Wir hatten sehr gut geschlafen in unseren Bauernbetten, es war wirklich angenehm ruhig in der Pension, auch keine krähenden Gockel oder sonstige Untiere… Leider stellten wir fest, das unsere gewaschenen Klamotten in dieser Nacht nicht trocken geworden waren, wir hatten sie am geöffneten Badfenster aufgehängt und die Nachtluft war wohl zu feucht gewesen. Das war zwar blöd, aber keine Drama. Für diesen Fall hatte ich Kleidungsvariante B in petto, da musste dann halt die Hose herhalten, die ich immer abends trug und ein langes Radfahrshirt hatte ich auch noch. Schimmi machte es ähnlich, nur dass er halt ein normales T-Shirt zum Fahren anziehen musste, was nicht so angenehm ist, da man das auch nicht mal eben so auswaschen kann.
Frühstück war einfach, aber gut, diesmal war ein älterer Mann da, der uns bediente. Der meinte auch, dass das Wetter stabil bleiben würde, kein Regen heute. Hörte sich doch gut an. Heute würden wir nun in Basel ankommen und damit endete auch unser Rhein-Radweg-Buch. Wir hatten noch keinen genauen Plan, wie es ab Basel weitergehen würde, wir wussten nur, dass wir in Richtung Bodensee wollten.
Aber erstmal auf nach Basel. Um 8:30 Uhr fuhren wir los und 20 Minuten später hatten wir bereits die Schweizer Grenze passiert und waren da. Durch die Grenze fährt man als Radfahrer übrigens einfach so durch, kein Mensch will da irgendeinen Ausweis sehen oder sowas. Das würden wir in den nächsten Tagen noch desöfteren erleben, da wir laufend rüber und nüber mussten. Wer also ganz bequem und ohne Stress was schmuggeln will, sollte dies mit dem Fahrrad tun. 
In Basel fährt man ganz hervorragend überall auf Radwegen und Radfahrer haben dort fast immer Vorfahrt. Fahrräder heißen dort übrigens Velos. Als wir auf einer Brücke mit der Karte rumhantierten, hielt eine junge Frau mit dem Fahrrad an und fragte, ob sie uns helfen könne. Machten wir schon wieder so ratlose Gesichter? *g* Sie wies uns den Weg in die Innenstadt und gab uns zu unserem weiteren Fortkommen den Tipp, dass am Bahnhof sämtliche hier entlang führenden Radrouten zusammengefasst sind und wir uns einfach nur die Nummer unserer Route dort heraussuchen müssten. Dieser Beschilderung dann folgen und nichts könne mehr passieren, da in der Schweiz die Ausschilderung der Radwege genauso vorbildlich sei wie deren weit verzweigtes Netz. Hm, das hören doch zwei Orientierungs-Looser wie wir besonders gern.
Also auf zum Bahnhof. Der war ausgezeichnet ausgeschildert und lag auf dem Weg in die Innenstadt, wo wir ja sowieso hinwollten. Sollte also kein Problem sein. Wars auch nicht, jedenfalls kein großes… Dauerte auch nur ne halbe Stunde, bis wir da waren… Geht doch noch, oder?
Dort kauften wir erstmal wieder Ansichtskarten und bekamen als Wechselgeld für unsere Euros lustige bunte Schweizer Franken. Dann fanden wir auch das betreffende Schild und identifizierten unsere Route zum Bodensee ganz eindeutig als Nr. 2.
Da wir aber nicht nur in der Schweiz, sondern auch im nicht so gut ausgeschilderten Deutschland fahren wollten, gingen wir auf Nummer sicher und kauften uns noch eine neue Karte, diese würde uns von Basel aus direkt zum Bodensee führen. Karten gibt es in der Schweiz aber nur in Buchhandlungen und die nächste war wohl am sogenannten Bankenplatz, ganz nahe beim Stadtzentrum. Aha, da wollten wir ja sowieso hin, also los.
Gefunden! Wir haben gleich noch ein bisschen was von der Stadt gesehen bis dahin, wie praktisch.
Danach war es aber wirklich einfach. Gleich daneben begann die Fussgängerzone, dann kam der Markt, die Rheinbrücken, das Münster:
Wirklich komisch, dass es nicht ein Münster zu geben scheint, an dem kein Baugerüst klebt. In Ulm war das so, hier in Basel und in Konstanz haben wir es auch gesehen. Na ja, die Dinger sind halt alt und da gibts immer was zu reparieren.
Wie man auf den Fotos sieht, war das Wetter mittlerweile wieder mehr als akzeptabel, es war zwar kühl, aber die Sonne schien. Wir schauten uns dort noch eine Weile um, dann wollten wir aber weiter. Obwohl wir in Basel auch ne ganze Menge Kilometer zurückgelegt hatten. Gewollt oder ungewollt. Aber wie gesagt, durch die Radwege fährt man sehr gut dort und es sind auch eine Unmenge Fahrradfahrer unterwegs. Manchmal ist man bei dem Verkehr wahrscheinlich auch schneller mit einem Velo. 
Bald hatten wir das Zentrum hinter uns gelassen und folgten den Radwegschildern durch diverse Vororte von Basel. Immer noch dicht besiedelt und auch recht bergig. Dabei lief uns folgendes Untier über den Weg:
Schimmi versuchte sich als Drachentöter… ähhh Drachenheber.
Aber man sieht so, wie groß das Vieh war.
Auch unsere Schildersammlung wurde neu bestückt durch dieses verwirrung stiftende Exemplar. Da kann sich jeder aussuchen, wo er gerne hin möchte… Aber was das mit der Umleitung sollte, haben wir uns nicht erklären können, laut unserer Karte mussten wir sowieso in die angegebene Richtung. Und wer hat die Brücke zerstört? Terroristen? In der Schweiz? Rätsel über Rätsel…
Ab diesem Schild war dann auch vorbei mit Zivilisation, es ging in der Natur weiter, nur ab und an wurde ein kleinerer Ort durchquert.
