11. September 2004

Tag 01 - Samstag

Strecke: Spaichingen - Rottweil - Spaichingen

Hier übernehme ich mal den Eintrag aus dem Tagebuch von diesem Tage:

“Immer noch zu Hause”

Oder schon wieder. *frust*

Der gestrige Tag war bis auf den Abend ein einziges Fiasko. Los ging es eigentlich ganz gut. Es war herrlichers Wetter, leicht bewölkt, zeitweise richtig warm. Wir sind früh raus, haben alles zusammengepackt, den Hänger beladen und los ging es. Schimmi hatte den Hänger als erstes, wir wollten uns ja mit dem Ziehen täglich abwechseln.

Vor dem Start am Samstag vor unserer Garage

Er jammerte ein bisschen rum, dass es ziemlich schwer wäre und ungewohnt und wir waren sehr langsam. An Steigungen war es besonders schlimm, da kam er gar nicht voran und ich wartete immerzu auf ihn. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht außer, dass man sich wohl daran erstmal gewöhnen muss.

Dann haben sind wir in Rottweil etwas anders gefahren, weil wir die Steigung hoch ins Zentrum vermeiden wollten und haben uns dabei total verfranst. Den Schildern nach waren wir auf einem Radweg, aber wohl nicht dem, den wir wollten.

Mitten in irgendeiner ziemlich waldigen und bergigen Pampa (nach genau 19,3 km) riss dann an einer Steigung Schimmis Kette. Ja genau, die nigelnagelneue Kette, die er sich am Freitag für schlappe 30 Euronen noch hatte einbauen lassen. Und sie ist nicht einfach nur gerissen, es waren zwei Glieder völlig verbogen. Uns schwoll beiden der Hals.

Schimmi hatte ein kleines Nietgerät und Ersatzglieder mit und so machten wir uns wutschnaubend an die Reparatur. Wer sowas schon mal gemacht hat, weiß, was das für eine dreckige Fummelei ist. Aber irgendwie haben wir es geschafft und fuhren weiter, waren uns aber bewusst, dass das nur notdürftig repariert war und wir in der nächsten Ortschaft an nem Fahrradladen anhalten mussten.

Nach ca. 2 km knackte es an der Kette ganz komisch und das bewusste Kettenglied war wieder etwas verbogen. Wir richteten es und fuhren nicht weiter, sondern hielten ein Auto an und fragten, wie wir am schnellsten zurück nach Rottweil kommen würden und so fuhren wir denn eben zurück, wobei wir alle Kilometer an Schimmis Kette herumbiegen mussten. (Zur Ehrenrettung des Verkäufers der kaputten Kette soll hier erwähnt werden, dass dieser nach dem Urlaub den bezahlten Preis ohne zu zögern erstattet hat!)

Den Hänger zog ich inzwischen und ich merkte sehr schnell, dass das ü-ber-haupt keinen Spaß machte und viel zu anstrengend war. An jeder noch so kleinen Steigung war ich fast am Ende und so stand für mich sehr schnell fest, dass wir unsere Tour so nicht schaffen würden. Niemals! Ich habe schließlich Urlaub und das war pure Quälerei.

So etwa am Ortseingang Rottweil verlor Schimmi die Kette dann endgültig, sie lag einfach auf der Straße und so schoben wir unsere Technik. Wer Rottweil kennt, weiß, was es da teilweise für Steigungen gibt und ein Fahrrad samt diesem vermaledeiten Anhänger da hoch zu schieben, brachte mich fast bis an Ende meiner Kraft. Echt! Ich hätte heulen können.

Irgendwann waren wir dann am Fahrradgeschäft und - welch ein Glück - die hatten auch noch auf und halfen uns. Wieder eine neue Kette, die gleich montiert wurde und die Schaltung neu eingestellt. Netter Junge, der uns auch noch ein paar Tipps gab.

Dann die Frage: Fahren wir weiter oder geben wir auf wegen dem Anhänger. Da ich mich während der Zwangspause ein bisschen erholt hatte, war ich für Weiterfahren. Aber das erledigte sich rasch. Zwei Steigungen später war ich am Ende, gab auf, setzte mich auf eine Treppe und heulte. Schimmi hängte den Hänger erstmal wieder an sein Fahrrad und tröstete mich, obwohl er genauso frustriert war.

Wir fuhren also zum Bahnhof (alles bergab, gottseidank) und dann gings mit dem Ringzug zurück nach Spaichingen. Kostete nur 5,50 Euro, die Fahrräder kamen umsonst mit. Fanden wir toll, was doch alles möglich ist, wenn nicht Deutsche Bahn dransteht.

Inzwischen kämpften wir mit unserem Frust und überlegten, wie wir die Tour ohne Anhänger machen könnten, ohne dass wir nochmal eine Menge Kohle für Gepäckträger und Satteltaschen investieren müssten. Das hatten wir zwar eh vor, aber erst nächstes Jahr. Und so entwickelten wir die Variante “Rucksacktourist - Reisen mit Notgepäck”. Das heißt, wir nehmen nur das allerallernötigste mit und es muss in unsere Rucksäcke zuzüglich der Lenkertaschen passen. Radeln mit Rucksack ist zwar auch nicht so schön, aber alles ist besser also dieser verf****e Anhänger.

Zu Hause angekommen, wurde also mit neuem Tatendrang sofort umgepackt. Eine Menge Krempel wanderte wieder zurück in die Schränke und übrig blieben zwei gut gefüllte Rucksäcke. Die waren auch nicht ideal, weil ziemlich billige Aldi-Dinger, aber wir hatten nichts besseres. Wir beschlossen, damit eine Probefahrt nach Tuttlingen zu machen, um zu sehen, wie es sich fährt. In Tuttlingen ist ja auch diese schnuckelige Eisdiele.

Es ging. War zwar auch nicht bequem, aber der Fahrspaß blieb erhalten und das war ja wohl wichtig. In der Eisdiele natürlich einen Arbeitskollegen mit Familie getroffen, der sich mächtig wunderte, was wir noch hier machten. Als wir unsere Geschichte erzählten, haben sie uns mächtig bedauert und viel Glück für den nächsten Versuch gewünscht.

Auch Schimmis Fahrrad hatte die Probefahrt ohne irgendwelche Zwischenfälle überstanden. In Spaichingen haben wir dann noch einen Schwatz mit der Nachbarin gemacht, die uns den Anhänger verkauft hat. Auch sie bedauerte uns und konnte uns sogar netterweise zwei bessere Rucksäcke leihen. Damit würden wir sicher beqemer fahren.

Abends waren wir dann noch ganz gemütlich ein Riesensteak essen, das hatten wir uns wohl verdient (außerdem ist ja unser Kühlschrank leer) und dann fielen wir geschafft ins Bett. Als wir da lagen, hörten wir, wie es anfing zu regnen…

Statistik
gefahrene km: 75 obwohl wir nicht vom Fleck gekommen waren…
Übernachtung: zu Hause wenigstens hats nichts gekostet
Essen: Gasthaus 7 Winden schönes dicke Steaks
Wetter: leicht bewölkt, warm aber abends Regen
Stimmung: obermies es kann nur besser werden…
11. September 2004 | Reise: Neckar-Rhein 2004 | Kommentieren | TB