(über Linz)
So begrüßte uns der nächste Tag. Schade. Nach dem herrlichen Sonnenwetter vom gestrigen Abend hätten wir das nie erwartet. Etwas enttäuscht gingen wir zum Frühstücken ins Restaurant runter.
Dort war der Hotelbesitzer auch ob des Wetters in heller Panik. Denn er erwartete heute mehrere Busse mit Touristen, die zu beköstigen waren und die alle im Haus unterzubringen, würden problematisch werden. Er hatte bei der Zusage fest damit gerechnet, die Terrasse mit nutzen zu können. Tja. Das waren nicht unsere Probleme, denn wir würden um die Zeit längst weg sein.
Von dem Frühstück hatten wir nach dem tollen Abendessen auch mehr erwartet, es war etwas mager… Egal. Wir beschlossen, unsere Regenjacken anzuziehen, loszufahren und auf Wetterbesserung zu hoffen. Kalt war es nicht, nur nass. Und völlig unbemerkt passierten wir die Grenze zu Österreich.
Einmal auf der Straße, merkten wir bald, dass wir nicht die einzigen waren, die bei dem Wetter mit dem Radel unterwegs waren. Zunächst holten wir ein Pärchen ein, die auch trotz Regen gut drauf waren und machten einen Schwatz. Sie erzählten, dass sie an einer Art geführten Radwanderung teilnehmen, bei der die Tagesetappen festgelegt und die Unterkünfte vorgebucht sind.
Enthalten ist der Gepäcktransport von Etappen zu Etappe, Übernachtungen und Frühstück (auf Wunsch auch Halbpension), wenn gewünscht, werden entsprechende Räder gestellt und Gepäcktaschen gibts auch. Der Nachteil: Man MUSS halt bei jedem Wetter fahren, da die Unterkünfte eben gebucht sind. Von Passau nach Wien soll das wohl 375 Euro pro Person kosten. Hm. Ich glaube, da kommen wir preiswerter weg und haben dafür noch mehr Freiheiten.
Aber die waren eine ganz lustige Truppe, wenn sie auch teilweise fuhren wie die Chaoten und so fuhren wir ein ganzes Stück Weg mit ihnen.
Nach dem Übersetzen mit der Fähre an der Schlögener Donauschlinge hatte ich dann die Nase voll von der Regenjacke. Das superteure Imprägnierspray, das wir noch erstanden haben, hatte jämmerlich versagt, die Jacke war durchgeweicht und ich schwitzte darunter wie blöd mit dem langärmeligen Shirt. Ich legte also fest, dass jetzt Schluss war mit Regen und packte die Jacke in eine Plastetüte und dann rein in die Ortliebtasche.
Es funktionierte! Der Regen hörte echt auf. Muss ich mir unbedingt merken, den Trick. 
Das mit dieser Donauschlinge bekommt man übrigens auf dem Radweg gar nicht so richtig mit. Mag sein, dass wir auch zuviel mit Schwatzen beschäftigt waren, um die Landschaft genau anzuschauen, oder wir hätten uns wirklich mal mehr in die Höhe begeben müssen. Auf jeden Fall sieht das Ganze auf den Bildern im Web viel imposanter aus, als es sich vom Radweg aus darstellt.
Aber wunderschön war es auf jeden Fall zu fahren. Keine Straße weit und breit, nur der Radweg und der Fluss. Und wir natürlich. Wir kamen gut voran, hatten nebenbei Unterhaltung, was fast zuviel des Guten war, wie wir eben feststellten.
Gerade habe ich mich mit Schimmi darüber unterhalten, dass wir von dieser schönen Etappe zuwenig gesehen haben. Wir sind da durchgebrettert wie die Blöden und wussten nicht mal mehr, ob wir nur die Fähre genommen hatten oder sogar ein Stück weiter mit dem Boot gefahren waren. Fehler!!! Da müssen wir bei den nächsten Touren besser aufpassen und besser hingucken und genießen.
So dauerte es nur noch eine Weile, bis wir den nächsten größeren Ort erreichten, nämlich Aschach. Es war mittlerweile nach 12 Uhr und uns plagte der Hunger, also rein in die nächste Bäckerei und festgestellt, dass auch österreichische Bäckereien durchaus leckere Sachen zu bieten haben. Auch unsere Teilzeit- Reisebegleitungstruppe trafen wir prompt wieder.
