21. September 2004

Tag 11 - Dienstag

Strecke: Dogern (Waldshut) - Kattenhorn (Bodensee)

So, heute war nun der Tag, an dem wir nach unserer Rundreise durch Baden-Württemberg am Bodensee ankommen würden. Wir freuten uns und machten beim Frühstück noch einen ausgiebigen Schwatz mit der Wirtin (eigentlich war es die Mutter der Wirtin, die im Gasthof noch mitarbeitete). Gut geschlafen hatten wir auch, obwohl ich sagen muss, dass mich merkwürdige Träume vom Super-GAU und Evakuierungen plagten. Die Nähe des KKWs war wohl doch nicht so gut für mich, ich habe bei sowas eine zu blühende Phantasie.
Brunnen im Hof des Gästehauses
Da war ich dann öfter mal wach und dachte dann immer es regnet, aber es war wohl nur dieser Brunnen beim Gasthaus, der da so vor sich hin plätscherte. Gemein! Ich hatte mir schon Sorgen gemacht. Das Wetter war zwar nicht so toll, es war dicht bewölkt, aber kein Regen.

Gut, dann konnte es ja losgehen. Das Studium der Karte am vorigen Abend verhieß uns auf schweizer Seite jede Menge steiler Anstiege, während auf deutscher Seite der Weg weniger spektakulär, dafür aber gesitteter bei den Höhenmetern verlief. Wir würden also wieder in deutschen Landen bleiben, obwohl ein laufender Wechsel aufgrund der Strecke sowieso nicht zu vermeiden war.

Wir ließen Waldshut-Tiengen hinter uns, wobei wir uns beim Weg nicht ganz einig waren… Dann ging es über viele kleine Orte immer am Rhein und damit an der schweizer Grenze entlang. Fuhr sich relativ bequem, ein paar kleinere Anstiege waren zwar auch dabei, aber das war zu schaffen.

Gegen 11:00 Uhr kamen wir nach Hohentengen, wo wir mal wieder eine Möglichkeit nutzten, unsere Räder zu säubern, obwohl das immer nur notdürftig war. Da hing inzwischen ein Dreck in den empfindlichen Teilen, da würden wir jede Menge zu tun haben, wenn wir wieder zu Hause waren. Nebenan holten wir uns noch ein paar Bananen vom Aldi, dort waren übrigens zu 90 % Schweizer Kunden und man konnte sogar mit Schweizer Franken bezahlen. Kein Wunder, in der Schweiz haben sie ja auch exorbitante Preise, außer beim Benzin, versteht sich.

Kurz danach begann das Grenzhopping. Der Weg führte uns laufend über die Grenze. Kurz vor zwölf, wir waren gerade in der Schweiz in einem Ort namens Rafz, fing es an zu nieseln. Nicht doll, aber unangenehm. Wir fuhren erstmal weiter, nochmal über die Grenze und machten dann in Lottstetten eine Zwangspause, da es schlimmer wurde mit dem Regen und da es schon etwas kühler war als bei unseren ersten Regenschauern auf dieser Tour, war es auch unangenehmer. Wir kehrten in die einzige Lokalität ein, die um diese Zeit geöffnet hatte. Nannte sich Cafè Mozart und war offensichtlich ein Zufluchtsort für verkrachte, vornehmlich weibliche Existenzen, die sich ihre täglich Ration Alkohol dort mit dem Verkauf von Kuchen und belegten Broten verdienten. Meine Güte, wie kann man so enden? Schrecklich. Wir tranken dort einen Kaffee und waren froh, als es draußen wieder trocken wurde, dass wir weiterkonnten. Das deprimierte einen.

