Der Tag begann wie der gestrige, schön ruhig und nicht zu früh.
Da die Gaspatrone des Campingkochers scheinbar unendlich zu halten schien (eigentlich hatte Schimmi schon am zweiten Tag gemeint, wir würden bald eine neue brauchen), kriegte ich wieder einen Kaffee ans Bett, bevor wir zum Frühstück nach unten gingen.
Wir hatten ja da westlich von La Ciotat hinter dem Hafen diese Felsen gesehen, auf die hatten wir es heute abgesehen. Unsere Tischnachbarn erzählten von ihrem gestrigen Besuch auf den Felsen von Cassis, das war wohl recht eindrucksvoll gewesen und wir würden uns überlegen, ob wir da auch noch hinfahren wollten. Erstmal mussten wir jedoch noch mal ins Reisebüro in die Innenstadt, um zu schauen, ob die nette Frau bei der französischen Bahn was ausrichten konnte.
Konnte sie nicht und sie bat uns, am Nachmittag nochmal vorbeizukommen. Hm. Irgendwie konnten wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass sie sich überhaupt gar nicht mehr drum gekümmert hatte und es ihr erst bei unserem Erscheinen wieder einfiel: “Ach ja, ich wollte doch noch….” Nun gut, wir hatten ja Urlaub und viel Zeit und wir mussten nachmittags auf dem Rückweg eh wieder hier vorbei, was sollte es also.
Jetzt stand ich vor der schwierigen Aufgabe, mir in einer französischen Apotheke bei einer nur französisch sprechenden Apothekerin ein Mittel gegen diesen Pilz zu besorgen, den ich mir eingefangen hatte, denn die Sache war immer noch unangenehm. Schimmi flachste draußen noch rum und meinte, ich solle einfach “Champignon” sagen und auf die betroffene Stelle zeigen. Hah hah! Sehr witzig. Ich löste das ganze mit dem Wörterbuch und musste überrascht erfahren, dass es wirklich Champignon hieß. Woraufhin ich mir ein Lachen nur ganz schwer verkneifen konnte. Jedenfalls bekam ich, was ich wollte und in zwei Tagen würde das Problem aus der Welt sein. Auf jeden Fall werden ich diesbezüglich bei der nächsten Tour vorsorgen. Alle möglichen Medikamente hatten wir mit, aber an sowas denkt ja kein Mensch!
Wir machten erst noch einen Spaziergang durch den Hafen, vorbei am Jachtclub, wo heute schon mehr los war, man merkte, dass die Leute sich auf das Wochenende vorbereiteten und ihre Schiffchen zur Wochenendausfahrt putzten. Hach, so ein Teil würde ich auch gerne mein eigen nennen…. Dann mussten wir ein Stückchen durch das Hafenhintergelände, wo es so gar nicht paradiesisch und urlaubsortsgerecht aussah, aber bald waren wir auf einem Weg, der an der Küste entlang wieder in die Natur führte. Zuerst kam eine kleine Bucht, wo die Einheimischen badeten (so erschien es uns jedenfalls) und dann begann der Parc du Mugel.
Dafür gab es einen offiziellen Eingang, der Weg führte aber auch draußen entlang und so blieben wir erstmal dort, in den Park konnten wir immer noch. Es war zwar eine Art Wanderpfad, aber teilweise musste man ganz schön aufpassen, wo man hintrat.
Andere suchten sich da gleich mal viel schwierige Strecken aus, wie man auf dem Bild sieht. Die beiden Kletterer haben wir eine Zeitlang beobachtet und bewundert. Das würde ich mir mit Sicherheit nicht zutrauen. Wow! Aber bei uns ging es auch höher und höher und wenn man jetzt an einen Punkt kam, wo man nach unten gucken konnte, da ging es schon ganz schön hinab und vor allem steil. Aber immer wieder war die Aussicht einfach nur bewundernswert. Wir sahen die kleine Insel vor der Küste L’ile verte, wie sie hieß. Dort konnte man auch mit dem Schiff hin und einen Spaziergang machen.
