Das Aufstehen an diesem Tage gestaltete sich entsprechend der etwas “unruhigen” Nacht schwierig. Schimmi versuchte netterweise gleich mal einen Kaffee für mich zu bekommen, wurde aber weggeschickt mit der Begründung, das kein Geschirr mit auf die Zimmer genommen werden darf? Häh? Wo waren wir denn hier, im Kindergarten? Fand das gar nicht nett.
Nach dem Zusammenräumen und Packen sind wir dann runter zum Frühstück und wurden dort gleich erstmal von so einer Tussi eingewiesen, dass wir gleich nach dem Frühstück dann doch bei ihr zu bezahlen hätten. He, warum nicht gleich noch vor dem Frühstück? Wir saßen noch nicht mal, da zeigt die einem schon den Raffzahn. Unmöglich! Besserte meine Laune auch nicht wirklich, zumal sie es mit allen anderen Gästen, die nach uns kamen, genauso machte.
Zudem gab es nur eine Sorte Brötchen (nur diese Schlaffi-Weichei-Weißmehl-Dinger) und der Kaffee war auch nur lauwarm. Wir fühlten uns echt unwillkommen und machten, dass wir die Sache zu schnell als möglich beendeten, um wieder auf die Räder zu kommen. Für 65 Euro hatten wir ehrlich gesagt mehr erwartet, zumindest kann man ja wohl freundlich behandelt werden, oder?
Was solls. Um 9:30 Uhr saßen wir wieder auf den Rädern, der Weg war schnell wiedergefunden und wir fuhren jetzt an Weinbergen vorbei und durch Obstplantagen. Ich als Apfel-Fan konnte da gaaaaanz schlecht wiederstehen und pflückte mal eben unser zweites Frühstück. 
Bei den Trauben hier konnten wir aber gerade so noch widerstehen. Ohne gründliches Abwaschen würde ich die nicht essen, wer weiß, womit die behandelt werden, damit die so makellos aussehen. Die Äpfel nicht, ganz sicher, da war schon der eine oder andere Wurm drin, aber lecker waren sie trotzdem. Die Äpfel. Wie die Würmer schmecken, weiß ich nicht. SO ausgehungert waren wir nun auch wieder nicht. Beim Äpfelklauen und Weintrauben-Knipsen überholten uns übrigens unsere Bekannten von gestern. Da sie nicht anhielten, wollten sie wohl nicht weiter mit uns fahren, obwohl wir schon noch ein Weilchen denselben Weg hatten.
Das Wetter war heute eher Durchschnitt, bewölkt, relativ kühl. Ein Tag für die langen Radlerhosen, wie ihr oben seht. Im Hotel dachten wir noch, dass es regnet, aber es war nur der Brunnen davor, der die ganze Zeit plätscherte.
Der Plan heute war, bis nach Bad Friedrichshall zu kommen, wo Schimmis Bruder mit seiner Frau wohnen. Die beiden waren zwar irgendwo im Süden in Urlaub, hatten aber die Schlüssel zu ihrem Haus bei der Nachbarin hinterlegt, damit wir eine Nacht dort schlafen konnten. Heute also kein Hotel, spart Geld und wir brauchten nicht groß rumsuchen. Dachten wir…
Nach einer Weile, als wir uns gerade darüber unterhielten, dass wir mit 25 km/h mal wieder viel zu zügig für die schöne Landschaft unterwegs waren, erledigte sich das Thema Tempo von selbst. Es tauchte nämlich eine exorbitant heftige Steigung vor uns auf, mit der wir nicht gerechnet hatten. Wir kämpften und kämpften, aber es nahm kein Ende und ich stieg ab und schob. Es war einfach zu früh für sowas Anstrengendes. Wir mussten tatsächlich bis ganz nach oben auf die Weinberge und da war schon das Schieben heftig genug. Berge sind einfach nicht mein Ding, in solchen Situationen frage ich mich immer, wieso ich ausgerechnet in selbige gezogen bin. Flachland und Küste sind doch viel bequemer. Schimmi geht mit sowas ganz anders um, ihn strengt die Bergfahrerei scheinbar auch nicht so an. Ist schon merkwürdig…
Natürlich war die Aussicht von oben ganz nett und das Runterfahren auch, aber ich wäre lieber gleich untengeblieben.
Das mit dem Runterfahren ging so flott, dass wir dabei nicht bemerkten, dass wir auf dem falschen Weg waren. Kurz vor Besigheim zweigt nämlich ein Radweg entlang der Enz ab, der uns getreulich nach Bietigheim-Bissingen führte. Wir machten uns keine Gedanken, denn rechts von uns war der Fluss, den wir für den Neckar hielten. Beim Nachschauen auf der Karte wunderten wir uns zwar, weil wir nicht durch Besigheim durchgefahren waren, obwohl der Radweg dort entlang führte, aber wir fuhren erstmal arglos achselzuckend weiter.
Dabei kamen wir mitten in der Pampa an diesen Bahnübergang, wo uns sofort wieder unser Anhänger in den Sinn kam. Wieder so eine Stelle zum Ausladen und Rübertragen. Unmöglich, da durchzufahren.
Die Stadt Bietigheim begrüßte uns mit einer blumengeschmückten Brücke, neben der ein recht ungewöhnlich gestalteter Springbrunnen aus der Enz (die wir hier immer noch für den Neckar hielten) sprudelte. Diese mannshohen Büsche mit den Blumen, hinter dem Schimmi gerade so neckisch hervorlugt, waren über die ganz Brücke verteilt und es sah wirklich schmuck aus.
Wir also rein in die Stadt, da wir ein paar Einkäufe zu erledigen hatten. Erstmal noch so ein Hightec-Faser-T-Shirt für mich, da eins einfach zu wenig ist. Und eine Luftpumpe. Wie es nämlich immer so ist: Hat man so ein Teil dabei, braucht man es nicht. Nur zur Vorbeugung. Unsere hatten wir nämlich vergessen, genau wie wir das ganze Werkzeug zu Hause gelassen hatten, außer Flickzeug natürlich, deshalb brauchen wir auch die Luftpumpe. Für die, die jetzt meinen, das klingt jetzt aber völlig unlogisch, sei gesagt: Das klingt nicht nur so. *lol* Aberglaube ist nun mal nicht logisch.
Dann erstanden wir im Kaufland noch ein paar Bananen als Wegzehrung, sowie etwas Milch für Schimmi und Trinkjoghurt für mich. Damit wir das nicht gleich alles wieder verspachteln mussten, nahmen wir noch einen leckeren Imbiss in der Bäckerei Kamp mit außerordentlich freundlichen Verkäuferinnen (hätte ich gerne verlinkt, leider haben die keine eigene HP).
Nun wollten wir wieder weiter, merkten aber sehr schnell, dass “unser” Radweg-Schild (s. obiges Bild) nicht auffindbar war, worauf wir vorher gar nicht so geachtet hatten. Nur halt beim Aus-der-Stadt-wieder-Hinausfinden brauchten wir es. Wir fuhren ein paar Mal dümmlich im Kreis herum, ein auf der Bank sitzender Penner beobachtete uns entzückt. Sodann wurden wieder diverse Passanten befragt und unser Irrtum klärte sich auf und bald waren wir auf dem Rückweg. Nochmal über den engen Bahnübergang und wir waren wieder in Besigheim. Dort sahen wir auch gleich das richtige Schild, nach dem wir hätten fahren müssen, aber da ging es halt etwas bergauf. Also haben wir uns vermutlich etwas vorschnell für die bequemere Variante bergab entschlossen. Ok, das ganze kostete uns zwar ne Menge Zeit und etwa 12 umsonst gefahrene Kilometer, aber es war ja auch ganz nett. Wir haben schließlich Urlaub.
Das Wetter wurde nun langsam ungemütlich, der Himmel immer dunkler und kurz vor Lauffen erwischte uns der erste heftige Regenschauer in diesem Urlaub. Wir waren pudelnass, aber sowas von. Wir fuhren ungerührt weiter, obwohl wir uns im Ort wieder mal leicht verirrten. Diesmal schafften wir es aber mit der Karte, wieder hinauszufinden. Trotz Regen. Wäre ja gelacht, wenn wir uns von sowas aufhalten lassen würden.
Der Schauer war rasch vorüber, dafür begann jetzt wieder eine Steigung. Wieder hoch in die Weinberge. Dieses Mal war es nicht so schlimm für mich. Vielleicht fahre ich nachmittags leichter bergauf oder es war nicht ganz so steil, keine Ahnung, jedenfalls musste ich nicht absteigen. Oben wurden wir überrascht von einer Birnenplantage mit sagenhaft süßen gelben Birnen. Mjamm! Gleich mal ein paar davon eingepackt und weiter.
Der Radweg war jetzt wieder klasse ausgeschildert, aber irgendwie kam es uns vor, als führte man uns im Kreis herum, kreuz und quer durch die Weinplantagen, damit wir ja auch jeden einzelnen Weinstock zu Gesicht bekamen. Irgendwann war es dann auch genug und es ging wieder bergab. Schöööön! 
Da war dann auch der Neckar wieder und von jetzt an würden wir den Rest des Tages dicht an ihm entlang fahren. Dem deutschen Schilderwald entnahmen wir dabei wieder dieses Prachtstück:
*lol* Was soll man davon halten? Uns jedenfalls ist kein Segelboot in die Quere gekommen, obwohl wir selbigem ganz sicher die Vorfahrt gewährt hätten. Schilder gibt es, da kann man sich manchmal echt kaputtlachen. In Frankreich später wird es noch lustiger…
Heilbronn näherte sich, kam und ging. Diesmal gab es kein Falschfahren, da wir die Stadt ignorierten und streng auf dem Radweg immer am Neckar entlang fuhren. So gehts natürlich auch, ist aber bei den meisten Städten nicht möglich, die diese schon bemüht sind, die Radler möglichst alle durchs Zentrum zu leiten. Schließlich sollen sie ja auch ein bisschen Umsatz machen. Versteht man ja.
Gegenüber von Neckarsulm (da war irgendso ein Kraftwerk) legten wir noch eine kleine Pause ein (Rücken mit Voltaren einschmieren, Bananen essen und Schiffen beim Vorbeifahren zugucken), um uns dann in den Endspurt zu begeben. Sehr schnell war dann auch Bad Friedrichshall erreicht, wo wir die Nacht im Haus von Uwe und Ute zu verbringen gedachten.
Tja, aber wie finden wir nun das Haus der beiden??? Bis dahin hatten wir sie immer nur mit dem Auto besucht und kannten lediglich den Weg von der Autobahnabfahrt an. Wie immer irrten wir eine Weile herum und befragten Leute, bis wir dann endlich am Ziel waren. Beweisfoto:
Man kann also auch Verwandte, die 169 Autokilometer weit weg wohnen, mit dem Fahrrad besuchen. Und sogar Spaß dabei haben. 
Wir nisteten uns also ein, ich brachte gleich erstmal die Waschmaschine in die Gänge (so eine Gelegenheit muss man ja nutzen), wir duschten und gingen dann in den nahe gelegenen Minimal-Markt, um die Zutaten für eine Nudelpfanne zu kaufen, die Schimmi dann auch gleich ansetzte, während ich mich um die Wäsche kümmerte, Utes Süßigkeiten-Vorräte “checkte” und mich dann mit einem Kaffee auf die Terrasse setzte. Das Wetter war nämlich inzwischen wieder richtig nett sommerlich geworden.
Nach dem Essen machte ich uns noch eine Kanne Tee, aber lange hielten wir nicht mehr durch und verzogen uns in die Betten. Diesmal war es eine schöne ruhige, erholsame Nacht…
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 77 | nicht ganz soviel, war aber wg. Übernachtung |
| Übernachtung: | bei Uwe und Ute | Schimmis Bruder + Frau, leider waren sie auch in Urlaub |
| Essen: | Schimmis Nudelpfanne | immer wieder ein Genuss! |
| Wetter: | bewölkt, warm | ein heftiger Regenguss mittags |
| Stimmung: | Bestens | immer noch topfit |