(über Donauwörth)
Da es erst um 8 Uhr Frühstück geben sollte, klingelte bei uns um 7 Uhr der Wecker bzw. das Handy. Eigentlich wollten wir ja schon früher los, aber in so Privatquartieren ist es schwierig, die Leutchen davon zu überzeugen, so früh aufzustehen. Besonders am Sonntag…
Versteht man ja irgendwie. Zunächst mal das Chaos im Zimmer beseitigen, indem die Ortliebs wieder eingepackt werden. Da muss irgendwie noch mehr System rein, so dass man weiß, was in welcher Packtasche ist. Zudem darauf geachtet werden muss, dass beide Taschen wenigstens annähernd gleich schwer sind. Nun ja, wir hatten ja noch jede Menge Gelegenheit, das zu üben. Dummerweise waren unsere ausgewaschenen Radlerhosen noch nicht ganz trocken, aber wir hatten ja Ersatz mit, so dass das kein Drama war.
Das Frühstück bei Frau Geduld war lecker und liebevoll gemacht, natürlich nur die üblichen Weichei-Brötchen, netterweise noch zwei Scheiben Vollkornbrot extra. Wir mussten uns ins Gästebuch eintragen, zahlten und verabschiedeten uns.
Gegen 9 Uhr waren wir wieder auf der Piste.
Um ein paar eklige Steigungen zu umgehen, fuhren wir heute erstmal bis Offingen einen unbefestigten Weg nahe an der Donau entlang. Das Drückerbergertum vor den Steigungen setzte sich bei uns im weiteren Verlauf der Reise fort, wie man sehen wird. Wir hatten aber auch zwei gute Begründungen dafür: 1. Wir haben schließlich noch einiges vor uns und müssen Kräfte sparen, wo es nur geht und 2. die alternativen Wege führen meistens direkt an der Donau entlang und liegen somit schön in der Natur und das ist viel gesünder und erholsamer. Gegen diese Ausreden ist eigentlich nichts einzuwenden, oder? 
Gerade auf diesen Wegen direkt neben der Donau sah man aber auch noch viele Spuren der kürzlich erst überstandenen Überschwemmungen. Es gab noch jede Menge Pfützen und liegengebliebenen Schlamm. Aber man sah auch, wie schnell die Aufräumungsarbeiten fortgeschritten waren und die Radwege wieder instandgesetzt waren.
In einem kleinen Dörfchen begegnete uns dann wieder ein Exemplar für unsere Sammlung lustiger Schilder. Die Leute, die da wohnen, sorgen mit Sicherheit jedesmal für einen Lacher, wenn sie ihre Adresse angeben müssen. Goldig, nicht?
Inzwischen hatte es leider wieder etwas angefangen zu nieseln. Zumindest steht es so in meinen Notizen, aber im Nachhinein erinnere ich mich gar nicht so recht. So schlecht war doch das Wetter gar nicht? Wahrscheinlich haben wir es als nicht so schlimm empfunden, da es nach wie vor ziemlich warm war. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, dass wir zu dem Zeitpunkt schon Regenzeug getragen haben und kurze Hosen hatten wir auch noch an.
Wir passierten weitere Städtchen, die auf -ingen endeten (man fühlte sich fast wie zu Hause): Gundelfingen, Lauingen, Dillingen. Nach ein paar Stunden bekamen wir mal wieder Hunger. Und wie. Irgendwie hatte das Frühstück nicht so lange vorgehalten oder uns packte bereits wieder dieselbe Fresssucht wie voriges Jahr, als auch keine Bäckerei vor uns sicher war. Nur heute war Sonntag! Und es war kurz vor zwölf, da würde es schwierig werden.
Aber wir hatten Glück: Im nächsten Ort namens Höchstädt war gerade Markttag (Markttag ist gut: Da saßen ein paar Kids auf dem Markt herum und verkauften irgendwelchen Kram) und eine Bäckerei hatte offen. Es gab also belegte Brötchen, Butterbrezeln und süße Teilchen satt. Dazu Kaffee. Und eine Toilette war auch in der Nähe. Der Tag war gerettet.
Alsdann fuhren wir durch eine Gegend, in der die Dörfer alle erst auf -schwaig und dann auf -schwaige endeten: Ruppenschwaig, Stoffelhansenschwaig, Hubelschwaige, Bauernhansenschwaige. Merkwürdig. Wobei der Begriff Dorf schon arg übertrieben ist, eigentlich waren es nur Ansammlungen von drei bis fünf Häusern. Ganz einsame ländliche Gegend. Dann näherten wir uns wieder der Donau und der Stadt Donauwörth. Hier haben wir uns wohl nicht allzu lange aufgehalten, denn ich habe absolut keine Erinnerungen daran und aufgeschrieben habe ich auch nichts, nur dass das Wetter besser wurde und sogar die Sonne rauskam.
Danach waren wir froh, dass wir uns in der Bäckerei nochmal richtig gestärkt hatten, denn ab Kilometer 85 erwarteten uns einige recht anstrengende Anstiege und uns lief der Schweiß in Strömen runter, weil es mittlerweile ganz schön warm war. Dafür machten die Abfahrten richtig Spaß!
