Hach, war das herrlich, am nächsten Morgen mal nicht vom Handy geweckt zu werden! Und hell war es auch schon, allerdings war das Licht im Hotelzimmer so, dass man meinen konnte, draußen sei es bewölkt. War es aber nicht, im Gegenteil. Unser Zimmer lag nicht zum Meer, sondern zur Seite und Schimmi machte ein Foto auf dem Fenster und so konnte ich mich noch im Liegen davon überzeugen, dass erstens das Meer noch da war und zweitens herrliches wolkenloses Urlaubs- und Strandwetter herrschte. Genial!
Erstmal bekam ich aber einen Kaffee gekocht und ans Bett gebracht, wofür so ein Campingkocher alles gut ist. Ok, das sollte man eigentlich in geschlossenen Räumen nicht tun, aber wir hatten ja das Fenster weit auf.
Das hatten wir übrigens die ganze Nacht und es war herrlich, bei Meeresrauschen einzuschlafen.
Schließlich machten wir uns auf zum Frühstück und auch das war hier im Hotel ganz nett. Es gab eine Art verglaste Diele, wo die Tische standen und so konnte man beim Frühstücken nach draußen direkt aufs Meer gucken. Zu essen gab es, was es überall gab: Baguettebrot, soviel man wollte, jeder ein Croissant (wurde zugeteilt), getoastete Baguettehälften, süßes Weißbrot, Kuchen, Marmelade, Bienenhonig, Joghurt, Pudding, Apfelkompott und zwei Sorten Cornflakes, auch süß. Positive Ausnahme: Eine Schüssel mit frischem Obst.
Zu uns gesellte sich bald ein weiteres deutsches Pärchen, mit denen wir schnell ins Gespräch kamen. Sie waren nach Nizza geflogen und nun mit dem Mietwagen unterwegs und waren auch schon ganz gut herumgekommen. Sie hatten auch gestern vergeblich versucht, in Cassis ein Zimmer zu bekommen, wollten heute aber nochmal da hin, um die großen Klippen dort zu bewandern, das sollte wohl sehr schön sein. Wir schwatzten noch eine Weile und beendeten dann das Frühstück.
Als erstes wollten wir uns heute um die Organisation unserer Heimfahrt kümmern. Wir fanden unsere Idee genial, uns ein Auto zu mieten und mit selbigem nach Hause zu fahren. Wir wollten uns heute kundig machen, ob das geht und was das kosten würde. Natürlich müsste es ein Auto sein, in das wir auch die Räder hineinbekommen. Wir bekamen von unserer (wirklich sehr netten) Hotelmutti die Karte einer Autovermietung und den Weg erklärt und dann zogen wir los. Es war ganz schön weit, aber wir fanden es, nur um von einer äußerst schnippischen Tussi gesagt zu kriegen, dass sie nur Autos für hier in der Umgebung vermietet. Auf unsere Frage, wo denn eine andere Autovermietung sei, zeigte sie uns widerwillig auf der Karte, wo wir hin sollten. Wir fragten uns wirklich, warum die Autovermietungen so weit weg von den Touristen waren. Diese Büros gehören doch in Strandnähe!
Wir ließen sie in ihrem Container sitzen und machten uns erneut auf den Weg. Es war nochmal ganz schön weit, aber wir fanden es. Eine Europcar-Autovermietung in einem Ibis-Hotel am Stadtrand. Der junge Mann versuchte es wenigstens, hatte aber keinen Erfolg. Es gab kein Auto nach Deutschland, das war wohl die Schwierigkeit dabei. Irgendwann später haben wir uns schön blöd geschimpft, weil wir ja hätten sagen können, wir wollen bis nach Strasbourg. Von dort über die Brücke nach Kehl und dann mit dem Zug nach Hause. Ist uns aber zu spät eingefallen. Also wieder zurück und inzwischen ging uns die Herumlatscherei ganz schön auf den Keks, zumal es auch ziemlich warm war. Dazu kam, dass Schimmi ohne Strümpfe in nicht eingelaufenen Schuhen unterwegs war und das fing an, zu scheuern und weh zu tun.
Gut, dann also doch mit Zug. Zu diesem Behufe hatte man uns ein Reisebüro empfohlen, die buchen sowas und da spricht auch mindestens einer englisch. Drei Stück gab es, drei klapperten wir ab, drei waren geschlossen, denn inzwischen war nämlich Mittag. Ok, das mussten wir dann auf nachmittags verschieben, jetzt sollte es aber an den Strand gehen. Wieder ca. 2 Kilometer von der Innenstadt zurück zum Hotel laufen (läuft sich ja schön an der Strandpromenade die ganze Zeit am Meer entlang), unterwegs noch zwei Strandmatten und Postkarten für die Daheimgebliebenen erstanden, dann umziehen, Handtücher schnappen und dann endlich in die Sonne! Schimmi hatte übrigens beim Schuhe ausziehen an jedem kleinen Zeh je eine riesige Blutblase freigelegt. Kein Wunder, dass das weh tat, sowas hatte ich noch nie gesehen, vor allem in so kurzer Zeit. Der Arme!