Hinter dem nächsten Ort auf deutscher Seite verhieß uns die Karte eine steigungsfreie Abkürzung, den direkten Weg nach Neuhausen am Rheinfall. Dieses Naturereignis hätten wir eigentlich gerne umfahren, da wir schon zweimal da waren, aber es ließ sich aufgrund diverser Wegfindungsprobleme nicht vermeiden. Denn was passiert wohl, wenn Schimmi und Ilona eine Abkürzung bzw. einen nicht ausgeschilderten Weg fahren? Genau. Brauche ich nichts weiter zu sagen…
Ankunft in Neuhausen am Rheinfall
Ok, die Strecke war wirklich ohne Steigungen, aber nachdem wir aus der Pampa wieder herausgefunden hatten, mussten wir an der Straße fahren und das war nicht so schön. Wenigstens waren wir dann aber auf dem richtigen Weg und siehe, da kam auch schon das Ortschild.

Gut, würden wir den Rheinfall eben doch mitnehmen, nicht weiter schlimm, aber wo war das Teil jetzt? Fuhren wir also erstmal immer der Nase nach, bis die Gegend der Stadt uns bekannt vorkam. Dort fragten wir eine Schweizerin mit merkwürdigen Zuckungen nach dem Radweg, den sie uns weit ausholend schilderte. Das half uns jetzt nicht wirklich.

Ok, nachdenken: Wir kannten den Weg zum Rheinfall und ich erinnerte mich schwach, dort ganz oben auf diesem Schloss damals Radwegschilder gesehen zu haben. Schimmi bestätigte das. Also mussten wir hoch auf das Schloss Laufen und sehen, ob wir von da aus weiterkommen.
Ilona am Rheinfall
Na also, da war doch der Rheinfall. Beweisfoto. Nun noch ein Stück Wandern, bergauf. Hallo Mum, erinnerst du dich? *grins*
Radweg wiedergefunden
Na also, wer sagts denn! Unser Radweg war wieder da und nun gings erstmal heftigst bergab mit 20% Gefälle, hui, das war wie Achterbahn fahren! Nun fuhren wir wieder am Rhein entlang, der Rhein vor dem Fall, sozusagen. :-) Das Grenzhopping erreichte seinen Höhepunkt: Nach Schaffhausen kurz in Deutschland in Büsingen, einer deutschen Exklave auf schweizer Territorium, danach ganz kurz wieder Schweiz, dann wieder Deutschland (Gailingen) und wieder zurück in die Schweiz. Da waren wir… schon fast am Bodensee, sozusagen.

Rätselbild
Tja, und hier fungiere ich mal als Symbolgestalt. *lol*

Stadttor in Stein am Rhein

Die Auflösung des Rätsels ist natürlich Stein am Rhein. Eine ausnehmend hübsche kleine Stadt, die wir mit Sicherheit noch mal besuchen werden. Wir besorgten uns hier erstmal Schweizer Schokolade, hatten wir doch die ganze Zeit vor lauter Radfahrerei gar nicht dran gedacht. Leider konnten wir keinen ordentlichen Vorrat mitnehmen, denn unser Kapazitäten waren ja etwas beschränkt. Schade eigentlich.

Das Schokoladekaufen dauerte seine Zeit, denn die Stadt ist von Touristen nur so überschwemmt und es war voll in den Läden.

Immerhin waren wir jetzt so gut wie am Bodensee. *trommelwirbel und tusch* Diese Nacht würden wir schon am See verbringen, wir wollten aber auf jeden Fall noch ein Stück fahren.

Wir standen da also in der Fussgängerzone rum und lasen in der Karte nach, wie wir am besten auf die Bodenseeroute kommen würden, da fragten uns zwei Radfahrer, ob wir zufällig den Weg nach Radolfzell wüssten, wir sähen so “profimässig” aus, deshalb würden sie uns fragen. *lach* Wir und Profis? Hahah! Verirrungsprofis, das traf es wohl eher.
Fussgängerzone in Stein am Rhein
Wir schwatzten noch eine Weile mit den beiden und dann fuhren wir weiter und fanden auf Anhieb den Weg nach Öhningen, wo wir eigentlich die Übernachtung geplant hatten.

