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Tag 03 - Montag

Strecke: Aarburg - Lüscherz

Am dritten Tag erwachten wir wieder sehr früh und es erwartete uns dieses Mal ein bewölkter Himmel. Gut so, dachten wir, kann sich wenigstens unsere Haut mal erholen. Zudem es nicht regnete und auch sehr mild war. Nachdem wir zusammengepackt hatten, gingen wir runter zum Frühstücken und waren schon gespannt auf das Riesenbuffet. Nun ja, im Vergleich zu gestern war es wirklich riesig, auch das Angebot an vernünftigen Brot und Brötchen entsprach durchaus unseren hohen Erwartungen. Der Schweizer Käse verdient besondere Erwähnung wegen weil mächtig lecker!

Aarburg am Morgen danach

Wir mussten zunächst wieder ein Stück zurück nach Aarburg, um wieder auf unseren Radweg zu kommen. Und da merkten wir, dass Montag war und andere Leute arbeiten mussten: Wir gerieten nämlich direkt in den morgendlichen Berufsverkehr und wussten nun, warum in Aarburg eine Umgehungsstraße gebaut wurde: Der Verkehr war mörderisch! Lustig dabei: Wir kamen gerade noch durch, als die ganze Straße abgesperrt wurde, damit eine Herde Kühe die Straßenseite wechseln konnte. Hinter Aarburg ging es dann zwischen Autobahn und Schnellstraße entlang, das war gar nicht schön, aber gottseidank nur kurz. Dann ging es wieder in die Pampa durch viele abgelegene Dörfchen, in denen man überall Bauland kaufen konnte. Wollten wir aber definitiv nicht. Später vielleicht. ;-) In der Ferne zeigten sich mal wieder ein paar höhere Berge. Allerdings war es noch ziemlich diesig, obwohl der blaue Himmel schon teilweise wieder hervorlugte. Gut, dass wir die Sonnencreme obenauf gelassen hatten.

Irgendwann an der Stelle begann mein Fahrrad wieder zu knacken. Ich hatte das zu Hause schon festgestellt und wir hatten deshalb das Vorderrad gewechselt, weil ich dieselbe Sache (Lagerschaden) wie voriges Jahr befürchtete, aber es klackerte tapfer weiter und jetzt gerade war es besonders nervig. Also hielten wir an und Schimmi klebte irgendein Kabel am Rahmen fest und dann war es besser. Offensichtlich klapperte da was im Rahmen, da gingen ja auch irgendwelche ominösen Kabel durch. Also keine schlimme Sache.

Schwarze Schweine mitten in der Stadt

In Wangen an der Aare sahen wir mitten in der Stadt dieses schwarze Schwein. Freilaufend auf dieser Wiese. War es das Stadtmaskottchen oder ist es in der Schweiz normal, das schwarze Schweine durch die Stadt laufen? Wir waren amüsiert und verwundert und ich hielt es auf der Quasselbox fest.

Heute war offensichtlich wieder der Tag der ländlichen Gebiete in der Schweiz. Auch der Geruch hatte sich dem wieder angepasst. Bauern versprühten keinen Charme, sondern hektoliterweise Gülle und waren eifrigst mit der Kartoffelernte beschäftigt. So erledigte sich unsere Idee vom zweiten Frühstück erstmal, wir waren froh, dass wir das erste nicht noch mal wiedersehen mussten. Wäre schade, denn das war gut! Irgendwie kamen wir auf die Art nach Solothurn und wurden auf dem Radweg astrein durch die Stadt durchgeleitet. Keine Verirrungen diesmal.

