Tage:«1234»

26. Mai 2006

Tag 02 - Freitag

Einen Platten an Schimmis Fahrrad

Um 7.30 Uhr gab es Frühstück, unser erstes französisches. Man hatte uns diesbezüglich vorgewarnt, aber wir waren zufrieden. So Vollkornsachen kennen die wohl nicht, es gab Weißbrot und Croissants, etwas Wurst und Käse, Marmelade und Bienenhonig. Dazu ausreichend Kaffee. Man darf halt nicht ins Ausland fahren, wenn man seine gewohnten Sachen essen will. Beim Frühstück hörten wir die Hotelangestellten miteinander reden und das hörte sich fast schwäbisch an. Wir haben ganz schön gestaunt und beim Auschecken nachgefragt: Es war elsässisch. Aha! Hört sich aber wirklich kein bisschen französisch an.

Als wir losfahren wollten, erstmal ein kleines Malheur: Schimmi hatte nen Platten. Also war erstmal flicken angesagt, eine eingefahrene Reißzwecke war der Übeltäter. Tja, meinen pannensicheren Reifen konnte sowas nicht passieren, da habe ich so ein Teil schon mal rausgezogen und gut war. Nix Platten.

13 Prozent Steigung

Dann konnte es losgehen. Das Wetter war nicht das, was man sich zum Radeln wünschen würde, es fiel ein ganz leichter Sprühregen, aber es war mild. Also Basecap auf, Regenjacke an und auf gehts. Wir merkten ja schon unsere Beine von der Bergradelei gestern, aber es sollte noch schlimmer kommen. Siehe nebenstehendes Bild. Gut, so übel war es nicht immer und die tolle Landschaft und die Aussichten von oben entschädigten auch für die Mühe, aber es war halt nicht unsere gewohnte Am-Fluss-Rumgurkerei, bei der man sich nicht mal halb so doll anstrengen muss.

Wir fuhren also weiter an der elsässischen Weinstraße entlang durch unzählige niedliche kleine Örtchen, vorbei an Weinbergen und Bergen, Bergen, Bergen… Oh Mann, ich habe das als unheimlich anstrengend in Erinnerung, bin es aber sehr bewusst gefahren, denn nur, was man trainiert, kann man irgendwann mal besser, oder? Doch auf jeden Fall bewahrheitete sich, dass man die schönsten Landschaften nur sieht, wenn man die Berge in Kauf nimmt und meistert. Auch wenns manchmal weh tut.
Kleine idyllische Dörfchen Jede Menge Weinberge
Um kurz vor 12 Uhr waren wir in Ribeauville angekommen, einem etwas größeren Ort auf unserer Strecke. Unser Tacho zeigte mal gerade 36 km an, leider haben wir keinen Höhenmesser, der wäre heute wohl vorzeigbarer.
Vergabe von Blumenpunkten Schimmi fragt im Office de tourisme nach einem Fahrradladen, weil sein Pedal schon wieder mal so übel am Knacken ist. Immer, wenn er hinter mir fährt, denke ich, jemand mitm Holzbein verfolgt mich. *lol* Hört sich echt übel an. Es gibt wohl auch einen Fahrradladen hier, aber der hat gerade zur Mittagspause geschlossen und macht erst gegen 14 Uhr wieder auf. So lange wollen wir natürlich nicht warten und beschließen, uns nach Colmar durchzuschlagen, wo es mit Sicherheit so einen Laden geben würde.

Das Wetter war inzwischen wesentlich besser geworden. Meine Regenjacke war schon ne Weile in der Packtasche verschwunden und mit zunehmender Tageszeit wurden uns sogar die langen Hosen zu warm. Immer öfter kam die Sonne durch und die hatte Kraft!

Das Schild für die elsässische Weinstraße Wir fuhren also weiter in Richtung Colmar und machten kurz hinter Ostheim erstmal wieder ein Picknick mit Kaffee, Keksen, Bananen und Müsliriegeln. Diesmal mitten in der Pampa, ganz romantisch. Und ja, ich gebe es zu, ich habe nicht daran gedacht. Asche auf mein Haupt. Ja, ich hatte vergessen, dass heute der Tag war, an dem wir uns vor nunmehr sieben Jahren im Chat das erste Mal getroffen hatten. Immerhin gab Schimmi zu, dass er auch erst gerade in dem Moment daran gedacht hatte. Auch wenn er mir diesen Lapsus wohl noch weitere sieben Jahre vorhalten wird. ;-) Immerhin begehen wir diesen Tag angemessen: Auf einer wunderschönen Fahrradtour.

Ribeauville, ein kleines Städtchen Um 14.30 Uhr waren wir dann in Colmar angekommen, haben einen Fahrradladen gefunden und Schimmis Pedal auswechseln lassen. Von der Picknickstelle führte übrigens ein Radweg direkt ins Zentrum von Colmar, sehr angenehm zu fahren. Das nebenstehende Bild ist übrigens wieder das einzige aus dieser historischen Stadt. Wir lernen es wohl nie und fotografieren immer nur die Fressbuden statt der Kulturdenkmäler. Banausen!