Aber meistens kommt es ja anders. Auf dem Weg dahin trafen wir eine esoterisch angehauchte, das Sozialverhalten freilaufender Kühe beobachtende Frau, die uns eine Privatunterkunft einen kleinen Ort weiter empfahl. Kattenhorn heißt der Ort und ist so klein, dass er nicht mal eine eigene Webseite hat.
Haus in Kattenhorn am Bodensee
Aber die Empfehlung war ein Volltreffer: Die Familie wohnte in einem hübschen kleinen Fachwerkhaus und hatte tatsächlich ein Zimmerchen für uns frei, war sehr nett und Frühstück gab es auch. Und es lag direkt an unserem neuen Radweg:
Unser Radwegschild für den Rest der Tour
Wir nahmen das hübsche Zimmer in Besitz, duschten und machten uns dann auf den Weg zu einem ausgedehnten Spaziergang, da es noch relativ früh am Tage war und der See lockte. Und wir mussten ja auch noch eine angemessene Lokalität zum Essen finden.

Ilona am Bodensee

Wirklich herrlich hier und da es außerhalb der Saison war, auch sehr ruhig. Das Wetter war inzwischen ziemlich windig, aber sonnig und trocken, von warm konnte allerdings keine Rede mehr sein.

Aus Kattenhorn waren wir sehr schnell raus, wie gesagt, nur ein sehr kleiner Ort. Wir kamen dann nach Wangen, wo sich am Ortseingang ein Fischrestaurant befand. Leider lässt sich mein Schatz für Fisch so überhaupt nicht begeistern und das Nicht-Fisch-Angebot auf der Karte war nicht so toll, also zogen wir weiter. Schade, ich hätte schon gern mal gewusst, wie Bodenseefelchen schmecken.

Unterwegs fiel uns mit Erschrecken ein, dass wir gar nicht mehr soviel Bargeld dabeihatten. Unser Quartier mussten wir ja morgen früh auch noch bezahlen und jetzt das Essen, das reichte nicht. Wir also einen Eingeborenen nach nem Geldautomaten gefragt und die erschreckenden Auskunft erhalten, dass es entweder zwei Orte zurück in Öhningen oder zwei Orte weiter in Gaienhofen einen gibt. So ein Mist. Nö, auf die Räder wollten wir heute nicht nochmal, also schmolz die Auswahl der möglichen Restaurants auf die zusammen, die Kreditkarten akzeptieren würden.
Abendstimmung am Bodensee
Wir setzten unseren Spaziergang fort, schossen noch dieses stimmungsvolle Foto und kehrten dann in den “Adler” ein, dessen Speisekarte uns schon vorher angenehm aufgefallen war. Mit Karte zahlen konnte man auch. Essen war sehr lecker, obwohl die Kellnerin etwas unprofessionell war, aber was solls. War auch echt nicht schlimm und wir verließen das Lokal satt und zufrieden.

Auf dem Heimweg konnte ich nicht umhin und trällerte die ganze Zeit “Die Fischerin vom Bodensee” vor mich hin, obwohl ich ganz ehrlich nicht einen Tropfen Alkohol getrunken hatte. Aber das Lied ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Allerdings können mein Vater und mein Bruder den Text besser. *lach* Bezüglich der Melodie verweise ich hierhin. So, und nun alle: “Die Fischerin vom Bodensee ist eine schöne Maid juchhe…”

Um 20:30 Uhr waren wir im Bett.

Statistik
gefahrene km: 86 pegelt sich langsam ein
Übernachtung: Privatzimmer Fam. Stöhr, Kattenhorn 44 Euro f. DZ/Ü/F, Bad, WC
Essen: im Gasthof Adler, Wangen wieder sehr lecker
Wetter: teils wolkig, teils sonnig kühl, aber vor allem abends sehr schön
Stimmung: Phantastisch Wir sind bald am Bodensee!
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