schweineteuer.

    Im übrigen: In der ersten Augustwoche werden wir wieder im Allgäu die Berge hoch und runter wackeln. So denn das Wetter mitspielt. Wir kommen natürlich nur wegen der Kässpatzen, weil wir es immer noch nicht geschafft haben, uns die mal selber zu kochen. :D

  3. andi sagt:

    “weil wir es immer noch nicht geschafft haben, uns die mal selber zu kochen”
    Das is ja sicher ein Tippfehler.
    Weil Gertrud es noch nicht geschafft hat, mir welche zu kochen soll das heißen. Vor lauter Rumrennerei in den Bergen. Also ehrlich :mrgreen_wp:

  4. Ilona sagt:

    Gertrud? Wer ist Gertrud? Kann die Kässpatzen kochen?
    :heilig:

  5. Joerg sagt:

    Ja, ja genau Gertruds Kässpätzle sind die Besten! Andi ess doch bitte eine Portion mit wenns mal welche gibt. :D

  6. Ilona sagt:

    Aha. An Faulheit schon nicht mehr zu überbieten: Der Mann isst nicht mal mehr selber, der lässt essen.
    Außerdem ist die genaue Bezeichnung der Speise Kässpatzen. Spätzle ist schwäbisch und schmeckt völlig anders.

  7. Chrissy sagt:

    Also Spatzen könnt ich gar nicht essen, nicht mal mit Käse. :gruen:

  8. Ilona sagt:

    Mäkel ma nicht rum hier. Die Federn kommen natürlich ab. 8O

  9. andi sagt:

    Im Allgäu auffer Speisekarte stand immer Knöpfle statt Spätzle, da muß man nichmal die Federn wegmachen. Nur die Löcher in den Knöpfen machen halt nich so satt :rolleyes_wp: