(über Ybbs, Melk, Spitz)
Um 7.30 Uhr gab es Frühstück im Hotelrestaurant, ein sehr schönes Buffet, es gab sogar Müsli mit Joghurt für mich. Allerdings wie immer nur Weißmehlbrötchen, aber da muss man sich wohl mit abfinden, wenn man auf Reisen ist. Das Wetter sah heute ganz gut aus, ein bisschen Nebel, ein paar Wolken, trocken, wir waren zufrieden.
Allerdings kam zum Frühstück ein ältere Frau, mit der wir gestern abend schon einen Schwatz gemacht haben, an unseren Tisch und meinte, sie hätten im Radio für morgen einen Kälteeinbruch angesagt, bei dem es sogar Schnee geben sollte. Sie war ganz besorgt um uns, weil wir ihr erzählt hatten, was wir noch vorhaben. Wir schauten uns entsetzt an und beschlossen, das jetzt mal für einen Witz zu halten. Aber ein bisschen Sorgen bereitet einem ja sowas doch. Ich stellte mir gleich uns beide wie wild durchs Schneegestöber strampelnd vor. *igitt*
Um 8.30 Uhr saßen wir wieder in den Sätteln und fuhren mit rasender Geschwindigkeit den Berg hinunter, ja, das war schöööön! Kurz hinter Mauthausen kam dann ein alberne Ortschaft, wie man auf dem Schild hier sieht. Das war doch mal ein Ort, dessen Namen zu uns passte. Sollten wir hier herziehen?
Solche Schilder muss ich einfach immer knipsen, da komme ich nicht dran vorbei.
Die nächsten Kilometer ging es auf dem Donau-Damm weiter, eine schöne Rennstrecke und keine Ortschaft weit und breit. So mochten wir das und so bekamen wir unseren Frühsport.
Leider dauerte es nicht lange, da bemerkten wir mit Entsetzen, dass das Knacken in meinem Vorderrad wieder angefangen hatte. Was für ein Mist! Lag es an der kaiserlich- königlichen Straße? Sicher nicht, aber es nervte immens, zumal es mit jedem Kilometer schlimmer wurde. Kurz vor Mitterkirchen war es dann so schlimm, dass wir nach einer Werkstatt fragten. Eigentlich war unterwegs was ausgeschildert gewesen, aber das erwies sich nicht nicht mehr existent.
Man schickt uns ca. drei Kilometer weiter ins Hinterland nach Baumgartenberg an eine Tankstelle und ich fahre im Schneckentempo, obwohl es mir fast körperlich weh tut, wie es da vorne in der Nabe rumknackt. Man merkt genau, dass das was locker ist und schleift und schabt. Ich warte nur darauf, dass es gar nicht mehr weitergeht. An der Tankstelle ist zwar ein kleiner Fahrradladen angeschlossen, aber die können uns auch nicht helfen, da sie keinen Monteur haben. Die beiden Frauen, die da den Laden schmissen, waren zwar sehr nett, hatten aber von Fahrradtechnik ungefähr soviel Ahnung wie ich.
Immerhin hatte eine die zündende Idee und verwies uns darauf, dass es ja hier einen Bahnhof gäbe und wir mit dem Zug nach Grein fahren können. Dort ist auf jeden Fall eine Fahrradwerkstatt, die uns weiterhilft. Na also! Der Bahnhof war gar nicht weit und ungefähr so groß wie der in Spaichingen. Ein Zug sollte auch jeden Moment fahren, obwohl wir dem Fahrplan nicht so recht trauten. Um 10.30 Uhr warteten wir also in einem Ort namens Baumgartenberg auf dem einzigen Bahnsteig auf den Zug, der dann mit Verspätung auch tatsächlich hier hielt.
Die Hälfte der Zugfahrt ging für das Lösen des Tickets am Automaten im Zug drauf. Mann, war das umständlich! Die Tickets für die Fahrräder sparten wir uns erstmal. Nach ungefähr 12 Kilometern waren wir dann in Grein.
Auch die Werkstatt fanden wir völlig problemlos und man diagnostizierte auf der Stelle einen Lagerschaden an meinem Vorderrad und so bekam ich ein neues welches, obwohl das alte noch nicht mal ein Jahr alt war, man erinnere sich an meinen Unfall letztes Jahr. Half ja alles nichts, schließlich hatten wir noch viel vor. Wenn das nicht unterwegs passiert wäre, hätten wir hier einen Garantiefall, aber wir wollten das kaputte Ding ja nicht die ganze Zeit mitschleppen.
Wir löhnten 65 Euronen und mein Radel war wieder fit und ich wieder glücklich. Als nächstes mussten wir irgendwie ans andere Ufer, wenn wir nicht die ganze nächste Zeit an der Straße fahren wollten. Dazu mussten wir erstmal zwei Kilometer zurück und über eine Brücke. Danach kamen wir auf einen herrlichen Radweg.
