Die Reisevorbereitungen waren diesmal zeitlich etwas knapp bemessen und dementsprechend chaotisch. Wir waren gestern abend erst gegen 22 Uhr nach stundenlangen Staus auf der Autobahn aus Köthen zurückgekommen (viel später als geplant) und hatten nun nur noch diesen einen Abend, um die Reisetaschen aus- und die Ortliebs einzupacken. Gleichzeitig musste noch das Auto in der Werkstatt abgeliefert werden und die Blumen sollten zwischendurch auch noch mal gegossen werden. Die Wohnung würden wir wohl recht chaotisch zurücklassen, was mir gar nicht gefiel, denn dann machte das Heimkommen noch weniger Spass…
Da war es nicht verwunderlich, dass das Gefühl, ne Menge vergessen zu haben, stärker war denn je. Trotzdem hatten wir es geschafft, abends noch vor Mitternacht im Bett zu sein, um heute um fünf Uhr aufzustehen. Punkt sieben fuhr unser Zug in Richtung Lindau und überraschenderweise klappte auch der Ausdruck eines Online-Tickets bei der DB problemlos. Die Planung der Radelstrecke war ja unnötig, da der Weg vorgegeben war und wir das entsprechende Bikeline Kartenbuch schon seit voriges Jahr besaßen, als wir die Strecke schonmal angetestet haben.
Deshalb gibt es auch die ersten zwei Tage relativ wenige Fotos, nicht zuletzt deshalb, weil voriges Jahr das Wetter besser war. *g* Heute war es zunächst leicht, später etwas stärker bewölkt, aber trocken.
Herzlich gelacht haben wir sofort nach dem Losradeln in Richtung Bahnhof, als Schimmi nämlich nochmal zurück musste, weil er seine Ortliebs vor der Garage vergessen hatte. Wenn er was vergisst, dann gründlich! Immerhin hat er es gleich eine Straße weiter gemerkt und nicht erst auf dem Bahnsteig, wenn der Zug gerade einfährt.
Wir waren pünktlich 9 Uhr 30 in Lindau auf dem Bahnhof, wo wir beim Rausfahren auch direkt das erste Radwegschild sahen. Dies wurde aber zunächst ignoriert, da wir erstmal frühstücken wollten. Die heute zu bewältigenden Höhenmeter machten ein ordentliches Frühstück unabdingbar. Wir hatten uns nämlich vorgenommen, es wieder bis nach Oy zu schaffen, wo wir das letzte Mal in diesem netten Ratskeller übernachtet hatten.
Ich fühlte mich megafit, wie überhaupt schon die ganze Radelsaison und bei Schimmi waren wir gespannt, wie sich seine Form entwickeln würde, nachdem er ja die Probleme mit den Bronchien und dem Bluthochdruck hatte.
Wir fanden eine Bäckerei, wo wir Kaffee und belegte Brötchen bekamen und wo ziemlich freche, fast handzahme Spatzen Dauergäste waren. Die hüpften einem bis auf den Teller und waren nicht etwa auf die Brötchen scharf, nein, sie knabberten frech den Käse an. Wir haben uns amüsiert.
Dann gings los. Wurde auch langsam Zeit, wenn wir die fast 100 km bis Oy heute schaffen wollten und wir konnten uns da noch an ein paar ziemlich heftige Steigungen erinnern. In Zech war eine Baustelle und so fuhren wir schon das erste Mal falsch und blieben versehentlich auf dem Bodensee-Radweg, was wir aber sofort merkten, als es nach Österreich rübergehen sollte und da mussten wir ja nicht hin. Netterweise war hier aber ein Fahrradladen und so konnte Schimmi Flickzeug nebst Luftpumpe kaufen, welches er heute früh in der Garage nicht nicht gefunden hatte (Chaot!). Dann wieder zurück, durch die Baustelle durch und da ging auch der Weg direkt vom Bodensee weg ins Inland. Die erste Steigung, die als starke Steigung (dicker Pfeil) in der Karte eingezeichnet ist, kann man allerdings vernachlässigen. Da wird lediglich die Autobahn überquert und man muss die Brücke hoch. Ganz easy.