Woran ich mich erinnere, ist die Bäckersfrau, die sich nach unseren Camelbaks erkundigte. Was das sei und wofür es gut sei, sie hätte sowas noch nie gesehen. Das passierte übrigens noch öfter, dass uns Leute danach fragten. Sind die Dinger denn so unpopulär? Wir haben es übrigens auf der ganzen Tour sehr zu schätzen gewusst, sie dabei zu haben. Das umständliche Hantieren mit den Flaschen entfällt, die dienen nur noch zum Auffüllen der Baks. Und man bekommt immerhin 2 Liter Wasser hinein und das reicht ne Weile.
Wie man hier sieht, unterscheidet sich die österreichische Ausdrucksweise doch etwas vom Deutschen. Während es bei uns “absteigen” heißt, muss man hier “absitzen”. Was aber nicht heißt, dass wir irgendwelche Sprachprobleme in Österreich hatten. Die waren besser zu verstehen als die Schwaben, das steht schon mal fest.
Und es hört sich so… gemütlich an, wenn die was erzählen. Immer dieses “ja bieette”… Irgendwie mag ich den Dialekt.
Die Radwegbeschilderung ließ auch hier nichts zu wünschen übrig, verfahren war fast unmöglich. Unser weiterer Weg führte uns immer noch direkt neben der Donau entlang durch die Natur. Das Wetter hielt sich und wir fuhren unsere Kilometer herunter.
In Ottensheim wechselten wir mal wieder das Donauufer und näherten uns auf einem straßenbegleitenden Radweg (immer nicht so gemütlich, da viel Verkehrslärm) Linz. Schluss mit Natur, jetzt war wieder Großstadt angesagt. Gegen 14 Uhr waren wir da.
Ehrlich gesagt, ich hasse das. Insbesondere mit dem Fahrrad und insbesondere, wenn man sich nicht auskennt. Dann lasse ich auch am liebsten Schimmi vorneweg fahren. Die allermeisten Städte sind mit Radwegen schlecht ausgestattet und meistens ist dann der Verkehr auch noch abartig. Und mit den vollbepackten Rädern durch die Fussgängerzonen zu bummeln, mach auch nur beschränkt Spaß, da immer einer bei den Rädern bleiben muss, wenn man mal in ein Geschäft will. Oder nur mal auf Toilette.
Jedenfalls bin ich immer froh, aus so einer Stadt wieder raus zu sein. Etwas mehr gefällt es mir, wenn wir irgendwo Quartier genommen haben und dann ohne die Räder die Stadt erkunden, das macht schon mehr Spass. Das haben wir ja dann später auf der Reise auch teilweise so gemacht. Sozusagen Städtehopping.
Es gibt ja gottseidank noch Länder, da kostet ein vernünftiges Hotel in einer größeren Stadt nicht gleich 100 Euro pro Nacht…
Wir bummelten also mehr oder minder gemütlich durch Linz, gingen bei McDonalds aufs Klo, kauften Postkarten für Jule und aßen ein Eis.
Es sah schon nett aus hier, aber wir wollten ja hier nicht bleiben und zu erledigen hatten wir auch nichts, nicht mal Hunger auf ne Bäckerei war da, also beschlossen wir, uns aus der Stadt rauszugurken. Es war gegen 15.30 Uhr, als wir nach dem Kampf mit dem Großstadtverkehr unseren Radweg wiedergefunden hatten und zunächst durch ein parkartiges Gelände und dann durchs Industriegebiet aus der Stadt herausfuhren.
Uff, geschafft. Wieder auf der Piste. Zuerst mal mit viel Tempo auf dem Donau-Damm entlang, auf dem eine Marathonstrecke ausgeschildert war. Das war wirklich eine Rennstrecke und wir hatten nachher so viel Tempo drauf, dass wir fast die Abfahrt vom Damm bei Abwinden verpassten und dann hätten wir über den Staudamm ans andere Ufer gemusst und das wollten wir nicht. Viel Lust hatten wir aber wohl nicht mehr, denn im nächsten Örtchen checkten wir schon unser Radwegbuch nach eventuellen Übernachtungen.
