(über Mosonmagyarovar)
Das Hotelfrühstück war wie erwartet spitzenmäßig. Aber Teerkaffee gabs auch, allerdings war der dann alle und ich bin auf Tee umgestiegen.
Gegen 8 Uhr waren wir auf dem Radweg, der heute super beschildert war und neben einer Straße her führte. Und wir fahren mit wachsender Begeisterung bei herrlichstem Wetter durch viele hübsche kleine Ortschaften, in denen sehr viel gebaut wird.
Um 9.30 Uhr schmiert Schimmi sich mit Sonnencreme ein und ich packe meine Jacke weg. Sonne satt! Manchmal können wir unser Glück mit dem Wetter in den letzten Tagen kaum fassen. Liegt wahrscheinlich an Ungarn. Seit wir in diesem Land radeln, haben wir Bombenwetter. Nun ja, heute geht es wieder in die Slowakei, mal gucken, was passiert. 
Bei Hedervar verlassen wir den straßenbegleitenden Radweg und radeln auf einer kaum befahrenen Landstraße weiter. Irgendwann fällt uns auf, dass wir die Donau heute schon lange nicht mehr gesehen haben, aber die Route in Ungarn ist so. Die Alternative hatten wir ja auf der Hintour und das war der megaöde Dammweg zwischen Bratislava und Gabcikovo. Müssen wir nicht nochmal haben.
Wieder folgt ein Dörfchen dem anderen und in Püski beschließen wir, heute einen Umweg zu fahren und einen Abstecher zum Städchen Mosonmagyarovar zu machen.
Das erste was uns auffällt ist, dass hier fast alles auf deutsch beschildert ist. Dass die Willkommens-Schilder an den Ortseingängen immer mehrsprachig sind, ist fast Standard in Ungarn im Gegensatz zu Old Germany, aber hier sind fast alle Schilder deutsch und manchmal nur deutsch.
Als wir dann das Zentrum erreichen, fällt uns eine deutsche Zahnarztpraxis nach der anderen auf, alle zwei Häuser eine. Nanu? Haben die Leute hier so extrem schlechte Zähne? Man bekommt ja schon vom Durchlaufen Zahnschmerzen. *grusel*
Wir gurken einmal durch die Innenstadt, erkunden die Fussgängerzone, sehen mindestens noch 20 Zahnarztpraxen. Dann lassen wir uns in einem Restaurant nieder, um unsere letzten Hufe zu verfressen. Wir bestellen ein megamäßiges Mittagsmenü, das sehr lecker ist. Um uns herum sitzen lauter Deutsche, man kommt sich vor wie zu Hause. Ok, Österreicher sind auch welche dabei, der Sprache nach.
Nach dem Zahlen haben wir immer noch ein paar Hufe über, aber wir sind satt und so behalten wir es eben zur Erinnerung. Oder für die nächste Tour. *g*
Kurz vorm Aufbruch kamen wir dann noch mit den anderen Gästen ins Gespräch und werden nach dem Woher und Wohin befragt und ordnungsgemäß bestaunt. Kennen wir ja nun schon.
So erfahren wir aber, dass dieser Ort ein Zentrum der Zahntouristen ist, sowohl für Deutschland als auch für Österreich. Man bekommt hier Zahnersatz um die Hälfte billiger als in Deutschland und in der gleichen Qualität. Dazu ist es eine schöne Gegend und man kann die Zahnarztbehandlung gleich für ein paar Tage ebenso preiswerten Urlaub nutzen. Doch, das macht Sinn und man sollte sich das vielleicht mal merken. Bei den Unsummen, die man in Deutschland inzwischen dafür zahlt?
Nachdem wir uns wieder aus der Stadt rausgefranst haben, geht es weiter über die Orte. Bald sind wir in Rajka, der letzten Ortschaft vor der Grenze und gegen 14 Uhr passieren wir die ungarisch-slowakische Grenze. Natürlich wieder mit Ausweis zeigen und natürlich wieder nur bei den Slowaken. Die Ungarn interessiert das wohl nicht.
