(über Regensburg, Wörth, Straubing)
Wenn man die Orte da in der Überschrift liest, denkt man, du liebe Güte, von Matting nach Mariaposching, wo sind die denn hinverschollen… Hört sich wirklich merkwürdig an, aber das waren nun mal die Orte, in denen wir übernachtet haben. 
Jedenfalls klingelte an diesem Tag früh um 7 Uhr unser Handy und wir hörten sofort, dass es immer noch regnete. (liegt das vielleicht an der Nähe der Stadt Regensburg?) Meine Notizen an jenem Morgen lauten wie folgt:
Ich packe meine Sachen ein, mache mich fertig, schäle ein Pfund Möhren als Proviant, fülle alle Wasserflaschen und Camelbaks und schreibe Tagebuch.
Schimmi packt seine Sachen und macht sich fertig.
Wer ist wohl eher fertig??? *lol*
Unbeeindruckt vom Regen gehen wir um 8 Uhr erstmal frühstücken. Das Frühstück ist einfach, aber ok und während wir so den Leberkäs in uns reinmampfen, muss es wohl aufgehört haben zu regnen, denn als wir gegen 9 Uhr aufbrechen, ist es trocken. Sehr schön.
Den Radweg können wir nicht verfehlen, er führt ja direkt unten an der Donau entlang und wir fahren nochmal an unserer Futterkrippe von gestern abend vorbei. Wenige Kilometer weiter bemerken wir schon die Anzeichen der nahen Großstadt und immer auf dem Donau-Damm entlang und dann durch einen großen Park sind wir bald mitten in Regensburg, wo wir uns sofort in die Altstadt begeben.
Zunächst brauchen wir dringend Bargeld und zu diesem Zwecke eine beliebige Bank. Dank einer sehr praktischen Regelung unserer Bank können wir nämlich mit unseren Visa-Karten weltweit an jeder beliebigen Bank gebührenfrei Bargeld am Automaten abholen. Dies würde uns in unserem weiteren Urlaub noch oft sehr nützlich sein und hat auch tadellos geklappt, deshalb will ich die Deutsche Kreditbank AG hier nochmals lobend erwähnen. Wobei das nicht der einzige Vorteil ist, den die bieten, aber genug der Werbung. 
Die erste Bank, an der wir vorbeikamen war die Raiffeisenbank und deren Automat fraß gleich erstmal Schimmis Karte. Auf seine Beschwerde hin hatte die Dame am Schalter nur ein müdes Achselzucken und weigert sich, etwas zu unternehmen. Als Schimmi gerade ein mächtiges Theater anstimmen will, kommt die Karte aber von allein wieder raus und wir verlassen diese komische Bank. Bei der nächsten Bank geht dann alles klar und wir sind wieder flüssig.
Und wohin tragen wir unser neues Geld? Ganz genau: In die nächste Bäckerei. War ja klar. Zugegeben: Von vielen Städten haben wir echt nicht viel mitbekommen, aber wo die Bäckereien sind, wissen wir. Leider ließ sich diese Gewohnheit in der Slowakei und in Ungarn mangels geeigneter Bäckereien nicht fortsetzen. Andere Länder, andere Sitten halt.
Nachdem wir uns gestärkt hatten, bummelten wir noch ein bisschen durch die Innenstadt und uns fiel dabei ein unheimlich großes Aufgebot an Polizei- und Sicherheitskräften auf. Dann wurden einige Straßen sogar abgesperrt und wir fragten uns, auf wen die hier Jagd machten und ob wir nicht so schnell wir möglich hier raus sollten, bevor alles dicht ist. Meinten die etwa uns???
Schließlich fragten wir Passanten und die erzählten etwas belustigt, dass wohl Joschka Fischer in Regensburg erwartet würde, um ein bisschen Wahlkampf zu machen. Ein Grüner mitten in Bayern… ganz schön mutig.
Wir hatten aber keine Lust, darauf zu warten, außerdem hatten wir sowieso schon vorab per Briefwahl gewählt. Und das Gesülze der Politiker hing einem sowieso irgendwie meilenweit zum Halse raus.
Also bummelten wir noch ein bisschen herum, kauften Postkarten und schrieben die ersten gleich mal an Christian und Jule. Dann hatten wir genug von der Stadt und suchten unseren Weg hinaus.
Der führte uns nun wieder hinein in die Pampa: direkt an der Donau entlang. Ich habe mir notiert: rechts Mais, links Donau oder rechts Mais, links Mais. Nur der Wind kam heute immer von vorn und das nicht zu knapp. Dazu fuhren wir größtenteils auf unbefestigtem Weg, so dass das heute ganz schön anstrengend war. Schimmi schien das aber scheinbar weniger auszumachen als mir oder ich hatte einfach einen schlechten Tag, jedenfalls hatte ich teils schon keine Lust mehr. Aber das hilft einem so mitten in der Wildnis auch nicht wirklich, da muss man einfach weiter, bis man wieder in der Zivilisation ist.
