In dieser Nacht mussten wir das Fenster schließen, weil das Meeresrauschen in Verbindung mit Regen, Gewitter und Sturm eine Geräuschkulisse ergab, die einem den Schlaf raubte.
Als wir dann früh aufwachten, wurden wir mit einem Wolkenbruch nebst Gewitter begrüßt und unsere Laune war deshalb auch nicht so besonders. Noch ein Regentag und vor allem einer, an dem wir uns irgendwo herumdrücken mussten, weil wir bis spätestens 11 Uhr unser Zimmer geräumt haben sollten, ansonsten würde es noch eine Nacht berechnet. Mist.
Aber erstmal Frühstück. Hier erwartete uns heute eine Überraschung. Unsere Hotelmutti hatte nämlich extra für uns Käse besorgt. Offensichtlich hat unser permanentes Gejammer über den ganzen Süßkram beim Frühstück gewirkt und nun hatten wir endlich mal wieder Käse zum Frühstück. Fanden wir unheimlich lieb von ihr. 
Wir waren sogar so nett, unseren neuen Bekannten je eine Scheibe abzugeben. Schimmi meinte, wir schenken sie ihnen nachträglich zur Hochzeit. Die beiden waren auch entsprechend gefrustet wegen des Wetters und würden heute auch weiterfahren, wie sie sagten. So hatte das keinen Sinn am Meer, so schön es auch hier sei. Aber noch einen Tag im Hotel oder in diversen Cafès, das ist einfach zu langweilig und Zeit ist einfach kostbar im Urlaub.
Nach dem Frühstück gingen wir hoch und packten unsere Sachen zusammen. War direkt schon wieder ungewöhnlich, aber es passte alles noch rein in die Ortliebs. Wir durften unser Gepäck unten im Aufenthaltsraum des Hotelpersonals deponieren, bis wir abends abreisten. Auch die Fahrräder durften noch so lange im Schuppen bleiben. Als wir mit allem fertig waren, gingen wir raus und siehe da, der Regen hatte so gut wie aufgehört. Wir verabschiedeten uns von den beiden Hochzeitsreisenden und wünschten ihnen alles Gute für die Zukunft und besseres Wetter für den Rest der Fahrt.
Dann machten wir einen mehr als ausgedehnten Spaziergang durch die gesamte Stadt, erst mal Strand entlang, dann nochmal durch die Altstadt. Eine Stunde verbrachten wir noch mal im Internetcafè und gegen Mittag kam doch wirklich die Sonne wieder raus! Wir kauften uns noch Zeitungen und Rätselhefte für die Heimfahrt (gab es heute wirklich aus Deutschland) und setzten uns dann in unser Lieblingslokal, um zu Mittag zu essen.
Dort blieben wir dann auch bis zum späten Nachmittag sitzen, kaffeetrinkend, zeitunglesend, die Sonne genießend. Ja, die Sonne, denn inzwischen war wieder allerbestes Sommerwetter und der Strand begann sich zu bevölkern. Unglaublich! Scheinbar waren die beiden Hannoveraner doch schuld, denn seit die wieder weg waren… *g* He, ihr beiden, wenn ihr das hier jemals lesen solltet, meldet euch doch einfach mal!
Wir gingen auch noch mal zum Strand runter und sammelten ein paar Steine ein zur Erinnerung. Dann gingen wir zurück ins Hotel, um unser Gepäck und die Räder zu holen und auf ging es zum Bahnhof. Natürlich waren wir viel zu früh da und so ließen wir einige Züge fahren, bevor unser Zug nach Marseille kam.