Unser Tacho zeigt jetzt 58 km an, irgendwie kommen wir heute nicht so richtig voran, aber es macht Spaß, auch wenn es recht anstrengend ist. Das Wetter ist richtig klasse mittlerweile. Um aus Colmar rauszukommen, brauchen wir etwas länger, die Stadt ist ja doch etwas größer… Aber irgendwann haben wir den richtigen Weg gefunden und fahren bei fulminantem Gegenwind zurück in Richtung Berge. Dabei nehme ich bewusst in Kauf, dass das heute nochmal recht mühsam werden wird.
Picknick in der Pampa Schließlich sind wir zurück an der Weinstraße. So sieht übrigens das Schild aus, mit dem sie gekennzeichnet ist. Wir fahren durch Orte wie Ste. Croix-en Plaine, Herlisheim, Hattstatt, Pfaffenheim. Interessant ist, dass die Ortsnamen manchmal richtig französisch, meistens aber deutsch klingen. Und Ortschaften mit -heim hinten gibt es ja bei uns in der Gegend auch sehr viele.

Imbiss in Colmar Witzig ist auch, das die Ortschaften hier Blumenpunkte bekommen können. Immer am Ortseingang hängt so ein Schild, wieviel Blumenpunkte der Ort schon erreicht hat bei der Verblümerung von Frankreich, oder wie übersetzt sich “Fleurissement de la France”? Nun, die hier am Ort müssen noch dran arbeiten, ein Punkt ist wirklich wenig.

In Rouffach müssen wir eine Pause machen, da unser Wasser alle ist. Anstrengendes Fahren und warmes Wetter verlangen eben, viel zu trinken. Viel Lust haben wir aber nicht mehr, inzwischen sind ja doch noch ein paar Kilometerchen hinzugekommen. Also fahren wir nach Soultzmatt, das ist noch ein Stück weiter rein in die Vogesen. Das ist nicht unbedingt ein kleiner Ort, aber es waren trotz angestrengter Suche nur zwei Hotels zu finden, die direkt nebeneinander an der Hauptstraße lagen. Schimmi geht rein und fragt, weil ich jetzt doch die Nase echt voll habe und völlig k. o. bin.

Leider sind beide Hotels voll. Die haben aber netterweise in einem Hotel einen Ort weiter in Wintzfelden angerufen und da wäre noch was frei. Sind nur vier Kilometer und es geht auch nur noch ein bisschen den Berg hoch. Ich bin nicht begeistert, aber was will man machen. Und so fahren wir weiter rein in die Vogesen und aus den vier Kilometern werden locker sechs oder gar sieben (gefühlte 20!) und aus dem gemäßigten Berganfahren wird eine ziemlich lange Schiebestrecke für mich, weil es einfach nicht mehr geht. Sogar, wenn es eben ist, werde ich nicht mehr schneller als 12 km/h.

Unser Hotel in Wintzfelden Schließlich taucht dieses Wintzfelden doch noch zwischen den Bergen auf, inzwischen wird es schon dunkel. Am Ortseingang gehts nochmal tüchtig bergauf, aber dann ist da gleich das Hotel und ich steige so fix und fertig wie noch nie vom Fahrrad. Ich habe nicht mal Hunger, will nur duschen und mich möglichst nicht mehr bewegen.
Sehr einsam in den Vogesen Als Schimmi reingeht und das Zimmer klar macht, schaue ich mich um und merke, dass wir wohl am Ar*** der Welt angekommen sind. Um uns herum nichts als Berge, Wald und tiefhängende Wolken… und eine Ruhe! Wahnsinn! Aber irgendwie auch schön. Dann kam Schimmi mit der Hotelbesitzerin wieder raus (die sprach ganz wunderbar deutsch) und wir schlossen unsere Fahrräder in einen Schuppen.

Das Zimmer war prima, das Bett hatte sogar eine geteilte Matratze, aber wieder diese mit nem Laken eingeschlagene Decke zum Zudecken. Scheint hier so normal zu sein. Nach dem Duschen ging es mir schon wieder besser und ich bekam auch langsam Hunger. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir einen hübschen Sonnenbrand im Gesicht und an den Armen hatte es mich auch erwischt. Das geht mächtig schnell und erfordert nicht mal viel Sonne hier…

Das Abendessen unten im Lokal war heute ausnehmend hervorragend. Schimmi hatte ein Super-Steak und ich Tagliatelle mit Pilz-Sahne-Soße (Kohlenhydrate auftanken), es war lecker! An die stolzen Preise muss man sich hier wohl gewöhnen. Ist ja auch ne Urlaubsgegend. Jedenfalls waren wir heute hochzufrieden, aber völlig kaputt und so lagen wir gegen 22 Uhr in den Betten. Ich war gespannt, was meine Beine morgen vermelden würden…

Statistik
gefahrene km: 97,8 in 6 h 42 min Fahrzeit Die letzten sechs unfreiwillig. Und wieder jede Menge Höhenmeter!
Übernachtung: Hotel l’Arbre Vert in Wintzfelden bei Soultzmatt kleines, feines Hotel, aber man muss ein Stück nach oben…
Essen: Steak, Tagliatelle war superlecker
Wetter: früh Wolken und Sprühregen, dann sonnig und warm es reichte, einen Sonnenbrand zu bekommen
Stimmung: Klasse, aber müde es ist zwar anstrengend, aber wunderschön
26. Mai 2006 | Reise: Kurztrip Elsass Mai 2006 | Kommentieren | TB
Tage:«1234»