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25. Mai 2006

Tag 01 - Donnerstag (Christi Himmelfahrt)

Aufbruch Donnerstag früh bei bestem Wetter

Dank dieses wunderbaren Feiertages, der netterweise immer auf einen Donnerstag fällt und der Tatsache, dass auch Schimmi den darauffolgenden Brücken-Freitag mal freinehmen durfte, lag ein herrliches, vier Tage langes Wochenende vor uns. Das sollte natürlich für die erste Mehrtagestour des Jahres genutzt werden und es war uns egal, dass die Wettervorhersagen alle auf ziemlich nasses Wetter hindeuteten.

Um fünf Uhr war also Aufstehen angesagt, denn um 7.20 Uhr fuhr unser Zug in Richtung Kehl ab. Das war auch so ziemlich das einzige, was wir fest geplant hatten. Ansonsten wollten wir halt mal testweise etwas in Frankreich rumgurken, sozusagen von Strasbourg aus einen Abstecher ins Inland machen und dann am Rhein Richtung Bodensee wieder zurückzufahren. Die Strecke kannten wir ja schon, sie war schön zu fahren und für ein angenehmes Ausdauertraining gar nicht schlecht.

Auf dem Bahnhof in Spaichingen

Ein Blick aus dem Fenster verhieß auch wunderbares Wetter, es war leicht bewölkt und sah richtig gut aus. Wir packten also noch ein bisschen Krempel in die Ortliebs, füllten unsere Camelbaks und schwangen uns in die Sättel. Erstmal nur bis zum Bahnhof. Von Spaichingen aus fuhren wir nach Villingen, wo wir ein bisschen Aufenthalt hatten, den wir mit einem Kaffee und ner Butterbrezel überbrückten. Nebenbei bemerkten wir, wie sich der Himmel zuzog. Na ja, war klar, aber wir ließen uns davon nicht beeindrucken.

Von Villingen nach Offenburg fährt man übrigens mitten durch den Schwarzwald, was wirklich sehr sehenswert ist. Wobei ich dabei die ganze Zeit das Lied von der schwäb’sche Eisebahne summen musste. Furchtbar, diese “Kopflieder”, wird man ganz schlecht wieder los. Trulla, trulla, trulla-la… *g*

Pinkelpause im Wald

Dann kam es wie es kommen musste, wenn man mit der Deutschen Bahn unterwegs ist: Unser Zug hatte Verspätung und unser Anschlusszug nach Kehl war weg. Der nächste ging in ner Stunde und das sahen wir ja nun gar nicht ein. Würden wir eben den Rest mit dem Fahrrad fahren, auf die paar Kilometer kam es nun auch nicht mehr an. Als wir uns vor dem Bahnhof auf die Räder setzten, war es bereits am regnen.

Aber es waren nur kurze Schauer, wir brauchten nicht mal Regenzeug. Wir fuhren auf einem Radweg, der in unserem bewährten Rheinradwegbuch beschrieben war, es konnte also nichts schiefgehen.
Lustiges Straßenschild Hier wieder ein Exemplar für unsere Sammlung lustiger Schilder. Auch eine hübsche Adresse, fast so schön wie der Fischmussweg aus unserem letzten Urlaub. Irgendwie können wir uns über derlei Straßenschilder immer unheimlich beömmeln.

Grenzübertritt nach Frankreich Und so kamen wir ohne weitere Zwischenfälle an der französischen Grenze und nicht viel später auch in Strasbourg an. Hier half es ja doch, dass wir schon mal hier waren, denn so einiges erkannten wir wieder. Obwohl wir zunächst mal durch ein Stadtgebiet gurkten, wo wir froh waren, als wir wieder raus waren. Mannomann, liefen da finstere Gestalten rum. So orientierten wir uns am Schild “Centre Ville”, was auch der nicht französisch sprechende Durchschnittsdeutsche begreift und erreichten das touristenüberlaufene Zentrum.

Im Zentrum von Strasbourg Der Hauptgrund, warum wir überhaupt in die Stadt rein wollten, war aber der Kauf einer geeigneten Karte für das Gebiet, dass wir befahren wollten. In meinem Lieblingsforum werden für Frankreich generell die Michelin local-Karten empfohlen und für Südostfrankreich haben wir ja auch schon einen ganzen Stapel zu Hause. Sie haben einen Maßstab von 1:150000 und sind somit detailliert genug, um auch kleinere, für Räder gut befahrbare Straßen darzustellen. Wir kauften also in einem kleinen Laden die Karte Nr. 315, auf der das Elsass bis runter nach Basel drauf war und kamen tatsächlich die gesamte Tour hervorragend damit klar.

Nun so schnell wie geht wieder raus aus der Stadt (ohne uns zu verfahren!) und wir landeten erstmal wieder am Canal Rhone au Rhin. Aufmerksame Leser werden sich vielleicht an die Tour 2004 erinnern: Das ist der Kanal, der einfach nur schnurgeradeaus führt und das zig Kilometer. Das verlinkte Bild ist übrigens aus 2004, nicht, dass einer denkt, wettermäßig wäre ein Wunder geschehen. Im Gegenteil: Mittlerweile sah es so aus, als ob es sich einregnen wollte. Aber daran wollten wir uns ja nicht stören.