Als wir dort ankamen, war es schon dunkel und unser nächster Zug stand noch nicht mal an der Anzeigetafel. Wir wollten zunächst mal erfragen, ob wir die Räder direkt mit zum Zug nehmen konnten oder ob wir die vorher irgendwo abgeben sollten zum Verladen in den Gepäckwagen oder so. Nun ja, wir waren nicht sicher, aber Schimmi meinte, die Räder kämen direkt mit ins Abteil, wie der Bahnbedienstete radebrechte. Egal, wir würden ja sehen. Auf jeden Fall hatten wir nun wieder fast zwei Stunden Zeit, bis der Zug abfahren würde und bis dahin mussten wir gut auf unsere Räder und unser Gepäck aufpassen, denn der Bahnhof war ziemlich gut bevölkert. Und bewacht: Da standen Militärangehörige in voller Bewaffung rum, das Maschinengewehr im Arm und mit sehr aufmerksamen Gesichtern. Wow! Sehr beeindruckend.
Wir holten uns noch irgendwann ein Sandwich zu einem exorbitanten Preis und dann wurde unser Zug angekündigt. Das verstanden wir natürlich nicht, aber auf der Anzeigetafel war er ausgeschrieben. Wir fanden auch relativ schnell unseren Wagen und wuchteten die Fahrräder hinein. Gleich neben dem Eingang gab es ein Abteil, wo schon zwei Räder standen und da stellten wir unsere dazu und schlossen sie sorgfältig an. Klar im Ernstfall würde das wenig nützen, aber wir hatten keine Lust, abwechselnd hier Wache zu halten. Und die, die vor uns da waren, schienen sich da ja auch keinen Kopf zu machen.
In unserem Abteil schliefen schon zwei Leutchen. Da wir noch nie in einem Liegewagen mitgefahren waren, wussten wir auch nicht, dass man da wirklich auch nur liegen kann. Sitzen ist nicht, denn es gibt drei auf jeder Seite des Abteils drei Liegestätten übereinander und das ist so niedrig, dass Sitzen unmöglich ist. Außerdem konnten wir ja kein Licht anmachen, weil wir unsere beiden “Zimmergenossen” nicht wecken wollten. Wobei die bei unserem Geraschel und Gekrame mit Sicherheit wach waren. Wir packten also das in Plastikfolie eingeschweisste Bettzeug aus und legten uns hin, nachdem wir, so gut es eben ging, unser Gepäck unter den Sitzen verstaut hatten. Meine Lenkertasche, wo das Handy drin war, dass uns morgen früh rechtzeitig wecken sollte, hatte ich direkt neben mir auf dem Boden deponiert.
Als wir so 10 Minuten da lagen und der Zug losgefahren war, kam doch wirklich ein Schaffner und wollten die Fahrkarten sehen. Die hatte ich gottseidank auch griffbereit in meiner Lenkertasche, so dass das kein Problem war. Denken die wirklich, das legt sich jemand ohne Fahrkarten in so eine Bucht? So frech ist doch keiner, oder doch?
Es dauerte eine Weile, bis wir uns an die Geräusche und das Geschaukel gewöhnt hatten, aber wider Erwarten schliefen wir dann doch ein. Man wurde zwar fast jedesmal wach, wenn der Zug hielt, aber es muss wohl doch recht erholsam gewesen sein, denn als wir am nächsten Morgen wach wurden, hatten wir relativ gut ausgeschlafen.
Man fühlt sich zwar keimig und wünscht sich nichts mehr als eine Dusche und frische Klamotten, aber man ist ausgeruhter als nach einer dösend im Sitzen verbrachten Nacht. Leider kann man sich mal gerade das Gesicht ein bisschen nassmachen in der kleinen Toilette im Zug. Die beiden bei uns im Abteil waren übrigens auch Deutsche, die nach einer Radtour in den französischen Alpen auf dem Heimweg waren.
In Strasbourg angekommen, hatten wir erstmal wieder stundenlangen Aufenthalt, bis es weiterging nach Stuttgart. Wir gingen also erstmal in die Stadt frühstücken und was soll ich sagen: Es regnete. War klar, oder? Wir fanden ein kleines Bistro und nahmen unser letztes französisches Frühstück ein, diesmal ein typisches: Kaffee und Croissants und sonst nix. Leider war es da ziemlich verqualmt, so dass wir es nicht lange aushielten und zurück zum Bahnhof gingen. Dort setzten wir uns mit unseren Zeitung in die Wartezone und… warteten halt.