Der Radweg an der Aare

Und dann war endgültig Pampa angesagt. Sieht man schon vorher auf der Karte: Keine Orte mehr, nur noch Bauernhöfe, die Aare und die Äcker. Und ein schöner Kiesweg für uns, an dem wir desöfteren anhielten. Pinkelpausen mussten halt sein und Schimmi schwächelte heute auch ein bisschen, ihm tat der Hintern weh und er hatte Verspannungen im Nacken. Gut, dass nicht nur immer ich das Weichei bin.
Inclusive Natur-Lehrpfad An dieser Stelle malträtierte ich meine Quasselbox. Ja, da kann man mal sehen bzw. hören: Nach diesen unheimlich präzisen, informativen Memos schreibe ich diesen Bericht hier. Ich gebe zu, da steckt noch Verbesserungspotential drin… :D

Irgendwie war das wohl auch so eine Art Naturlehrpfad, denn alle paar Kilometer kam man an so ein Schild, wo allerhand Infos draufstanden. Gut, wir haben sie nicht alle gelesen. Aber der regelmäßige Leser dieser Berichte weiß ja, dass wir Banausen sind. Nicht nur kulturelle.
Die Aare Und ein paradiesisches Plätzchen für unser Picknick
Schließlich fanden wir dieses paradiesische Picknickplätzchen direkt am Aare-Ufer, wo wir unser Käffchen tranken und die Ruhe genossen. Zwischenzeitlich war es auch schon wieder sehr warm geworden, die Sonne brannte vom Himmel und vor dem Weiterfahren schmierten wir noch mal dick Sonnencreme auf unsere geplagte Haut. Ich habe öfter zu Schimmi gesagt, dass ich ihn schon dabei sehe, wie er morgen aus Schutzgründen mit langen Radlerklamotten fährt. Das sah wirklich schlimm aus, aber es schien gar nicht weh zu tun, denn er jammerte gar nicht.

Auf der anderen Seite werden die Berge langsam höher Diese Berge habe ich übrigens von dir gegrüßt, Angel, vielleicht merken sie es sich ja, bis ihr wirklich mal hinfahrt. Wobei ich ja inzwischen noch bessere Berge empfehlen kann, aber ich greife vor…

Weiter ging es. Wir genossen noch eine ganze Weile die Fahrt durch die Landschaft, vorbei an schon fast kitschig schönen Schweizer Bauernhöfen mit prächtigen Blumengärten davor. Heute war wieder ein sehr schöner Tag der Route, fast noch schöner als der erste. Aber unsere Zeitplanung mussten wir irgendwie korrigieren. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, am dritten Tag schon in Frankreich einzufahren, das konnten wir knicken, das wäre ja heute und heute würden wir vielleicht den Bieler See hinter uns lassen. Und dann kam ja noch der Neuenburger See und dann erst der Genfer See und mussten wir ja auch bis zum Ende fahren, um nach Frankreich zu kommen. Nee, das würden wir nicht mal morgen schaffen. Aber egal, wir hatten schließlich Urlaub und drei Wochen Zeit, also was soll es? Dauerts halt zwei Tage länger hier in der Schweiz und ich hoffte auf schöne Seenlandschaften und wer weiß, ob und wann man mal wieder herkommt.

Holzbrücke mit Dach in Büren an der Aare Schließlich waren wir durch die Schweizer Pampa durch und kamen in Büren an und fotografierten diese hübsche Brücke mit Dach. Überhaupt gab es von dieser Stelle einen schönen Blick auf die Altstadt, die wir aber nicht besuchten. Unsere Karte sagte nämlich, dass Biel und der Bieler See nicht mehr weit waren und da hatten wir ausnahmsweise mal einen guten Tipp aus dem Reiseführer entnommen, den wir realisieren wollten. Das würde uns zwar wieder Zeit kosten, aber es ist mal was anderes und man kann ja nicht an allem vorbeifahren.

Wir fuhren noch eine Weile an einem Kanal entlang, die Gegend wurde zunehmend dichter besiedelt, die Großstadt nahte und da waren wir auch schon in Biel oder Bienne. Die Stadt ist zweisprachig und so langsam sollten wir uns an das “Bonjour” zur Begrüßung gewöhnen. Auch die Ortsnamen waren ab hier schon mächtig französisch. Wir gedachten unserer nicht gemachten Hausaufgaben in dem Anfänger-Französischkurs, den wir eigentlich erledigt haben wollten, aber wie das halt immer so ist… andere Sachen schienen wichtiger… Immerhin hatte ich noch ein Wörterbuch erstanden und das sollte uns desöfteren vor dem Hungertod bewahren.