Wir kraxelten da herum und es gab die eine oder andere kleine Mutprobe für mich, meine Höhenangst zu überwinden. Wir bereuten es inzwischen schon, kurze Hosen angezogen zu haben, da wir teils durch stachliges Gestrüpp kriechen mussten. Na gut, wir mussten ja nicht, aber wir waren halt neugierig. Ziemlich weit oben befand sich eine verlassene Villa, wunderschön gelegen mit riesigem Garten, Balkonen und Terrasse, aber keiner wohnte da. War es den Leuten zu einsam hier oben? Wir hatten auch keine direkte Straße hierher gesehen, aber fahren konnte man bestimmt irgendwie. Wir schauten uns da ein bisschen um, kletterten noch zu einem Aussichtspunkt, wo ich mich nicht ganz bis nach vorn wagte, weil es da senkrecht nach unten ging.
Schließlich erreichten wir einen Punkt, wo wir ohne vernünftiges Schuhwerk und Kleidung nicht mehr höher kommen würden, jedenfalls nicht gefahrlos. Also drehten wir um und suchten uns einen Rückweg, kamen dabei aber wieder auf eine Art Wanderweg, dem wir folgten und der ging auf einmal wieder recht steil nach oben, führte durch die beiden großen Felsen hindurch und genau auf einen Aussichtspunkt auf den anderen Seite zum offenen Meer hin. Na, das war doch nett, vor allem alles hübsch abgesichert mit Geländer, so dass ich auch ohne Angst gucken konnte.
Dort standen wir dann eine Weile, machten Bilder und beobachteten ein paar Schiffe, die sich mühsam durch die Wellen pflügten, die durch den immer noch heftigen Wind ziemlich hoch waren. Dann kamen andere Touristen da hoch, die wieder so einen in Frankreich scheinbar unvermeidlichen unangeleinten Köter dabei hatten und meinten, wir müssten den auch ganz toll finden. Fanden wir aber nicht und deshalb verzogen wir uns.
Die Sache mit den Hunden und ihren Hinterlassenschaften ist uns übrigens dort unten sehr oft unangenehm aufgefallen. Fast jeder hat dort so ein Tier dabei, die wenigsten sind an der Leine und sie dürfen hinsch**** wo sie grad wollen und kein Mensch kümmert sich drum. Sogar an der Strandpromenade muss man aufpassen, dass man nicht laufend in derartige Tretminen gerät. Das ist wirklich eklig und stößt bei uns auf wenig Verständnis. Aber die Franzosen (und scheinbar auch die ganzen Touristen) sind da wohl “toleranter” oder haben eine höhere Ekelschwelle.
Auf dem Rückweg gerieten wir dann fast von selbst in diesen botanischen Park und fanden es sehr schön, dort spazieren zu gehen. Allerhand exotische Gewächse erwarten einen da und überall blüht es in den heftigsten Farben, es war wirklich wunderschön angelegt. Palmen, Sukkulenten, Orchideen, Pflanzen, die man gar nicht kannte, alles da. Wirklich sehr sehenswert und wir machten eine Menge Fotos. Schimmi sammelte Samen ein von allem, was er irgendwie kriegen konnte, die wollte er zu Hause einpflanzen und großziehen. (Hat er aber bis heute noch nicht, der Faulpelz, die Teile liegen immer noch auf dem Schreibtisch!)
Auf dem Rückweg aus dem Park machten wir noch eine Pause in einem kleinen Lokal in dieser “Eingeborenenbucht”, um was zu trinken und die müden Füße ein bisschen auszuruhen. Wir schauten aufs Meer und ließen uns den Wind um die Nase wehen. Richtiges Urlaubsfeeling!
Dann machten wir uns auf den Heimweg. Für das Reisebüro war es noch zu früh, also gingen wir nochmal ins Hotel zurück und ruhten uns dort ein bisschen aus. Für den Strand war es heute entschieden zu windig. Unsere beiden Frühstücksnachbarn packten gerade ihr Auto, die mussten heute wieder nach Hause und mussten nach Nizza zum Flughafen. Tja, lange würde es für uns auch nicht mehr dauern…
Irgendwann nachmittags gingen wir dann wieder zum Reisebüro, wo die Dame immer noch nicht weiter war. Sie klimperte auf ihrem Computer herum und wir mussten ziemlich lange warten. Dann teilte sie uns mit, dass sie uns die Tickets leider nicht verkaufen könne, wir müssten mit der Reservierungsnummer zum Bahnhof gehen und sie direkt dort kaufen. Es täte ihr leid, aber anders geht es nicht. Wir waren jetzt ein bisschen sauer, steckten aber die Reservierung ein und verabschiedeten uns. Immerhin wollte sie keine Bezahlung, jedenfalls machte sie keine Ansage diesbezüglich.