Irgendwann fing es dann bei Schimmi so komisch an zu knacken. Ich meine, an seinem Fahrrad.
Der Quelle des Geräusches nach könnte es das Tretlager sein und wir machten uns Sorgen. Allerdings war das Ding noch kein Jahr alt und es konnte eigentlich nicht sein. An meinem Fahrrad quietschte und knirschte es auch ziemlich heftig und wir hielten kurz vor Straubing in einem kleinen Nest an, um die Räder notdürftig zu säubern und zu schmieren. Leider ist das ohne viel Wasser und nur mit Tempos nur beschränkt möglich, aber immerhin. Das Gequietsche bei mir war erstmal weg, das Knacken bei Schimmi blieb und wurde sogar lauter.
Wir beschlossen, das in Straubing in einem Fahrradladen anschauen zu lassen, sicher ist sicher. Das schöne Städtchen Straubing war auch gar nicht mehr weit und ein Fahrradgeschäft war auch bald gefunden, kurz vor Ende der Fussgängerzone in einer Seitenstraße. An der Ecke befand sich eine Eisdiele, wo ich mir erstmal ein Eis holte, während Schimmi mit dem Fahrradmann fachsimpelte.
Der empfahl uns erstmal, die Räder in einer nahegelegenen Tankstelle mit dem Dampfstrahler zu reinigen, er würde danach wieder alles einfetten und dann hätte sich das Problem erledigt. Am Tretlager könne er nichts finden, meinte er. Gesagt, getan und siehe da, der Mann hatte recht. Als wir aus Straubing wieder rausfuhren, schnurrten unsere Radel wieder wie zufriedene Katzen. Zufrieden waren wir auch, denn der Mann wollte echt nur ein Trinkgeld für die Kaffeekasse für seine Hilfe.
Nach Straubing haben wir dann nochmal so richtig Gas gegeben. Die Gegend war relativ unspektakulär und der Weg war gut asphaltiert. Eine gute Rennstrecke also. Das Wetter wurde langsam wieder schlechter, nachdem in Straubing sogar mal die Sonne rausgekommen war.
Also traten wir in die Pedale und schrubbten noch ca. 30 km herunter, als wir an diesem Schild hier vorbeifuhren. Das sah ja schon recht einladend aus, auf den Wegweisern vor dieser Ortschaft namens Mariaposching hatten wir jedoch gesehen, dass es da noch ein Gasthaus “Zum Kirchenwirt” geben musste und das wollten wir uns noch anschauen. Den Kirchenwirt gab es direkt neben der Kirche, aber das war nur ein Speiselokal und eine Dorfschänke sozusagen. Immerhin würden wir hier etwas zu essen bekommen und zum Übernachten verwies man uns an die Familie Zimmermann, wo wir ja schon vorbeigefahren waren. Warum nicht? dachten wir und hielten Einzug bei den Zimmermanns. Das erste, was mir bei ihm auffiel, war sein Berliner Dialekt. “Tja”, sagte er, “det kannste ooch nach dreißich Jahren Bayern nich ablejen.” *g*
Das Zimmer war klein, sauber und mit Dusche und WC ausgestattet, alles Marke Eigenbau, wie es aussah. Das Häuschen stand direkt am Donauradweg ganz eng hinter dem Damm und bei genauem Hinschauen sah man Spuren überstandener Überschwemmungen.
Wir spulten also unser abendliches Programm ab und begaben uns auf den Weg zum “Kirchenwirt”, weil uns wie immer um diese Zeit ein gewaltiger Hunger plagte. Auf dem Foto hier habe ich schon das zweite Buch vom Donauradweg mit dabei, da wir das für die Planung der morgigen Tour wahrscheinlich schon brauchen würden, denn Passau würden wir morgen mit Sicherheit erreichen und damit auch die österreichische Grenze.
Beim Kirchenwirt wurden wir von den Eingeborenen, die hier um den Stammtisch saßen, zunächst neugierig beäugt, dann ignoriert. In der Wirtschaft hing eine Glocke und manchmal, wenn jemand hereinkam, bimmelte er damit. Später erfuhr ich, dass er damit eine Runde ausgab. Aha!
Das Essen war wie immer preiswert und lecker, wir waren satt und zufrieden. Über die Preise staunten wir jedesmal, denn bei uns in Baden-Württemberg gibt es nirgendwo eine Speisekarte, auf der das teuerste Gericht nur 8,50 Euro kostet. Nicht mal auf dem kleinsten Dörfchen!
Als wir wieder ins Quartier spazierten, war es schon dunkel und so lagen wir auch bald in den Betten.
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 100 in 5 h 44 min | wird immer weniger ![]() |
| Übernachtung: | Privatzimmer bei Fam. Zimmermann in Mariaposching | 34 Euro/Dz. (Ü/F) |
| Essen: | beim “Kirchenwirt” | wieder bayerische Küche, wieder lecker! |
| Wetter: | früh Regen, dann bewölkt, windig, später sonnig, dann wieder bewölkt | immer noch warm |
| Stimmung: | wird immer besser | wir haben viel Spaß! |