Unsere Wahl fiel auf das wenige Kilometer entfernte Mauthausen, da gab es vom Hotel Weindlhof eine Anzeige, die uns zusagte. Gut, nichts wie hin. Was wir übersehen hatten, in der Anzeige stand: ruhige Aussichtslage. Was das hieß, sollten wir bald merken.
In Mauthausen angekommen, fanden wir auch sofort die Ausschilderung zum Hotel, aber es war ein mörderischer Anstieg. Das kriegte ich nach mehr als 100 Kilometern heute nicht mehr hin.
Ich stieg vom Rad und sah entgeistert meinem Schatz hinterher, der diesen Anstieg fuhr und fuhr und fuhr. Ich dagegen fand das Schieben schon mehr als anstrengend. Dann erstaunte mich noch die Tatsache, das weiter oben auf dem Berg noch ein Altersheim war. Du liebe Güte, die armen alten Leutchen, wenn die mal runter in den Ort wollten… Oder war ich nur so ein Weichei?
Als ich endlich oben am Hotel ankam, war Schimmi schon mit einem anderen Gast am Erzählen und ich zweifelte echt an mir und meiner Form. Ihm schien das kaum was ausgemacht zu haben…
Ich bestand energisch darauf, dass wir hier ein Zimmer nehmen, egal, was es kostet, ich würde auf gar keinen Fall umsonst hier hochgegurkt sein. Aber so teuer war es gar nicht und das Zimmer war wirklich schön. Vor allem groß, es war nämlich ein Vierbettzimmer.
Was dem Vorteil hatte, dass wir ausreichend Handtücher zum Wäschetrocknen zur Verfügung hatten, also wurde heute mal etwas ausführlicher gewaschen. Nach der Schwitzerei heute morgen unter der Regenjacke war das auch erforderlich. Es lebe Rei in der Tube! *g*
Dann machten wir uns stadtfein und checkten zunächst mal die Speisekarte hier im Hotel, die uns aber nicht so zusagte. Auch die Preise waren ganz schön gesalzen. Inzwischen hatten wir uns aber soweit erholt, dass wir bereit waren, den Berg nochmal runter und danach natürlich wieder raufzugehen. Wie gesagt ist Laufen bzw. Gehen nach der Radelei immer eine richtige Erholung für die Beine.
Beim Abstieg vom Berg fanden wir diese Monster-Zucchini, bei der wir uns nicht ganz sicher waren, ob das nicht vielleicht doch ein Kürbis war. Die Form stimmte irgendwie nicht. Aber irre groß das Teil. Wahnsinn!
Wir liefen dann eine Weile in der Stadt herum und fanden die Ausschilderung zu einem Lokal, das aber geschlossen hatte. Zwei junge Österreicher empfahlen uns die Gaststätte Donauhof (”ja bieettee!”), die wir dann auch aufsuchten. Von dem Essen waren wir nur mäßig begeistert. Alles war irgendwie paniert und ziemlich fettig. Nicht so unser Geschmack, aber wir wurden satt und leckeren Wein gab es auch. 
Der Nachtisch war allerdings das Highlight: Palatschinken (auch Pfann- oder Eierkuchen, auf englisch Pancakes) mit leckerer Füllung und Vanillesoße und Sahne. Mjamm! Und immer rein mit den Kalorien! 
Beim erneuten Aufstieg auf unser Bergdomizil war es dann schon dunkel, aber wir fanden den Weg problemlos und ohne Fahrrad ist das auch gar nicht wirklich anstrengend. Gegen 21 Uhr lagen wir auch in den Betten und sahen noch ein bisschen fern.
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 109 in 6 h | heute mal etwas mehr |
| Übernachtung: | in Mauthausen im Hotel Weindlhofhoch oben aufm Berg | 55 Euro/Dz. (Ü/F) |
| Essen: | im Restaurant Donauhof | diesmal österreichisch, muss das alles paniert sein? |
| Wetter: | früh Regen, ab vormittags trocken, aber bewölkt | immer noch warm |
| Stimmung: | bestens! | im Ösi-Land isses auch schön |