Gegen 11 Uhr kam dann auch der Eurocity aus Paris, der nach München fuhr und der uns nach Stuttgart bringen sollte. Dort gab es diese ganz normalen Fahrradabteile, wo man die Räder aufhängen und selbst die ganze Zeit dabei sitzen bleiben kann. Kurz nach der Abfahrt waren wir drüben in Kehl und wir erfreuten uns an der deutschen Durchsage des Zugpersonals. Hach, wieder zu Hause! Was man nicht nur an der Sprache merkte, sondern auch am Regenwetter.
Gegen halb zwei waren wir dann in Stuttgart, besorgten uns Fahrkarten für die nächste Regionalbahn nach Rottweil, von dort ging es dann nach Spaichingen. Gegen 16 Uhr schafften wir es, gerade noch kurz bevor es wieder anfing zu regnen, zu Hause zu sein.
Es war eine lange Heimfahrt und sie hat nicht halb so viel Spaß gemacht wie die Hinfahrt.
In diesem Jahr war ich nicht ganz so traurig wie sonst, dass die Reise zu Ende war. Das mag daran gelegen haben, dass ich doch ganz schön ausgepowert war. Wenn ich in diesem Urlaub eines gelernt habe, dann dies: Ich bin keine 18 mehr und ich sollte bestimmte Dinge einfach ruhiger angehen. Das nächste Mal werden wir durchaus wieder in die Berge fahren und wir werden durchaus auch wieder ne Menge Höhenmeter absolvieren. Aber wir werden mehr Pausentage einplanen und/oder einfach die Kilometeranzahl ein bisschen herunterschrauben.
Genügend Ideen für weitere Urlaubsreisen haben wir jedenfalls. 
Pausentage. Am besten solche, wo ihr etwas macht, aber was ganz anderes (zwengs Sitzflächenschonung). Also einen Spaziergang zu irgendwas Interessantem (Burg, Klamm, was-weiss-ich), oder sowas. Nur rumhängen ist kontraproduktiv, weil man da irgendwie ‘einrostet’ und es am nächsten Tag schwerer wird. Geht jedenfalls mir so.
Stimmt. Rumhängen können wir auch gar nicht gut, zumal wenn es irgendwo noch was zu gucken gibt. Wir hatten ja von dem einen Regentag schon fast ne Depresse. Außerdem finde ich es immer so verschwendete Zeit im Urlaub. Rumhängen kann man auch zu Hause. :-=
Hallo Ilona
Wir sind letztes jahr von Lindau nach Montelimar gefahren. Traumhaft schön. Den Mt.Ventaux wollten wir auch mitnehmen, hatten aber leider Mistral an zwei Tagen.
Ich kenne nicht alle von Euch gefahrenen Wege aber viele. Auch ich würde es wieder tun.
Schöner Bericht und schöne Bilder.
Leider habe ich nicht soviel zeit wie Ihr.
Meine radreisen bewegen sich zwischen 10 und vierzehn Tagen.
Grüße Mille
Hallo Ilona!
Ich habe mit Spaß und Interesse deinen ausführlichen Reisebericht gelesen. Die Provence ist doch eine tolle Gegend, nicht? Da ich viele von dir beschriebenen Orte, Gegenden, Straßenverbindungen von unseren wirklich zahlreichen Wanderurlauben in der Provence kenne, konnte ich all eure Qualen und Freuden und Überraschungen sehr gut nachempfinden!
Wir sind im Oktober brav an der Rhône ans Mittelmeer gefahren, der Reisebericht ist in Arbeit. War auch sehr schön.
Lieben Gruß Bille
Hallo Bille, freut mich, dass es dir gefallen hat. Ja, wir haben nun doch eine ganz andere Route gewählt, aber du kannst mir glauben, manchmal habe ich die Entscheidung verflucht. Nichtsdestotrotz war es unvergesslich, wenn auch anstrengend.
He, da bin ich schon gespannt auf euren Bericht. Sagst du Bescheid, wenn er online ist?
Liebe Grüße
Ilona