Samstag, 05.06.2010

Allgäu 2010 – Entschenkopf und Gängele

Enzian blüht überall

Heute wollte das Wetter wohl alles nachholen, was es letzte Woche versäumt hatte. Der Morgen begrüßte uns mit blauem Himmel und kristallklarer Luft. Sicht bis zum Nordpol. Ich schmierte mir meine vom Vortag arg verbrannten Gliedmaßen nebst Gesicht dick mit Sonnencreme ein und diesmal liefen wir gleich mit kurzen Klamotten los.

Wir hatten uns heute den Entschenkopf ausgesucht. Das war mein zweiter Berg voriges Jahr nach dem Rubihorn und ich kann mich kaum noch dran erinnern. Wohl, weil ich alles wie in Trance gelaufen bin vor lauter Angst vor der Höhe. Deshalb wollte ich da nochmal hoch, um die Sache richtig zu genießen.

Vorab: Ich bin heftig erstaunt, dass ich das voriges Jahr überhaupt durchgestanden habe bei meiner Höhenangst.

Wir starten früh gegen 7 durch den immer noch abgesperrten Tobelweg zur Geisalpe. Um diese Zeit ist auch auf dem Parkplatz noch nicht viel los. Wir werden lediglich von drei Männern überholt, die sich wohl gegenseitig beweisen mussten, wie schnell sie konnten.

Von der Gaisalpe gings diesmal geradeaus weiter in Richtung Falkenjoch. Ziemlich steiler Aufstieg durch Wald und Wiesen, auf denen die Sonne schräg drüber schien und die Tautropfen glitzern ließ. Richtig klasse, obwohl der Weg oft ziemlich schlammig war. Aber darüber braucht man sich ja bei dem Regen nicht wundern.

Der Weg auf den Entschenkopf führt dort auf dem Grat nach oben. Sieht schlimmer aus, als es ist.

Machte Spaß, wenn man den Rhythmus gefunden hatte. Die lange Tag vom Vortag merkten wir ja doch ein bisschen. Vom Falkenjoch nach rechts und dann sahen wir auch schon den Aufstieg. Auch paar Schneefelder waren da ganz oben, aber wir hofften mal, dass wir da nicht durch mussten.

Fotopose auf dem Grat. Rechts und links gehts hübsch runter.

Los gings. Wie gehabt durch steilen Schotter, das störte mich dieses Mal nicht so, weil ich mit den Stäbchen ganz gut ausbalancieren und mich hochdrücken konnte. Ging prima, war halt nur steil und ich war wohl wie immer bisschen zu schnell, so dass ich oft verschnaufen musste. Aber da konnte man wenigstens mal bisschen nach unten gucken und die phänomenale Aussicht genießen.

Dann kam die Kletterstelle und die Stelle, wo man sich auf nem engen Steg um den Berg drücken muss, ging alles gut. Zum Schluss nochmal jede Menge steiler Schotter, den ich dann nicht mehr so toll fand, weil die Stäbchen inzwischen im Rucksack waren.

Zum Schluss das Stück über den Grat, da stand ich heute sogar Fotomodell, war voll klasse die Aussicht.

Auf dem Gipfel des Entschenkopf. Herrliches Wetter und ebensolche Aussicht

Auf dem Gipfel waren wir erst alleine und machten lange Pause. Eine Wahnsinnsaussicht war zu genießen und das machten wir ausgiebig. Dann wurde es so nach und nach voll da oben. Aus allen Richtungen kamen zunächst die einsamen Wanderer, die schweigsam den Berg hinaufstapfen, sich genauso schweigsam oben ein trockenes Hemd anziehen und ihr karges Mahl verspeisen, bestehend aus harter Wurst und trockenem Brot. Die echten Bergleute halt… ;-)

Auf dem Runterweg vom Entschenkopf

Als wir uns auf den Runterweg machten, wurde das Publikum dann bunter und schwatzhafter und immer wenn wir zurückschauten, wars da oben noch voller geworden.

Weiter runter und dabei bisschen klettern

Wir liefen bzw. kletterten auf dem bekannten Wegerl auf dem Grat entlang mit reichlich Fotopausen. Wetter war nach wie vor voll sonnig und inzwischen briet einen die Sonne ganz hübsch, aber hallo! Am Gängele hatten wir viel Spaß und dachten an den einsamen Wanderer, den wir voriges Jahr dort gesehen hatten, als er dort am Grat oben weiterlief in Richtung Nebelhorn. Wir gaben uns alle Mühe, konnten aber nicht mal ansatzweise einen Pfad dort entdecken. Abenteuerlich genug sah es ja aus.

Hier hangele ich mich gerade am Gängele entlang. Macht Spaß!

Weiter gings runterwärts wieder durch diese abgerutschte Stelle (die ich wohl verdrängt hatte, bis ich sie jetzt wiedersah), aber auch das ging mit den Stäbchen viel sicherer! Ich will die Dinger bei keiner Wanderung mehr missen!

Dann waren wir auch schon bei der Weggabelung, wo wir gestern rechts in Richtung Nebelhorn gelaufen sind. Ganz nebenbei sahen wir noch vier Wanderer, die an der Stelle, wo wir uns gestern nicht getraut haben (siehe Foto), weitergelaufen sind. Das wollten wir auch mal machen! Aber erst später im Jahr bei wesentlich weniger Schnee.

Ausblick auf den Gaisalpsee. Beliebtes Familienausflugsziel bei dem Wetter.

Wir liefen runter zum oberen, dann zum unteren Gaisalpsee und wunderten uns, wieviel und vor allem was für Leute uns da noch im Aufstieg entgegen kamen. Ganz bestimmt nicht lustig, mitten in der Mittagshitze. Da hat man ja schon beim Bergablaufen genug zu tun!

Noch mehr Wanderverkehr war zwischen Gaisalpsee und Gaisalpe, aber kein Wunder bei dem Wetter. Und da liefen alle möglichen Leute mit Turnschuhen und sogar Sandalen herum, ein richtiges Sammelsurium.

Auf der Gaisalpe war auch gut was los. Dort gabs für uns kalte Getränke und ein erfrischendes Lüftchen zur Abkühlung. Das war so erfrischend, dass ich schon wieder gefroren habe.

Ein vorwitziger Käfer

Ab durch den Tobel nach unten, Schuhe sauber machen und nach ner Tasse Kafi in der FeWo geht’s gleich noch nach Fischen zum Abendessen fassen. Irgendwie muss ich ja meine neuen Teva-Sandaletten noch spazieren führen und dass ist meine letzte Chance.

Wieder ne klasse Tour, der Entschenkopf ist schon was besonderes. Vor allem die Rücktour übers Gängele macht Spaß. Vor allem nicht grad einfach zu gehen und deshalb hab ich mich gewundert, wie ich das voriges Jahr gemacht habe…

Morgen ist ja schon Heimreise angesagt, allerdings nicht, bevor wir nicht noch was gewandert sind.

verzapft von Ilona um 20:24 Uhr | 1 Kommentar |

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1 Kommentar zu “Allgäu 2010 – Entschenkopf und Gängele”

  1. Angel sagt:

    Hach, schöne grüne Allgäu-Bilder :-)

    Ja, das mit dem heftigen Erstaunen wegen Deiner Höhenangst hatte ich mir letztes Jahr auch schon gedacht. Aber da bist Du wohl mit Tunnelblick drüber …