Der o. g. Plan beinhaltete eine Fahrt mit der Standseilbahn von Biel aus nach Magglingen hoch. Dort sollte man eine Superaussicht auf den See und die Umgebung haben und die sollten auch Räder mitnehmen. Ok, der schwierigste Teil an dem Plan war, den Abfahrtsort der Standseilbahn zu finden, aber das gelang uns anhand der überall in Stadt ausgehängten Karten an die Infopoints eigentlich ganz gut. Wir wollten erst eine Hin- und Rückfahrt buchen, aber man sagte uns, dass wir zurück ganz problemlos mit den Rädern runter fahren könnten. Man könne mit den Rädern natürlich auch hochfahren… Aber das lassen wir lieber. In der Seilbahn trafen wir eine junge Frau mit Mountainbike, die uns ein paar Tipps gab, was man da oben alles noch befahren könne. Hörte sich gut an, aber so viel Zeit wollten wir da eigentlich nicht investieren.
Der Bieler See ganz oben in Magglingen mit der Standseilbahn
Die Aussicht war wirklich klasse, das hatte sich gelohnt. Leider erwischen wir aber bei derlei Unternehmungen immer so diesiges Wetter, so dass wir nicht immer das sehen, was im Prospekt steht. *g* Nachdem wir die Aussicht geknipst hatten, fuhren wir noch eine Weile da oben rum, fuhren auch noch ein ganzes Stück höher, entschlossen uns aber dann, wieder runterzufahren und unsere Tour fortzusetzen. Wir wollten halt noch ein Stück weiterkommen.

Die Abfahrt von 950 auf 468 m.ü.M. war wirklich spaßig. Durchschnittstempo 50 km/h und das auf 10 Kilometern. Hah! Allerdings stellten wir übereinstimmend fest, dass unsere Fahrräder bei der Beladung (und die war so hoch gar nicht, da nehmen andere viel mehr mit) und der Geschwindigkeit ziemlich am Schlingern waren und man sich nicht mehr so sicher fühlte. Offensichtlich büßt man zugunsten des Gewichtes an Stabilität ein. Schade eigentlich!

Abendstimmung am Bieler See Nun mussten wir aus dieser Riesenstadt wieder rausfinden und natürlich führte uns der Weg mitten durchs Zentrum und wir sind schon eine Weile rumgegurkt, bevor wir den Radweg wiedergefunden hatten. Dieser führte uns dann am See entlang und das war wirklich schön zu fahren, obwohl es ein bisschen hoch und runter ging. Wir durchquerten kleine Örtchen, aber insgesamt war der See nicht so zugebaut wie der Bodensee. Es war mehr natürlich erhaltene, nicht bebaute Uferzone vorhanden. Die Sonne senkte sich langsam über dem See und das sah wirklich sehr schön aus, erinnerte uns aber daran, uns mal langsam nach einem Quartier umzusehen.

Und das ist auch ein Riesenunterschied zum Bodensee: Dort hängt fast an jedem Haus ein Schild “Zimmer zu vermieten”, hier überhaupt nicht. Nirgendwo. Wir fragten eine Frau, die mit ihren Kindern dort an einer Parkbank spielte, aber die konnte uns auch nicht helfen und verwies uns in den nächsten größeren Ort Erlach. Nun gut, würden wir eben weiterfahren, was anderes blieb uns in so einem Fall sowieso nicht übrig.

