Heute präsentierte sich uns ein fast wolkenloser Himmel. Oha, das konnte ja was werden, fuhren wir doch immer weiter südlich, dem Meer entgegen und es würde immer wärmer werden. Wir hätten nie gedacht, dass wir dieses Jahr nochmal so ein Sommerfeeling bekommen würden. Wir hatten die Tour aufgrund der Wettererfahrungen in Deutschland zwar extra so gewählt, man erinnere sich: die Alternative war der Rhein bis Rotterdam und dann an der Nordsee entlang. Das haben andere (Link entfernt, da Webseite nicht mehr vorhanden) gemacht und haben mehr als genug Regen abbekommen, die Ärmsten. Dafür sind wir jetzt fast dort unterwegs, wo sie wohnen und haben das allerbeste Wetter. Aber ich schweife ab.
Nachdem Frühstück checkten wir aus und schwangen uns wieder auf die Drahtesel. Ein Stück war es ja schon noch bis zum Meer… Heute ging es wieder streng nach Reiseführer, die Etappen 64, 65 und 66 sollten uns nach Aix-en-Provence bringen. Zunächst ging es auf der D943 in Richtung Apt. Und da ging es, man glaubt es kaum, erstmal wieder bergauf. Aber nicht schlimm eigentlich, ich fahre halt nur nicht gern gleich nach dem Losfahren Anstiege. Und schon gar nicht, wenn das nicht abgesprochen war, weil nicht in der Karte eingezeichnet. Das muss doch nicht sein. 
Aber das war recht schnell vorbei, wir waren bis auf knapp über 800 Meter geklettert, die Straße wurde immer ruhiger, kam einem fast vor wie ein Radweg und die Gegend war wieder der absolute Knaller! Und es ging bergab und zwar sehr schön. Das finde ich ja am besten, denn beim Bergabfahren kann man sich wenigstens auf die Landschaft konzentrieren und muss keine Striche zählen.
Und das hier war wieder richtig klasse, tiefe Täler und wilde, zerklüftete Felsen und eine himmlische Ruhe, man hörte die Vögel zwitschern und die Morgensonne strahlte vom Himmel. Hach, ganz herrlich! So konnte man das nur mit dem Fahrrad erleben. Wenn man hier mit dem Auto durchrauscht, kriegt man nichts mit…
Als wir weiter unten waren, bogen wir auf die D60 in Richtung Lioux ab. In der Nähe des Ortes kamen wir an dieser interessanten Felswand (heißen wohl Falaise de la Madeleine) vorbei, die wie aus dem Nichts senkrecht aufragte, als ob das Land davor einfach abgesunken ist. Vögel nisteten wohl darin, jedenfalls flogen da Massen von Vogelschwärmen oben rum wie an der Steilküste am Meer. Sah cool aus und wir fuhren eine Weile daran entlang.
Dann durch Lioux durch und weiter bis zur D4, immer noch bergab. Wie man sieht, kann man mir mit Abwärtsfahren durchaus Freude bereiten, aber wie das immer so ist, freut man sich zu früh, denn wenn es runter geht, muss man irgendwann wieder hoch. Das Ganze wurde uns jedoch versüsst mit wunderbaren süßen Weintrauben, die rechts und links des Weges wuchsen und zwar in rot, rosè und weiß, wir hatten die Wahl und sie schmeckten alle. Warum kriegt man sowas nicht im Supermarkt?
Ok, den Wein dieser Gegend hatten wir gekostet, nun noch schnell an der Sehenswürdigkeit vorbei, den Ockerfelsen von Roussillon. Die Fahrt in die Stadt artete wieder mal in Arbeit aus, eine Steigung mit zwei Pfeilen, dafür aber nicht so lang. Dort waren ein Haufen Touristen unterwegs wegen dieser Felsen, die wir uns aber nur aus der Ferne angeschaut haben. Im Ort setzten wir uns erstmal auf eine Bank im Schatten und schmierten uns gründlich mit Sonnencreme ein. Dann befragten wir eine Frau, wie wir von hier aus weiterkommen in Richtung Bonnieux. Sie erklärte uns das ganz gut, obwohl es gar nicht so einfach war, aber dann war es auch ausgeschildert. Wieder ging es zwischen Weinplantagen durch und irgendwann würden wir uns den Magen verderben, wenn wir da so weiter machten. Nun gut, die französischen Weinbauern würden durch uns schon nicht ruiniert werden, wobei Schimmi mehr Hemmungen beim Weinklau hatte als ich, besonders wenn gerade jemand vorbeikam. Aber es interessierte eh keinen.
