Trettachtal - Spielmannsau - Traufbergalpe

Blick aus dem Fenster auf die Berge

Nachdem wir gestern abend bereits angereist waren und eine wunderbare Nacht in unserer Unterkunft verbracht haben, wurden wir heute früh um 7.00 Uhr von herrlichem Sonnenschein geweckt. Als Schimmi die Gardine zu dem einen Fenster aufzog, präsentierte sich uns gleich mal ein hübscher kleiner Berg. Na ja, so klein nun auch wieder nicht.

Unser Zimmer ist super, sehr groß, sogar mit Sitzecke, kleinem Tisch, Fernseher und Balkon. Vom Balkon aus haben wir einen wunderbaren Blick auf die Berge. Hier sitze ich übrigens gerade und schreibe diesen Bericht, während Schimmi unter der Dusche ist. Jaaa, wir haben den Schleppi natürlich mit, wozu hat man denn jetzt Mobile Computing. Na gut, online sind wir nicht, müsst ihr eben warten, bis dieser Bericht erscheint.

Blick vom Balkon aus

Ok. Wir haben also super geschlafen und begaben uns gegen 8.00 Uhr zum Frühstück, welches wir auch in Ordnung fanden (es gab sogar Vollkornbrötchen!!!) und mit einer netten Unterhaltung mit unseren Tischnachbarn (kamen aus der Gegend um Dräsdän, *hehe*) rumbekamen.

Dann wieder hoch ins Zimmer, umziehen, mit Sonnencreme dick einschmieren, Sachen packen und los. Die Tour heute sollte so schlimm nicht werden, lt. Angel. Es sollte ins Trettachtal zur Spielmannsau und vielleicht noch ein Stück weiter gehen. Zuerst suchten wir in Fischen mal die Iller und verwechselten zunächst mal lauter kleine Bäche damit. Nach einigem Hin und Her war der Iller-Radwanderweg gefunden und der fuhr sich wirklich recht bequem, obwohl es ein Kiesweg war. Uns kamen laufend Soldaten in voller Montur entgegen, die hart am Marschieren und Schwitzen waren. Wohl irgendso eine Übung.

Es war aber auch extrem warm, ja schwül und ich fragte mich, wie weit wir es wohl heute bringen würden.
Radweg an der Iller entlang Der Illerursprung
Erläuterung des Illerursprunges Nochmal die Iller
Der Weg führte zunächst wunderschön an der Iller entlang, rechts und links ragten Berge auf. Dann passierten wir den Illerursprung, dort wo drei Flüsse zur Iller zusammenfließen (siehe Fotos).

Schließlich dauerte es gar nicht lange und wir waren in Oberstdorf angekommen. Rechts oben sah man die beiden Skisprungschanzen, die man ja aus dem Fernsehen kennt.

Wir hielten erstmal an einer Tankstelle an, um eine Karte zu kaufen. Leider waren die beiden Karten, die bestellt hatten, nicht mehr rechtzeitig angekommen. Der Tankwart erklärte uns auch noch den Weg, wie wir am besten fahren sollten und so gings weiter. Erstmal durch Oberstdorf hindurch, wo wir am Schlecker schon wieder anhielten, weil ich Dödel meine Haarbürste vergessen hatte. Was ja bei meinen kurzen Haaren nicht wirklich schlimm ist, aber ich fühle mich immer so ungestylt ohne. ;-)

Radweg hinter Oberstdorf

Und so waren wir nach einigem Rumgurken in Oberstdorf auf nem Wanderweg angekommen, der lt. Beschilderung zur Spielmannsau führte und auf dem auch andere Radler unterwegs waren. Konnte also so falsch nicht sein.

War es aber wohl doch. Irgendwie. Auf einmal nämlich wurde dieser schöne Wanderweg mächtig schmal und übelst steinig. Zwei Radler vor uns drehten um und ein paar Wanderer empfahlen uns dasselbe. Nö. Konnte ja gar nicht sein. Angels Beschreibung sagte davon gar nichts, also weiter hier und sonst gar nichts.

Gut. Es ging mächtig bergauf. Aber das allein wäre nicht so schlimm gewesen, wenn der Weg nicht nur noch aus Steinen und Wurzeln bestanden hätte. So gut wie unbefahrbar mit unseren Reifen. Zudem wurde es so steil, dass mein Vorderrad auf einmal den Boden nicht mehr berührte und ab da war dann Schieben angesagt.