Auf der Route sahen wir sehr oft die blauen Schildchen der Route Vers la mer, die bis ans Mittelmeer führt. Hatte schon einen Touch von Urlaub. Wenn man jetzt hier immer weiter fahren würde…

Erstes Picknick im Buswartehäuschen Machten wir aber nicht. Wir bogen bei Krafft rechts ab in Richtung Erstein - Obernai und fuhren westwärts auf ziemlich beeindruckende Hügelchen zu. Vorher enterten wir aber noch eine Bushaltestelle irgendwo zwischen zwei Orten, weil wir einen Kaffee brauchten und was essen wollten. Und da es inzwischen regnete, war so ein Domizil mit Dach der richtige Platz für ein Picknick. Die Franzosen sind da übrigens ganz cool: Die verziehen nicht mal ne Miene, wenn sie zwei verrückte Radfahrer bei allerfeinstem Mistwetter mit Campingkocher im Bushäuschen Kaffee kochen sehen.
Espresso und Vollkorn-Stullen Wir ließen es uns also schmecken und als wir fertig waren, hatte auch der Regen nachgelassen und es konnte weitergehen.

Westwärts auf Berge zufahren heißt vor allem folgendes: Es geht ganz leicht bergan und der Wind kommt megamäßig von vorn. Wir mussten ganz schön strampeln! In einem kleinen Ort war so eine touristische Wanderkarte, dort hielten wir an und legten unsere weitere Route fest: Wir würden im Elsass immer am Rand der Berge entlang der Weinstraße radeln und dann hinter Mulhouse wieder ostwärts Richtung Basel, so weit wir kommen in den vier Tagen.
Bergiges Elsass - Weinbaugebiet Das hörte sich nach einem guten Plan an und wie man sieht, war das landschaftlich auch wunderschön. Hinter Obernai erreichten wir auch die D35 und fuhren ab jetzt Richtung Süden. Selbstverständlich kam der Wind immer noch von vorn und jetzt ging es auch die Berge rauf und runter.

Unser Hotel für die erste Nacht Ich habe ganz schön gelitten, während Schimmi gefahren ist, als ob er das jeden Tag macht. Das ist ja schon mal frustrierend und dann fange ich immer an zu fluchen wie ein Holzfäller. Kann mir mal einer sagen, warum mir das so schwer fällt? Ich bin doch ausdauermäßig gewiss nicht untrainiert und an Kraft mangelt es mir auch nicht, trotzdem kacke ich an jeder Steigung ab und bin schon froh, wenn ich fahrend und nicht schiebend oben ankomme.

Wir hatten dann so ungefähr 90 km auf dem Tacho, als wir nach einer mordmäßigen Steigung, an der ich einmal eine Pause einlegen musste, in einem Ort namens Heiligenstein ankamen. Gleich am Ortseingang wies ein Schild auf ein Hotel hin und ich war ziemlich kaputt… So hielten wir es für eine gute Idee, doch hier mal nach einem Zimmer zu fragen.
Ländliche Gegend und jede Menge Weinberge Das war die Aussicht vom Hotel aus
Wir hatten Glück. Es war was frei, es war unsere Preisklasse und so gut wie alle sprachen deutsch. Da machte ich doch gleich noch die zwei Bilder oben. Dann Räder abladen und unterstellen, Zimmer annektieren und zumüllen. Feststellen, dass keine Handtücher da sind (ich war noch nicht nass unter der Dusche, sowas checke ich immer vorher!) und welche besorgen lassen.

Das Bett war ein französisches (welch ein Zufall), was den Nachteil hatte, dass man jede Bewegung des anderen nachts mitbekommt. Aber wir waren hoffentlich müde genug, um das zu ignorieren. Außerdem gab es keine normalen Bettdecken mit Bezügen, sondern nur eine Wolldecke, die irgendwie in ein weiteres Laken eingeschlagen war. Gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlimm.

Wir aßen im Hotelrestaurant, was ziemlich teuer war und nicht mal gut. Also wir haben wirklich schon besser gegessen. Es kann halt nicht jeder ein Steak medium braten… Aber wir waren satt und müde und lagen gegen 21 Uhr im Bett. Völlig geschafft.

Statistik
gefahrene km: 89,6 in 5 h 35 min Fahrzeit He, da waren ne Menge Höhenmeter mit dabei!
Übernachtung: Hotel RELAIS DU KLEVENER in Heiligenstein ein bisschen ältlich, aber sehr nettes Personal
Essen: Steak, Gemüse, Spätzle war nicht so toll, aber wir waren satt
Wetter: früh Sonne, dann Wolken, teils Regen Regen würde uns diesmal nicht abhalten
Stimmung: super Endlich wieder unterwegs!
25. Mai 2006 | Reise: Kurztrip Elsass Mai 2006 | 5 Kommentare | TB
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