Wir hatten unterwegs schon gemerkt, dass der Wind merklich aufgefrischt war und so gab es richtig hohe Wellen. Wir machten uns erstmal am Strand bequem, schmierten uns mit Sonnencreme ein und wurden mit Sand zugeweht und hübsch paniert. Aufgrund des Windes und der sehr hohen Wellen war kaum jemand im Wasser. Schimmi ging zweimal kurz rein, aber mir war aus gewissen gesundheitstechnischen Gründen nicht so nach baden. Es war herrlich, nach so langer Zeit mal wieder an einem Strand zu liegen, das Rauschen der Wellen zu hören und aufs Wasser zu schauen! Aber nach zwei Stunden machte unsere eh schon sonnengeplagte Haut nicht mehr mit und wir mussten das Feld räumen. Die Sonne war intensiver als bei uns im Hochsommer, aber ich war trotzdem verwundert, dass ich da auf einmal so empfindlich war. Früher hat mich sowas kaum gestört, da habe ich es stundenlang ausgehalten. Komisch.
Also zurück ins Hotel, duschen und dann habe ich schnell noch die Karten geschrieben. Briefmarken hatten wir keine bekommen, aber unsere Hotelmutti verkaufte uns netterweise von ihren privaten welche und so konnten wir die Karten gleich einwerfen, als wir uns auf den Weg zurück in Altstadt machten.
Wir gingen ins erste Reisebüro, fanden sogar jemanden, der deutsch konnte, nur leider konnte uns die gute Frau nicht helfen, weil sie keine Bahnfahrkarten verkaufte. Im zweiten Reisebüro dasselbe. Wir wurden langsam etwas säuerlich, suchten aber auch noch das dritte Reisebüro, das gleich schräg gegenüber lag auf. Dort sprach jemand englisch und ja, die machten auch Buchungen für die Bahn. Uffz. Na endlich! Wir taten unseren Wunsch kund und die Dame strapazierten ihren Computer eine ganze Zeit. Wir mussten nun auch sagen, wann wir fahren wollten und einigten uns nach kurzem Überlegen auf Montag. Da hätten wir wenigstens noch ein paar Tage hier und was sollten wir auch jetzt schon zu Hause in der Kälte.
Irgendwann meinte sie, dass wir wahrscheinlich über Paris fahren müssten und dort dummerweise auch noch mitten durch die Stadt von einem Bahnhof zum anderen fahren sollten. Nee, also das musste ja nun nicht…
Sie suchte weiter und sagte, dass Schwierigste wäre wohl die Fahrradmitnahme, es gäbe so wenig Züge, wo das garantiert sei. Dann hatte sie eine Verbindung für Montag abend. Erst nach Marseille und von dort mit dem Nachtzug nach Strasbourg und dann nach Stuttgart. Das ganze sollte ca. 300 Euro kosten, sie wollte dann noch bei der französischen Bahn anrufen, um sich die Fahrradmitnahme bestätigen zu lassen, landete aber in genau so einer Warteschleife wie beim entsprechenden deutschen Unternehmen.
Nochmal und nochmal versuchen und dann meinte sie, es wäre nett, wenn wir morgen früh nochmal vorbeikommen könnten, bis dahin hätte sie es geklärt und wir könnten die Fahrkarten dann auch gleich bei ihr bekommen. Gut, das war ok. Wir waren es zufrieden und gingen noch ein bisschen in der Fussgängerzone bummeln. Jetzt hatten alle Läden auf und es war ganz schön Trubel. Wir kauften uns beim Bäcker was zu knabbern, weil wir es wieder mal bis zum Abendessen nicht aushalten konnten. Wir liefen dann nochmal in die andere Richtung der Strandpromenade, der Ort zog sich wirklich endlos weit hin, ich glaube, wir waren, ohne es zu bemerken, im nächsten Ort angelangt, der St. Jean hieß. Auch hier gabe es Hotels, aber der Strand war steinig bzw. felsig.
Als wir zurückgingen, dämmerte es schon leicht und wir beschlossen, heute im hoteleigenen Restaurant zu speisen. Das war auch ganz ok, wir hatten jeder ein Menü mit Salat, Hauptgericht und Dessert. Schimmi hatte eine Art Steak, was noch ziemlich roh war und ich hatte Hühnerbrust mit Zitronensoße und Reis, das hat richtig gut geschmeckt. Schimmi war einigermaßen fassungslos wegen der Preise für ein Bier (5 Euro sind ja nicht gerade wenig), trank aber trotzdem zwei, schließlich haben wir Urlaub. 
So war schließlich der erste Tag vorbei, an dem wir keinen Meter mit dem Fahrrad gefahren sind, dafür aber jede Menge gelaufen. Wir freuten uns, dass wir nun noch ein paar Tage hier Zeit hatten und würden morgen gleich mal das Umland erkunden gehen. Wir hatten da hinter dem Hafen ganz schön hohe Felsen gesehen…