Dann kamen nochmal ein paar leichte Kilometer wieder auf unbefestigtem Wege an der Donau entlang. Hier machten wir nochmal ein Päuschen, um uns von den Steigungen zu erholen (wir wussten, eine kommt noch…). Allerdings war die Pinkelpause an solchen Stellen mehr als problematisch, da sofort Trilliarden von Mücken über einen herfielen und die stachen auch an Stellen, wo man sich in der Öffentlichkeit ganz schlecht kratzen kann.
Hier haben wir mal ein Schild mit dem Fluss-Kilometerstand geknipst. Die Donau ist der einzige europäische Fluss, an dem die Kilometrierung flussaufwärts gemessen wird, d. h. die Mündung in Rumänien am Schwarzen Meer ist der Nullpunkt, die Quelle in Donaueschingen müsste dann so ca. Kilometer 2.800 sein. Leider haben wir diese Beschilderung nicht fortlaufend gesehen, sonst hätten wir das in Budapest zu Vergleichszwecken geknipst.
So sah der unbefestigte Weg aus. Fährt sich im übrigen besser, als das auf dem Bild ausschaut, man ist halt etwas langsamer unterwegs. Dafür ist es herrlich ruhig (bis auf unser Geschwatze und Gegacker natürlich). Ach ja, und die unvermeidlichen Walker. Ein Thema für sich… fast sowas wie ein running gag auf dieser Tour. Und nein, ich werde mich jetzt und hier nicht weiter darüber auslassen, welchen Sinn es macht, im lockeren Spazierschritt zwei Stöcke hinter sich herzuziehen… *g* Wenigstens sind sie an der frischen Luft.
Kurz hinter Rennertshofen, Ortsteil Stepperg kam dann nochmal ein absolut ätzender langer und steiler Anstieg und das bei Kilometerstand 95! Wir quälten uns hoch und schafften es mit zwei Pausen. Dann ein Stück durch den Wald und vor uns lag eine coole Abfahrt, bei der wir die heutige Höchstgeschwindigkeit hätten toppen können, wenn nicht mein Schatz mittendrin sein Basecap verloren hätte und wir bremsen und zurückfahren mussten, um es wieder einzusammeln. *grrrrr*
Dann sollte es für heute reichen. Wir gingen auf Quartiersuche und das war heute nach zwei Telefonaten erledigt. Wir kamen kurz vor Neuburg a. d. Donau in einem Örtchen namens Laisacker im Gasthof Jagdschlössl unter. Es war ein sehr kleines Zimmer mit Dusche und WC, aber sauber und ordentlich (nur die Bettwäsche roch tierisch nach Zigarettenrauch). Wir waren scheinbar die einzigen Gäste und die Freude des Inhabers war groß. Die Räder kamen in eine Art Garage und wir machten uns erstmal salonfähig. Nach der Schwitzerei bei den Anstiegen war die Dusche doppelt so angenehm, allerdings hatten wir auch mehr zu waschen.
Damit das Zeug diesmal auch trocken wurde, erinnert ich mich an den Trick mit den Handtüchern, den mir mal irgendjemand (Mum, Oma?) gezeigt hatte: Die Wäschestücke auswringen, so gut es geht und dann fest in ein Handtuch einrollen. Diese Rolle dann quetschen und wringen oder auch draufstellen, so fest es geht. Nimmt man das Wäschestück wieder heraus, das Handtuch pitschnass und die Kleidung trocken wie geschleudert. Das ganze scheitert nur, wenn nicht genug Handtücher zur Verfügung stehen, wie wir noch öfter erleben sollten.
Nachdem wir das Zimmer erfolgreich mit unserem Kram vollgemüllt hatten und wieder halbwegs menschlich rochen, gingen wir nach unten und setzten uns in den schattigen Biergarten. Dort gab es erstmal eiskalte Apfelschorle nebst einem Kaffee für mich. Auf Anfrage bekam ich sogar ein schönes weiches Kopfkissen für meinen geschundenen Pops, der auf dem harten Plastestuhl sehr litt. Da saßen wir nun in völliger Ruhe ganz alleine in diesem Biergarten in einem Nest, von dem wir noch nie was gehört hatten. Es war der A**** der Welt, so kam es einem vor.
Der Wirt war sehr gesprächig und erzählte uns aus seinem Leben, er hatte vor kurzem erst angefangen mit der Wirterei, vorher war er Programmierer. Was für eine Karriere!
Dann bestellten wir was zu essen, sehr preiswerte bayerische Küche, aber unheimlich viel und unheimlich lecker! Wir waren begeistert! Wenig später setzten sich an den Nachbartisch noch zwei Gäste, die auch mit dem Rad hier waren und so hatten wir nette Unterhaltung den ganzen Abend lang. Die beiden waren vor Jahren aus Südafrika nach Deutschland gezogen, es war recht interessant, was die zu erzählen hatten.
Tja, so lassen wir uns den Urlaub gefallen. Heute waren wir mal richtig spät im Bett, es war weit nach 22 Uhr.
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 104 in 5 h 47 min | fast genau wie gestern |
| Übernachtung: | Gasthof Jagdschlössl | 45 Euro/Dz. (Ü/F) |
| Essen: | im Gasthof | bayerische Küche, lecker! |
| Wetter: | früh leichter Niesel, nachmittags Sonne | warm |
| Stimmung: | wir sind gut drauf… | denn es läuft wie geplant |