Wie man sieht, lockte das geniale Wetter eine Menge Schönwetterfahrer hinter dem Ofen vor und die Radwege füllten sich, wie wir es bisher noch nicht erlebt hatten. Allerdings verteilte sich das gut und kurz hinter den direkt am Weg zahlreich vorhandenen Biergärten war die Piste wieder frei, weil die Biergärten voll waren. Manche Leute scheinen nur aufs Rad zu steigen, um schneller bei ihrem Bierchen zu sein…
Interessant war auch die Fülle der Übernachtungsangebote direkt am Radweg. Alles war hier auf die Reiseradler eingestellt. Man fühlte sich richtig willkommen.
Jedenfalls machte uns das heute bei dem geilen Wetter einen Riesenspaß und die Querelen des Vormittags mit der Panne waren schnell vergessen. Und es ist auch mal schön, nicht so allein unterwegs zu sein, wenn man sich auch bei Pinkel- oder Rückeneinreib-Pausen besser verstecken musste. *g*
Heute fuhr es sich fast von allein, deshalb waren wir bald in Ybbs, wo wir uns ein zweites Frühstück oder sowas schießen wollten. Leider hatten aber alle in Frage kommenden Bäckereien geschlossen, da es schon nach 13 Uhr und damit Mittagszeit war. Wir waren wohl heute irgendwie spät dran durch den Werkstattaufenthalt. Das stört uns nun aber nicht wirklich, denn wir finden einen Supermarkt namens Billa (so ähnlich wie Minimal oder Penny bei uns), wo wir uns mit Milch, Trinkjoghurt, Keksen und Bananen eindecken und dann Picknick auf dem zugehörigen Parkplatz machen. Das ging wunderbar und machte bei dem Wetter auch Spaß.
Dann sind wir noch zum nahegelegenen Vögele, um für Schimmi ein neues Basecap zu kaufen, seins hatte er irgendwo liegenlassen und bei der Sonne heute braucht der Mann was auf dem Haupte, sonst sticht ihn die Sonne und das ist dann nicht mehr auszuhalten. 
Hier nutze ich die Kundentoilette, um erstmals auf dieser Reise ein kurzes Oberteil anzuziehen, denn inzwischen ist es richtig sommerlich warm geworden. Weiter also mit frischer Kraft. Bis Melk war es nun nicht mehr weit, doch es gelang uns, bis dahin noch dreimal die Donauseite zu wechseln, nur weil wir einmal falsch abgebogen waren. Bzw. wieder mal zu schnell unterwegs waren, um vernünftig auf den Weg zu achten. Bei diesem Hin und Her begegnet uns zweimal ein Läufer, der ein abartiges Tempo draufhat, mit dem er auch die obligatorischen ziemlich steilen Anstiege die Brücken hinauf bewältigt. Die Tatsache, dass er uns zwei mal entgegenkam, deutet wohl darauf hin, dass er schneller war als wir. Du liebe Güte…
Nun ging es ein Stück an einer vielbefahrenen Straße entlang, aber die Gegend wurde immer netter, wir waren in der Wachau angekommen. Hier bestimmten nun Weinberge, niedliche kleine Örtchen und Obstplantagen das Bild und wir fanden es ausgesprochen schön hier. Der Weg wurde natürlich etwas bergiger, aber das war eigentlich gar nicht so schlimm. Was wir allerdings bemerken, ist die Tatsache, dass die “Besetzt”-Schilder an den Pensionen zunehmen. Nun ja, es ist Wochenende, das Wetter ist klasse und es sind ne Menge Leute unterwegs, das könnte heute eventuell Probleme geben.
Dessen ungeachtet fahren wir erstmal weiter und genießen die schöne Gegend. Als wir dann Spitz erreicht und hinter uns gelassen hatten, meinte ich dann doch langsam, dass wir jetzt nach einem Quartier schauen sollten. Mein Schatz war irgendwie im Fahrrausch und wäre wohl noch gefahren, bis es dunkel war. 