Aber dann schraubten wir uns langsam, aber sicher nach oben. Irgendwann wurde noch eine Sonnencremeschmierung eingeschoben, es war zwar bewölkt, aber man kennt das ja: Die Sonne verbrennt einen auch durch die Wolken. Ich nahm allerdings für mich einen geringeren LSF, da ich schon ein bisschen dran gewöhnt war.
Die Gegend wurde immer ländlicher und später fuhren wir nur noch an einzeln stehenden Bauernhöfen vorbei. Merke: In Bayern stehen die Dörfer oder Siedlungen prinzipiell OBEN auf dem Berg. Der Radweg war ziemlich leer, wir sahen ein weiteres Pärchen bei der Rast, aber ansonsten waren nicht sehr viele Radler unterwegs.
Und wir hatten den Eindruck, dass wir dem schlechten Wetter davonfuhren, denn immer, wenn wir hinter uns schauten, sahen wir dunkle Wolken, vor uns war es schon und nur leicht bewölkt. Insgesamt waren wir aber froh, dass es nicht ganz so warm war, denn wir konnten uns noch an das erste Mal erinnern, als wir diese Tour gefahren waren, da hatten wir geschwitzt wie die Weltmeister. Aber warm genug war es trotzdem.
Und sie waren alle noch da, die Steigungen und wir kämpften uns eine nach der anderen nach oben. Lustigerweise haben wir aber eine ziemlich steile, an die ich mich genau erinnern konnte, wohl wegen einer Irrfahrt umfahren. Keine Ahnung, wo das genau passiert ist, wir müssen wohl falsch abgebogen sein und waren plötzlich nicht mehr auf dem Radweg, aber lt. Karte immerhin in der richtigen Richtung unterwegs. Als wir dann den Weg wiederfanden, lag die Steigung hinter uns. Im Fotobericht vom vorigem Jahr waren das dieses Bild und das darauffolgende.
Wirklich böse waren wir aber deswegen nicht. An einem Bahnübergang mitten in der Pampa hatten wir den Eindruck, dass der Schrankenwärter uns hat kommen sehen und sofort die Schranken geschlossen hat. Wir standen nämlich ewig da rum und warteten auf den Zug. Der dann auch irgendwann kam. Die wollen uns doch nur ärgern, die Bayern! 
Kurz nach Oberstaufen hielten wir an einem “Kaufmarkt” an, um ein paar Bananen und so zu kaufen, denn irgendwie plagte uns mittlerweile schon wieder der Hunger. Es fing ein bisschen an zu tröpfeln, aber nicht wirklich schlimm. Es blieb weiter warm und da war ein bisschen Regen fast angenehm. Nach einer Banane, einem Trinkjoghurt und einem Marsriegel gings weiter und es dauerte nicht lange und das Getröpfel hörte wieder auf.
Ein Blick auf die Uhr und den Tacho (60 km) ließ uns zum Telefon greifen und das Hotelzimmer in Oy fest reservieren. Wäre ja gelacht, wenn wir das nicht schaffen.
Irgendwie kamen wir vorzüglich voran und so waren wir fast überrascht, als wir gegen 14.30 Uhr schon die Stelle mit dem kleinen Bach in der Nähe des Großen Alpsees erreichten, an der wir das letzte Mal Rast gemacht hatten. Der Weg heißt Moosweg. Dieses Mal taten wir das natürlich wieder und dieses Mal stank es auch nicht nach frisch gejauchten Wiesen. Es gab lecker selbst gekochten Kaffee, gegessen hatte wir ja gerade erst.