Da es zum Bahnhof ziemlich weit war und wir heute schon genug rumgelatscht waren, nahmen wir den Bus. Der fuhr direkt vor dem Touristenbüro ab und eine Busfahrerin kutschierte uns sehr “zügig” und routiniert durch die Stadt. Das war wirklich ein ganz schönes Stück Weg, aber das nächste Mal würden wir ja die Fahrräder dabei haben.
Am Fahrkartenschalter saß eine sehr junge Frau (Azubi?), so dass ich Hoffnung hatte, sie würde Englisch sprechen. Auf meine Frage hin machte sie ein sehr skeptisches Gesicht und als ich unser Anliegen erklärte, merkte ich, dass sie nur Bahnhof verstand. Also sagte ich nur einzelne Wörter und hielt ihr die Reservierung hin. Damit konnte sie wohl was anfangen, sie tippte was in ihren Computer ein und holte zwei Kollegen zur Hilfe. Die eine fragte, wieviel Räder da mit sollten und dann fummelten sie eine ziemliche Weile am Computer herum. Die Leute hinter uns in der Schlange wurden schon unruhig. Schließlich drehte die junge Frau den Bildschirm zu uns rum und zeigte uns den Preis, der mit dem übereinstimmte, was sie uns im Reisebüro gesagt hatten. Die Räder kosteten nochmal 10 Euro pro Rad extra. Wir zahlten per Visa und verließen mit gültigen Rückfahrtickets den Bahnhof.
Na also! Damit war der Heimweg abgesichert, Montag abend würde es losgehen. Damit hatten wir noch drei Urlaubstage zur Verfügung, wobei der Montag eher mit Rumbummeln verbracht werden würde, da wir ja dann aus dem Hotel rausmussten. Wir waren auch ziemlich überrascht, wie schnell wir wieder zu Hause sein würden und auch darüber, dass wir nur in Marseille, Strasbourg und Stuttgart würden umsteigen müssen. Wir hatten uns das irgendwie chaotischer vorgestellt, aber wir waren ja auch nicht in Rumänien, wie es zum Anfang geplant war. 
Zurück liefen wir in die Stadt und machten an einer Bäckerei halt, um uns ein paar süße Teilchen zu genehmigen. Bis zum Abendbrot konnten wir nicht mehr warten und das Frühstück war ja schon ne Weile her. Wir brachten dann die Fahrkarten ins Hotel und machten uns auf in die Altstadt, wo wir heute zu Abend essen wollten.
Da wir keine Lust mehr hatten, noch groß rumzulatschen, ließen wir uns im erstbesten Lokal nieder und bestellten Pizza. Die war auch recht gut, nur der Salat vorher war unter aller Sau. Grüne Salatblätter mit Öl übergossen und mit getrocknetem Oregano bestreut. Igitt! Und die Messer waren auch stumpf, so dass das Essen mit ziemlicher Kraftanstrengung verbunden war. Immerhin saßen wir ganz nett draußen, direkt am Hafen und so langsam wurde es auch dunkel. Also tranken wir aus und machten uns auf den Heimweg. Immerhin saßen ein paar Leute mit bei uns am Tisch, die sich Aioli bestellt hatten. Das sah aber gut aus, ich war bisher nur vor einer Bestellung zurückgeschreckt, weil ich nicht wusste, was das war. Also das musste ich auch mal probieren! Schimmi meinte, er würde sich dann morgen Muscheln mit Pommes, aber ohne Muscheln bestellen. Knaller!
So war auch der zweite Ruhetag rum und uns taten die Beine weh, als ob wir den ganzen Tag gefahren wären. Diese Latscherei muss auch aufhören! 