Wie ich es mir gedacht hatte, fragten wir viele Male vergeblich nach, es war alles schon belegt. Dabei hätten wir doch so gerne in dem entmagnetisierten, strahlungsfreien Haus, in dem es “lebendiges” Wasser gab, gewohnt. Das stand allen Ernstes in dem Schaukasten, wo die Gästezimmer angeboten wurden! Was es nicht alles gab…
Schließlich landen wir in Joching, einem kleinen Örtchen zwischen Wösendorf und Weißenkirchen, wo wir bei Familie Jamek in einem Weingut noch ein freies Zimmer finden. Ehrlich gesagt, dachte ich zuerst, wieso Weingut? Das ist doch hier mitten im Dorf. Aber das ist hier normal, denn jeder ist hier Winzer, wie es ausschaute. Auf der Straße stand der Herr des Hauses (oder so) und versuchte Weintrauben, Pfirsiche und Äpfel an den Mann oder die Frau zu bringen. Das der Gute nicht mehr ganz nüchtern war, merkte ich sofort und Schimmi erst später. *lol*
Die Tochter das Hauses geleitete uns in unser Zimmer, was ganz ordentlich aussah. Dusche und WC war nebenan, auch ok. Wir fragten noch, wo wir wohl heute abend noch was zu essen bekommen würden und sie empfahl uns die zahlreichen Heurigen, die überall geöffnet hatten. Da wir nicht genau wussten, was uns da erwartet, wollten wir aber erstmal die Restaurants checken, die wir unterwegs gesehen hatten.
Nachdem wir geduscht hatten, wollten wir uns auf den Weg machen, aber während ich entkommen konnte, wurde Schimmi vom stark angesäuselten Hausherrn mit Beschlag belegt und vollgenuschelt. Und es sei ja Tradition, dass Gäste in diesem Hause mit einem Gläschen Wein begrüßt würden. Na ja, da waren dann wohl schon ne Menge Gäste heute da gewesen, könnte man meinen.
Nach langem Palaver und der Erklärung, dass er ü-ber-haupt keinen Wein trinkt (was auch stimmt), konnte sich mein Schatz losreißen und wir auf Futtersuche gehen. Immerhin hatte er einen Ortsplan mit, wo die Wirtschaften eingezeichnet waren.
Die beiden in Frage kommenden Restaurants konnten wir relativ schnell vergessen, das mussten den Preisen nach 8-Sterne-Gourmetküchen sein. Nö, wollten wir nicht. Also doch zum Heurigen, egal, man muss halt alles mal ausprobieren. Ich merkte, dass ich da wohl flexibler war als Schimmi, der eher vorsichtig an unbekannte Speisen herangeht, was man auch an der nachfolgenden Bestelltaktik merkte.
Wir ritten also in die nächste Heurigen-Wirtschaft ein und bestellten erstmal die Getränke. Die Sache mit dem Almdudler war ja schon neckisch, ist ein wirklich leckeres Erfrischungsgetränk, was ich bisher nicht kannte, aber unbedingt empfehlen kann. Da es kein Bier gab, wich Schimmi von seinem Ich-trinke-keinen-Wein Prinzip ab und bestellte einen G’spritzten. Und fand es sogar lecker. Na also!
Bei der Auswahl der Speisen musste uns die Kellnerin helfen, weil wir mit den Bezeichnungen so gar nichts anfangen konnten. Wir bekamen heraus, dass es sich samt und sonders um selbstgeschlachtete Wurst handelte und ich hielt mich an die Empfehlung der Kellnerin und bestellte nach dem Salat eine sogenannte Hauerjause, wobei sich Schimmi noch nicht so recht entscheiden konnte.
Als er dann sah, was ich bekam und kostete, bestellte er sofort das Gleiche und wir spachtelten, was das Zeug hielt. Mann, schmeckte das toll! War vor allem auch mal was ganz anderes als wir sonst immer aßen. Zu diesem Riesenteller Wurst gab es einen ganzen Korb voll Brot und wir schafften es natürlich nicht, alles aufzuessen.
Zum Nachtisch gab es dann noch ein einheimisches Weinchen, wobei sich diese Achtel, die es hier immer gibt, gar nicht lohnen, anzufangen. Schwubbs, ist das Glas wieder leer. In der Wirtschaft war es mittlerweile richtig voll, wir staunten, wie die Leute sich an den Tischen drängelten und so war es auch schwierig, Nachschub zu bekommen.
Allerdings waren wir mittlerweile auch schon wieder ganz schön müde und so zahlten wir und machten uns auf den Weg zurück ins Quartier. Und hofften, dass der Hausherr inzwischen dabei war, seinen Rausch auszuschlafen. Nicht, dass der da noch irgendwo lauerte… *g*
Nach einer klitzekleinen Verirrung in einem Weinberg fanden wir auch unsere Unterkunft wieder und legten uns schlafen.
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 108 in 5 h 50 min | es pendelt sich langsam ein |
| Übernachtung: | Privatzimmer in Joching bei Fam. Jamek | 34 Euro/Dz. (Ü/F) |
| Essen: | beim Heurigen in Wösendorg | Hauerjause. Geil! |
| Wetter: | sonnig und warm den ganzen Tag | immer noch warm |
| Stimmung: | hervorragend | Ich liebe diesen Urlaub! |