Die Sommerrodelbahn gegenüber war jetzt fertig und in Betrieb, wie wir sahen. Das Ding ist echt ellenlang. Auf den Fotos sieht man ja nur einen Teil, der andere Teil verläuft durch den Wald und geht bis oben hinauf auf den Berg. Und irgendwo da oben muss auch noch ein Kletterpark sein. Wir vermerkten das auf unserer Liste der noch zu erledigenden Ausflugsziele mit den Kindern. Wie wir allerdings Marcus mit seiner extremen Höhenangst da hinaufbekommen würden, ist bislang noch unklar. Wahrscheinlich müssen wir ihn vorher k. o. schlagen und oben wieder wecken.
Dann gings weiter, wir fuhren um den Großen Alpsee herum, auf dem heute nicht ein einziger Surfer oder Segler zu sehen war. War ja auch kaum windig und das Wetter war wohl nicht surftauglich. Schnell hatten wir auch Immenstadt hinter uns gelassen.
Dann gab es eine fette Steigung nach der anderen, aber wir meisterten sie alle, trotzdem wir schon über 70 km auf dem Tacho hatten. Auch Schimmi kam vorzüglich voran, allerdings hatte er noch lange nicht wieder seine gewohnte Form, so dass heute ich diejenige war, die das Tempo angab. Mal eine ganz andere Sicht der Dinge! Aber es ist ganz angenehm, nicht immer hinterherstrampeln zu müssen, das ist so demotivierend manchmal.
Am Rottachsee, kurz vor dem kleinen Örtchen Haag passierten wir schließlich den höchsten Punkt der Tour und als wir den geschafft hatten, genehmigten wir uns noch eine Banane. Die vielen Bananen wurden meiner Verdauung auf dieser Tour zum Verhängnis, aber das sollte ich erst später merken.
Dann ging es nur noch bergab nach Oy, und um kurz vor 18 Uhr standen wir vorm Ratskeller. Das erste Etappenziel war erreicht und wir konnten uns sogar das Zimmer aussuchen, so wenig Gäste waren da.
Wir verfielen sehr schnell wieder in unsere Abendroutine und merkten auch, dass wir rein gar nichts vergessen hatten. Langsam werden wir zu erfahrenen Reiseradlern, die ihre Taschen auch in aller Eile ordentlich gepackt kriegen. Als wir dann sauber waren, meldete sich der Hunger und wir bestellten im Restaurant unten genau dasselbe Gericht wie beim letzten Mal: Die Schweinemedaillons mit den Kässpatzen und das war soooooo lecker!!!
Aber auch im Restaurant waren kaum Gäste und ein Gespräch mit der Kellnerin ergab, dass sich die Sache wohl nicht mehr so recht lohnte. Es wäre nicht verwunderlich, wenn es den Ratskeller bald nicht mehr geben würde. Was wirklich sehr schade wäre, denn diesen Laden können wir uneingeschränkt empfehlen.
Lange hielten wir es aber im Restaurant nicht aus. Die heutige Tour war anstrengend und genug geschlafen hatten wir die Nacht davor auch nicht und so zog es uns ins Bett. Ich schaute noch ein bisschen fern, während Schimmi neben mir versuchte, Bayerns Wälder in einer Nacht vollständig abzuholzen. Ich habe versucht, das Gesäge auf die Quasselbox aufzunehmen, aber immer, wenn ich sie an hatte, hörte er auf. Mist!
Irgendwann schlief ich aber auch ein.
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 103,8 in 6 h 27 min Fahrzeit | 1.166 Höhenmeter |
| Übernachtung: | Ratskeller in Oy-Mittelberg | genauso nett wie beim ersten Mal |
| Essen: | Schweinemedaillons mit Kässpatzen | Boah, soooo lecker!!! |
| Wetter: | durchwachsen, aber größtenteils trocken und warm | Wir waren dem Regen davongefahren. |
| Stimmung: | müde, aber super | immerhin waren wir nicht so k. o. wie nach dem ersten Mal |