Dann ging es noch mal kräftig bergauf und so langsam merkte ich wieder die Erschöpfung, die doch irgendwie in meinen Knochen steckte. Es war sehr mühsam für mich, während Schimmi immer noch fast von allein da rauf fuhr. Ok, ich fuhr es auch und ich schaffte es auch immer, aber ich merkte, dass ich bald am Ende meiner Kraft war und ne Pause brauchte. Und zwar nicht nur eine von 10 Minuten, sondern einen ganzen Tag oder zwei. Und was sagte Schimmi zu diesem Ansinnen? Das wir doch gestern gut Pause gehabt hatten, denn schließlich waren wir zwei Tage in Sault. Ähem… ja. Sicher. Der Tag, an dem wir einen 1900 Meter hohen Berg hochgefahren sind, bezeichnete der Kerl als Pausentag. Ich war einigermaßen sprachlos. Gut, das sollte vielleicht nur ein Witz sein, aber Tatsache war nun mal, dass mich das ganze sehr anstrengte und dann auch keinen richtigen Spaß mehr machte. Wir würden ja sehen.
Erstmal waren wir in Bonnieux angekommen und dort erwartete uns wieder die Belohnung für den Aufstieg. Das Cafè an dieser schönen Aussicht nutzten wir gleich für ein längeres Mittagspäuschen. Dieses malerische Dörfchen ist praktisch an einen Hang “geklebt”, so dass man innerhalb des Ortes einige Höhenmeter zurückzulegen hat. Was wir uns aber verkniffen haben, denn wir saßen ja gemütlich im Cafè und genossen die Aussicht. Und es gelang uns sogar, dem Wirt, der eigentlich schon schließen wollte (heiliges Mittagspäusle auch in Frankreich), noch einen Kaffee aus dem Kreuz zu leiern. Dazu gab es mitgebrachte Kekse und die unvermeidlichen Marsriegel.
Dann wurden natürlich jede Menge Fotos gemacht, das letzte hier mit mir ist schon nach der Ortsausfahrt an so einem typischen Touristen-Fotografierpunkt. Das merkten wir daran, dass da noch mehr Leute am Knipsen waren. Man beachte auch den blauen Himmel.
Dann ging es wieder runter. Und wieder war es eine wunderschöne Abfahrt durch eine Schlucht, deren Hänge mit Kiefernwäldern bewachsen waren und die Straße schlängelte sich in engen Windungen nach unten. Und während wir so gemütlich nach unten rollten, kam uns ein Reiseradlerpärchen bergaufstrampelnd entgegen, aber die waren ja sowas von bepackt und dann an dem Berg und bei der Hitze! Wahnsinn! Die Frau fuhr glatt vorbei, grüßte nur kurz und war um die Kurve verschwunden. Der Mann hielt kurz, machte ein Foto und Schimmi versuchte ein Gespräch anzufangen, aber sie hatten es wohl eilig, weil sie noch einiges schaffen wollten. Er meinte, sie machen zum ersten Mal Fahrradurlaub. Na, dafür hatten sie sich aber ganz schön was vorgenommen.
Wir rollten weiter nach unten und hatten mit der Einfahrt nach Lourmarin die zweite Etappe des heutigen Tages geschafft. Nun waren es noch knapp 40 km bis Aix-en-Provence. Zunächst fuhren wir auf der D943 in Richtung Cadenet, wo es etwas hügelig zu fahren war. Auf einer kurzen Durchsage auf der Quasselbox verkündete ich, dass wir momentan 34 Grad hatten und das merkten wir auch. Und offensichtlich war es auch die Hitze, die mir die Erinnerungen an die weitere Fahrt nach Aix aus dem Kopf hat schwitzen lassen, dann ich weiß nur noch, dass wir hinter Cadenet über so eine große Brücke über die Durance gefahren sind und dann an so einem See entlang.