Nicht viel später stieg Schimmi auch ab. Also Augen zu und durch. Bei ca. 1000 Meter Höhe hörte die Steigung dann auf und wir fuhren wieder, aber: Ein extrem schmaler Pfad, bedeckt mit großen Wurzeln und noch größeren Steinen und rechterhand ging es steil nach unten. Ich stellte mir immer vor: Wenn du hier hinfällst, kullerst du da runter und das war es dann. Aber egal wie, wir kamen irgendwie durch und dann waren wir da. Und sahen von rechts einen wunderbaren Radweg, auf dem viele Radler und Wanderer unterwegs waren und den Angel wahrscheinlich meinte, dass wir dort fahren sollten. Nun gut. Immerhin waren wir keinen Umweg gefahren und angekommen.
Das Trettachtal an der Spielmannsau Nochmal Blick aufs Trettachtal
Steile Hänge, davor Kuhweiden Der Alm-Öhi mit dem Alphorn
Der Gasthof Spielmannsau Und es hatte sich mal wieder gelohnt: Wir hatten einen traumhaften Ausblick auf das Traufbachtal und machten erstmal jede Menge Fotos, bevor wir uns auf eine Apfelschorle in der Gaststätte dort niederließen. Dabei erwischte ich auch diesen ulkigen Alm-Öhi mit seinem Alphorn. Der blies sogar darauf herum und alle Touristen incl. uns waren begeistert.

Gut. Wir tranken unsere Apfelschorle aus und wollten weiter. Angel schrieb dazu: “Wenn es euch juckt, fahrt von Spielmannsau rauf zur Traufbergalpe, das ist *heftig* aber wirklich nett oben. Dem Weg noch 500m folgen und an der Materialseilbahn links rauf.”

Schimmi am Hang

Es juckte uns. Also weiter lt. Beschreibung und da ging es wirklich heftig rauf. Mein lieber Herr Gesangsverein!!! Und das nicht nur ein paar Meter, sondern endlos lange! Natürlich konnte man das nicht fahren (siehe Tacho mit Steigungsanzeige), das konnte man ja kaum schieben! Aber wir wollten da hoch. Also schoben wir unsere Räder immer weiter nach oben und der Schweiß lief nur so an uns runter und verursachte wahrscheinlich unten im Tal ein Hochwasser. Es ging in Serpentinen hoch und an jeder Kehre hoffte man, dass es vorbei ist, aber nix da… Erst bei 1270 Metern waren wir oben und das ganze war sogar als Paß ausgeschildert. Nun waren wir also unseren ersten Paß gefahren geschoben.
Ilona am Hang 24 % Steigung - autsch
Ausblicke auf die Berge Das verwackelte Passfoto
Blick von oben Da kam ein Montainbiker herauf, der meinte, dass er das ganze mal eben raufgefahren sei, aber vorher sei er schon da und da gewesen. Ach du Scheiße! Wir waren waren wirklich voll die Weicheier! Nun ging es erstmal runter und dann wieder ein Stück rauf zur eigentlichen Traufbergalpe, das war eine Hütte, an der man nett sitzen, was essen und trinken und in die Berge gucken kann. Auf dem ersten Bild hat Schimmi schon Apfelschorle bestellt und versucht, ein Gespräch mit ein paar gesprächsunwilligen Mountainbikern anzufangen, während ich noch rumfotografierte:
Endlich auf der Traufbergalpe Blick nach unten von der Alpe
Wegweiser an der Traufbergalpe Weg zu den Wasserfällen
Da war dann noch dieses Schild, auf dem stand, dass ein Wanderweg zu den Wasserfällen führen sollte. Und in der Ferne sahen wir auch einen Wasserfall. Eigentlich wollten wir da hin. Also ließen wir die Räder an der Hütte stehen und zogen zu Fuss weiter. Und das war ja mal wirklich lustig, sprich unwegig. Über Stock und Stein, Bach und Kuhweiden, vorbei an wilden Bullen und müden Kühen, bis da irgendwann überhaupt kein Weg/Pfad mehr war und wir hätten klettern müssen. Das ließen wir mangels Bergsteigerausrüstung mal lieber bleiben. ;-) Und stiegen zurück. An irgendeinem Bach wusch sich Schimmi noch die Kuhfladen von den Beinen, die ihm nach einem Sturz dranne klebten und dann waren wir wieder an der Hütte. Hier die Fotos:
Durch rastende Kühe hindurch Eine schlafende Kuh
Die Berge wurden wilder und felsiger Durch Bäche und steinige Pfade
Schmetterlinge beim Trinken Mein Smalltalk mit ner Kuh
Schimmi wäscht sich die Kuhfladen von den Beinen Wieder zurück zur Traufbergalpe
Auf die Fahrräder und zunächst wieder bergab und dann mussten wir wohl oder übel wieder über diesen Pass. Wir mussten oder wir würden hier überwintern. Also los. Nach 100 Metern hob sich wieder mein Vorderrad und wir schoben unsere Höhenmeter zusammen. Droben braute sich währenddessen ein Gewitterchen zusammen und es donnerte ab und zu.