Irgendwann wurde es dann auch wieder Zeit für eine Rast und da wir ein gewisses Frischkostdefizit in den letzten Tagen zu verzeichnen hatten, wollten wir uns ein bisschen Obst kaufen. Der nächst größere Ort nannte sich Rheinfelden, wir kamen durch eine hübsche Fussgängerzone hindurch, in der auch ein Lebensmittelladen mit reichhaltigem Obstangebot geöffnet hatte.
Wir kauften also Obst, für Schimmi noch einen halben Liter Milch und für mich einen Trinkjoghurt und los ging das Gelage:
Eine Rast ist auch immer eine gute Gelegenheit zum Kartenstudium und zur weiteren Streckenplanung und so erfuhren wir, dass es diese Rheinfelden auch auf deutsch gab nebst einer Brücke, über die man ganz schnell drüben war. Die weitere Strecke in Deutschland erschien uns auch abwechslungsreicher, deshalb beschlossen wir zu wechseln.
Gesagt, getan. Und es fuhr sich wirklich schön. Kurz vor Bad Säckingen trafen wir einen älteren Herrn, der mich irgendwie an meinen Opa väterlicherseits erinnerte. Wir fuhren eine Weile zusammen, er kannte sich sehr gut aus, weil er nach seinen Angaben sehr oft und viel mit dem Fahrrad unterwegs war. Leider mochte seine Frau das Radfahren überhaupt nicht, obwohl er ihr vor zwei Jahren ein nigelnagelneues hochmodernes Fahrrad geschenkt hatte, dass jetzt unbenutzt im Keller stand. So fährt er eben allein und seine Frau sitzt zu Haus rum. Schade eigentlich. Er zeigte uns noch diese Brücke:
Dann verabschiedete er sich, weil er wohl hier wohnte und wir fuhren erstmal in die Innenstadt. Die Kamera musste mal wieder von der Last ihrer Bilder befreit werden, damit Platz wurde für neue.
Außerdem war es höchste Zeit zum Kaffeetrinken.
War schon unglaublich, was wir im Laufe eines Tages so vertilgten. Wir hatten aber auch immerzu Hunger. Mag an der vielen frischen Luft gelegen haben, außerdem verbrannten wir ja auch genug mit der Fahrerei. Immerhin saßen wir bestimmt pro Tag so an die 4-5 Stunden effektiv auf dem Fahrrad. Und abnehmen wollten wir ja eigentlich nicht. Also rein mit den fetten Kuchenteilchen. *g*
Dann ging es weiter und als wir gerade wieder loswollten, kam doch glatt der Opi von vorhin wieder an und wie es der “Zufall” wollte, fuhr er auch genau in unsere Richtung. Wir grinsten uns eins und dachten uns unser Teil. Der hatte mit Sicherheit irgendwo auf uns gewartet, um noch ein Stück mit uns zu fahren. Wir ließen ihn natürlich und machten noch einen netten Schwatz unterwegs mit ihm. Ältere Leute haben immer so unglaublich viel zu erzählen und vor allem ist es immer erstaunlich, wo sie sich überall auskennen. Spaichingen kannte er genauso gut wie den Flugplatz in Denkingen hier in der Nähe oder Jechtingen, wo wir bei Familie Bohn übernachtet hatten.
Im übernächsten Ort verabschiedete er sich aber endgültig, da er hier bei Bekannten zum Kaffee eingeladen war. Er erklärte uns noch kurz, wie wir weiterfahren sollten, dann war er weg. Und wir fuhren weiter und ich muss sagen, dass die Strecke seit langem mal wieder so richtig schön war. Es war sehr abwechslungsreich und hatte herrliche Aussichten, die man sich aber auch durch ein paar nicht so nette Anstiege erkämpfen musste:
So ging das weiter. Die Strecke fuhr sich fast von allein und so kamen wir weiter, als wir gedacht hatten.
Kurz vor Waldshut liegt genau gegenüber von einem Kernkraftwerk auf schweizer Seite der “strahlende” Ort Dogern und genau diesen hatten wir uns zum Übernachten auserkoren. Es war auch spät und wir waren genug gefahren. Wir fanden auch blitzschnell diesen schnuckeligen kleinen Landgasthof:
Dort kamen unsere Räder wieder in eine Garage, die nette Wirtin versprach uns zum Abend leckeres Essen und die Zimmer waren auch in Ordnung. Etwas altmodisch zwar alles, aber sauber und gemütlich.
Wir gingen unter die Dusche und spulten unser sonstiges Abendprogramm ab, dann gingen wir runter, um zu testen, was die ländliche Küche hier so zu bieten hat. Und wurden höchst angenehm überrascht: So gut und so viel hatten wir lange nicht gegessen. Bürgerliche Küche, Riesenportionen und alles frisch zubereitet und megalecker. Wir waren fast am Platzen, heute gab es für mich auch mal keinen Nachtisch, hätte ich nicht mehr hintergekriegt. Und das ganze zu Minipreisen, da waren wir dann nochmal überrascht.
So satt und zufrieden, wie wir jetzt waren, hielten wir es auch nicht mehr lange aus und waren wie immer zeitig in der Falle.
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 88 | heute wieder etwas mehr… |
| Übernachtung: | Landgasthof Tröndle, Dogern | 46 Euro f. DZ/Ü/F, Bad, WC |
| Essen: | im Gasthof Tröndle | Steaks, 1a mit Stern!!! |
| Wetter: | teils wolkig, teils sonnig | es wird wieder |
| Stimmung: | Riesig | Wir sind bald am Bodensee! |