Und dann ging es laufend wieder bergauf und bergab und Schimmi sagte bei jeder Abfahrt: “So, das war es für heute, jetzt geht es nur noch runter.” Genau. Und zwar so lange, bis es wieder rauf ging. Meine Güte, wir schwitzten ganz schön heftig. Ich fand vor allem die Nachmittagssonne immer am schlimmsten, so zwischen 14 und 16 Uhr tat das teilweise richtig weh auf der Haut. Nun gut, wir waren in der Provence, im Süden, das Mittelmeer war nicht mehr weit, da war das völlig normal. Ich fragte mich nur manchmal, was hier im Sommer für Temperaturen herrschen mussten…
Die D543 führte uns schließlich bergauf und bergab bis nach Aix und hier folgten wir zunächst wieder der Ausschilderung zum Stadtzentrum und es dauerte eine ganze Weile, bis wir dieses erreicht hatten. Ein völlig verrückte Stadt! Die Autos fuhren wie sie wollten, die Leute liefen wie sie wollten, alles kunterbunt und laut durcheinander und wir mittendrin. Irgendwann sahen wir ein Hotel und Schimmi ging rein, um zu fragen, aber da war alles voll. Ich sah dann irgendwann den Wegweiser zum Office de Tourisme und dazu mussten wir durch einen großen Kreisverkehr mit einem Brunnen in der Mitte, das reinste Chaos. Schimmi ging rein und ich wachte draußen mit Argusaugen über unsere Räder. Bei dem Trubel wusste man nicht…
Vor dem Gebäude saß ein Bettler, der in ewig demselben Singsang die Leute um Geld anflehte, aber relativ erfolglos. Und so beobachte ich das bunte Treiben, bis Schimmi wieder rauskam. Es sah nicht gut aus, da war kaum was frei, aber das kannten wir ja schon in großen Städten. Eine Empfehlung hatte er bekommen und den Stadtplan dazu und wir machten uns auf den Weg. Nach einer Weile hatten wir das Hotel du Globe gefunden, es war auch gar nicht so weit vom Stadtzentrum weg und sah von außen ganz ordentlich aus, zwei Sterne hatte es auch. Und es war auch noch ein Zimmer frei, wieder ein Dreibettzimmer und damit etwas teurer, aber mit 89 Euro waren wir dabei, dazu kamen noch mal je 8 Euro fürs Frühstück. Fahrräder konnten in die hoteleigene Garage und so zogen wir ein.
Das Zimmer war sehr schön, wir waren zufrieden und die Besonderheit: Es handelte sich um ein reines Nichtraucherhotel. Das fanden wir sehr löblich! Wir spulten unser Programm ab und begaben uns dann frisch geduscht in die City. Wir hatten noch ein bisschen Zeit bis zum Abendbrot, die wir damit verbrachten, durch die Fussgängerzone zu bummeln, Sonnencreme zu kaufen und am Markt in einem Cafè herumzusitzen, Bier und Kaffee zu trinken und die Leute zu beobachten. Sehr erholsam, Urlaubsfeeling.
In diesem Cafè habe ich mir mal erlaubt, die Preistafel zu fotografieren. Das waren schon teilweise exorbitante Preise, die die hier haben wollten. Ich meine, zwei Euro für eine Kugel Eis finde ich nun wirklich übertrieben! Und 3,10 Euro für einen Viertelliter Mineralwasser, du liebe Güte! Aber das war hier so üblich und unten an der Côte d`Azur sollte das so bleiben und teilweise noch schlimmer werden. Aber uns war es egal, wir hatten Urlaub und mussten schließlich nicht hier leben. Irgendwann, es dämmerte schon, zahlten wir dann und machten uns auf. Heute wollten wir nämlich in einem Etablissement essen, in dem wir genau wussten, was wir bekamen und das, ohne die Speisekarte mühsam übersetzen zu müssen. Nein, nicht MacDoof, sondern heute gab es zwei fette Sandwiches beim Subway. Essen wir eigentlich immer, bevor wir ins Kino gehen. 
Damit waren wir auch satt und ich wollte ins Bett, ich war völlig geschafft, vom Fahren und von der Hitze. Schimmi nicht so, aber als wir erstmal im Bett lagen, war er eher eingeschlafen als ich. 
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 97,4 in 5 h 42 min Fahrzeit | 843 Höhenmeter |
| Übernachtung: | Hotel du Globe in Aix-en-Provence | gutes Hotel, schöne moderne Zimmer, wir waren sehr zufrieden |
| Essen: | Sandwiches beim Subway | Da weiß man, was man hat… |
| Wetter: | Sonne, Sonne, Sonne | Sommerlich heiß |
| Stimmung: | Wunderbar, aber ich bin etwas erschöpft | Sollten wir mal Pause machen? |