Ein Stück auf der Straße entlang und bei Cunovo fahren wir wieder auf diesen unvermeidlichen Dammweg. Anders scheint das hier nicht zu gehen, aber diesmal sind es nur ca. 15 Kilometer und die sitzen wir auf einer Backe ab. Es ist sehr warm und uns begegnen wahre Heerscharen von Fahrradfahrern, Inlineskatern und Spaziergängern. Auch gibt es hier mehrere Restaurants am Weg, so dass das Ganze nicht ganz so verlassen ist wie auf der anderen Seite.
Und so sind wir bald wieder an der “Raumschiffbrücke” und in der Innenstadt von Bratislava. Uns packt der Übermut und wir fragen im besten Hotel am Platze, dem Danube, wieviel denn hier so ein Zimmer kosten würde. Schimmi geht rein und während ich draußen warte, werde ich von den Portiers argwöhnisch beäugt bzw. stirnrunzelnd gemustert. Hier sind wir mit Sicherheit falsch. Schimmi kommt grinsend aus dem Prachtbau wieder raus und hat einen Prospekt dabei. Es gibt Zimmer: Schwimmbad-, Sauna- und Internetbenutzung sowie Frühstück inclusive für schlappe 235 Euro/Nacht. Geht doch! 
Na gut, das lassen wir dann mal lieber, wir wollten das Zimmer nur für eine Nacht und nicht für ne Woche…
Wir kommen bei unserer weiteren Suche bei der Touristeninformation vorbei und erfahren dort, dass die innerstädtischen Hotels so an die 80-90 Euro aufwärts kosten. Man verweist uns aber an ein billiges Hotel mit Namen Kyjew. Hat wohl drei Sterne. Als wir es gefunden haben, stellen wir fest, dass das Teil wirklich billig ist im doppelten Sinne, eine ganz fürchterliche Bruchbude. Wir haben aber keine Lust mehr, hier weiter durch die Stadt zu latschen und ewig zu suchen. Die Schwierigkeiten in Budapest und Wien sind uns noch gut im Gedächtnis und so bleiben wir halt. Für das Unterstellen der Räder werden uns nochmal 5 Euro extra abgeknöpft und wenn wir Telefon und Fernsehen gewollt hätten, müssten wir dafür auch extra zahlen.
Ich verkneife es mir, Fotos zu machen, an sowas muss man sich nicht unbedingt erinnern. Gruselig! Aber es war unsere letzte Nacht in fremden Betten, morgen würden wir aller Wahrscheinlichkeit nach wieder in unseren eigenen Betten liegen, also was solls? Wir duschen, ziehen uns um und machen uns auf zu einem Stadtbummel.
Wir waren ja auf der Hinreise schon mal hier durchgelaufen und irgendwie war bei uns heute die Luft raus, jedenfalls hatten wir nicht viel Lust. Um jedes Risiko auszuschließen, kehrten wir bei Pizza-Hut ein (da weiß man, was man kriegt) und aßen leckere Pizzen für wenig Geld. Der Versuch, irgendwo noch ein Glas Wein zu trinken, scheiterte daran, dass die immer gleich ne ganze Flasche verkaufen wollten. Außerdem, wie gesagt: Wir hatten nicht viel Lust.
Um 21 Uhr lagen wir in den Betten, damit wir morgen so früh wie möglich hier wegkonnten. Ich glaube, die Slowakei wird uns so bald nicht wiedersehen.
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 93 in 5 h 15 min Fahrzeit | insgesamt schon 1.480 km bis hierher |
| Übernachtung: | Hotel Kyjev in Bratislava | 45 Euro/Dz. (Ü/F) + nochmal 5 Euro für die Fahrräder |
| Essen: | Pizza-Hut | Da weiß man, was man bekommt |
| Wetter: | Sonne, Sonne, Sonne | Kaiserwetter! |
| Stimmung: | ob der Unterbringung etwas miesepetrig | morgen geht es nach Hause… |