Wir ließen uns davon aber nicht stören, da es höllisch warm war und wir uns geradezu auf eine Abkühlung freuten. Deshalb machten wir auch erstmal eine Kaffeepause, als wir den Paß wieder erreicht hatten. Immerhin hatten wir einen neuen Campingkocher und Kaffee muss einfach sein. Während Schimmi Kaffee kochte, schockte ich meine Mutter mit einem Telefonanruf zum 44. Hochzeitstag. Da denke ich sonst nämlich nie dran, aber komischerweise heute, wo wir mitten in der Pampa waren.

Das Runterfahren gestaltete sich auch nicht so einfach, da ich das Gefühl hatte, meine Bremsen würden glühen und ab und zu schlug das Hinterrad aus. Man brauchte wirklich vollste Konzentration und Kraft in den Händen zum Dauerbremsen.

Als wir wieder unten bei der Spielmannsau waren, regnete es ein paar Tropfen, aber nichts schlimmes. Schimmi war irgendwas auf den Magen geschlagen und musste dringend auf Toilette. Also erledigte er das und dann fuhren wir den “normalen” Weg zurück nach Oberstdorf, immer schön bergab und immer an der Trettach entlang. Wirklich nett. Dann kamen wir an einen Golfplatz und da Schimmi wieder ne Toilette brauchte, fuhren wir da mal eben drauf.

Als ich so stand und auf ihn wartete, fing es an zu regnen. Erst ein bisschen und dann immer mehr, also nahm ich unsere Klamotten und ging mich im Eingang des Golfclubs unterstellen. Gut so, denn jetzt kam ein Wolkenbruch incl. Hagel, aber heftig. Wir warteten das Schlimmste ab und fuhren dann weiter. Leider ging es Schimmi gar nicht gut, aber die Strecke war auch nicht mehr schwierig und bald waren wir wieder in Oberstdorf.

Dort machten wir nochmal Toilettenpause und danach irrten wir ne Weile rum, bis wir den Iller-Radweg wiedergefunden hatten. Auf diesem wurde es dann auf einmal ziemlich windig und wir dachten schon, hoffentlich erwischt es uns nicht nochmal. Aber dann waren wir eigentlich sehr schnell in Fischen, wo wir vor einer Bäckerei erstmal was aßen. Irgendwie hatten wir das den ganzen Tag vergessen bzw. keinen Hunger gehabt wegen der Hitze. Aber das ist wohl nicht so gut, wenn man sich so anstrengen muss.

Reisebericht-Schreiben auf dem Balkon

Wir schafften es trocken ins Hotel und hier nieselte es vorhin ein kleines bisschen. Wir haben schön geduscht, uns einen Kaffee gemacht und die Zeit bis jetzt hier auf dem Balkon verbracht. Ich habe meinen Bericht hier eingetippt und mit Angel telefoniert. Wenn alles klappt, treffen wir uns morgen auf der Käsers Alpe und hoffen, dass wir uns gegenseitig erkennen werden. *g* Wir freuen uns schon.

Und jetzt gehen wir uns erstmal was vernünftiges zu essen einfahren!

21.30 Uhr: Jetzt sind wir vollgestopft mit Kässpatzen, boah, war das lecker. Eben noch die Bilder überspielt, die sind schon mal toll geworden.

Nun schnell ins Bett und Kraft tanken für morgen.

Statistik
gefahrene km: 44 in 3 h 48 min Fahrzeit und 762 Höhenmeter
Übernachtung: Landhaus Marga in Fischen sehr empfehlenswerte kleine Pension mit netten Wirtsleuten
Essen: Kässpatzen in der “Gungelstube” Empfehlung von Angel und seeehhr lecker
Wetter: sonnig, heiß, nachmittags ein Gewitterguss wunderbar klare Sicht auf die Berge
Stimmung: klasse, aber ziemlich kaputt wir werden noch viel trainieren müssen
14. Juli 2006 | Reise: Allgäuer Alpen Juli 2006 | | TB

1 Kommentar zu “Trettachtal - Spielmannsau - Traufbergalpe”

  1. Peter sagt:

    Klasse Bericht.Gut geschrieben.Die Bilder lassen einen erahnen, wie es dort war.Ich war in der Gegend schon wandern (2X).
    Mit dem Fahrrad könnte ich es mir auch mal vorstellen. Schön, daß ihr eure Unterkunft angegeben habt.
    Mal sehn, vielleicht klappt´s ja dieses Jahr noch.
    Ich hoffe, ich lese weitere Berichte von Euch.
    mfG Peter aus Schwäbisch-Gmünd :)

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