Dann kamen wir durch ein Örtchen namens Lüscherz. Dort hatte der Dorfladen noch auf und Schimmi ging einfach mal rein und fragte, ob es hier irgendwo ne Übernachtungsmöglichkeit gäbe. Die beiden Gasthöfe am Ort hatten wir schon gecheckt, die hatten netterweise beide zu: einer hatte Ruhetag und der andere Urlaub. Und siehe da, die Besitzerin des Ladens wusste was: Wir sollten mal drei Häuser weiter klingeln, da gibt es ne Ferienwohnung. Na, das machten wir doch glatt und kamen auf diese Art zur schönsten, nettesten und preiswertesten Übernachtung auf unserer Tour durch die Schweiz, nämlich in der Ferienwohnung bei Familie Grimm. Um das zu dokumentieren, gibts hier gleich mal ein paar mehr Bilder:

Das war wirklich schön dort. Klasse auch der direkte Zugang zum See, das heißt, man geht durch den Garten, dort am Ende durch ein Tor und steht direkt auf einer Wiese am Seeufer, wo auch eine Badestelle ist. Für einen Urlaub wie geschaffen, da hält man es eine Weile aus. Hab grad gesehen, natürlich gibts auch ein Bad, das haben wir wohl gar nicht fotografiert. Wir waren also für heute bestens untergebracht und gingen erstmal unter die Dusche usw.
Der Bieler See Ausruhen und die Stimmung genießen
Regenbogen über Lüscherz Dann machten wir noch einen Rundgang, erst über den Garten an den See, dort entlang am Ufer über die Badestelle, wo wirklich noch Leute badeten. Merkwürdigerweise fing es in diesem Moment an zu regnen, das war merkwürdig, denn die Sonne schien auch noch. Immerhin gab das einen wunderschönen Regenbogen. Wir machten uns dann auf zur einzigen offen Gaststätte im Dorf, das Restaurand “Surf”, dort sollte es Fleisch vom heißen Stein geben, hatten uns die Grimms empfohlen.

Wir waren die einzigen Gäste und die einzige Kellnerin hatte es scheinbar unheimlich eilig, uns wieder loszuwerden, so schnell wurden wir bedient. Was bei der Sache mit dem heißen Stein herausgekommen ist, sagt meine Quasselbox. *g* Aber die Pizza war sehr lecker! Trotzdem war es ungemütlich, da einem die Kellnerin dermaßen auf die Nerven fiel. Die hat, während wir gegessen haben, bestimmt viermal geguckt, ob wir nicht schon fertig sind, damit sie abräumen kann. Furchtbar!

In der Schweiz heißt es Parkieren, nicht Parken Beim Spaziergang nach dem Essen knipsten wir noch dieses Schild für unsere Sammlung. Ist schon lustig, dass die Schweizer “parkieren” statt “parken” sagen. Außerdem wussten wir nicht, dass Boote geparkt oder parkiert werden. Oder heißt es geparkiert? Rätsel über Rätsel. Als wir wieder bei unseren Gastgebern ankamen, halfen wir noch mit, den “Supermarkt” von Frau Grimm wegzuräumen, sprich den kleinen Stand mit Verkauf von Obst, Eiern und anderen selbstgefertigten Produkten, den sie vor ihrem Haus betreibt. Im übrigen war das Obst, das wir von ihr bekommen haben, richtig lecker!

Und nach einem kleinen Schwatz waren wir dann auch müde genug, um ins Bett zu gehen. Das würde heute eine besonderes ruhige Nacht werden hier am See in diesem ruhigen kleinen Dörfchen.

Statistik
gefahrene km: 101,2 in 6 h 23 min Fahrzeit 679 Höhenmeter
Übernachtung: in der Ferienwohnung der Fam. Grimm in Lüscherz am Bieler See die beste Unterkunft während unserer Schweiz-Tour
Essen: Pizza im Restaurant “Surf” die war lecker, aber aus unerfindlichen Gründen ist es da schweineteuer
Wetter: früh bewölkt, dann sonnig und warm, abends etwas Regen Wir sind nur abends kurz nass geworden
Stimmung: klasse wir genießen die Fahrt
11. September 2006 | Reise: Schweiz - Frankreich 2006 | | TB

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