23. September 2006

Tag 15 - Samstag

Heute erwartete uns ein ziemlich wolkiger Himmel und immer noch jede Menge Wind. Wir beobachteten das Wetter beim Frühstück und überlegten, was wir wohl heute anstellen könnten und irgendwie fiel unser Blick auf ein Plakat mit Werbung für eine Schiffstour entlang der Küste.

Hier sitze ich vor dem schicken Katamaran

Na, das wäre doch was! Auf dem Schiff bin ich sowieso gern und so könnten wir was von der Küste sehen und kämen bis kurz vor Marseille. Das Ganze kostete pro Person 23 Euro und man wäre fast drei Stunden unterwegs. Wir fragten unsere Hotelmutti, ob sie mal dort anrufen könne, ob die überhaupt heute fuhren bei dem Wind und ob noch Plätze frei waren. Die Antworten lauteten zwei mal ja, nur sollten die Mitfahrer möglichst seefest sein, denn es herrsche ziemlicher Wellengang. Au ja! Das würde fein werden!

Und so setzten wir uns mit Kamera bewaffnet wieder mal in Gang in Richtung Innenstadt und Hafen. Die Abfahrtsstelle kannten wir bereits und der Katamaran, der auf dem Plakat abgebildet war, lag auch dort vor Anker. Ein schnuckeliges Schiffchen. Ein paar weitere Interessenten hatten sich auch schon eingefunden und so warteten wir darauf, dass wir aufs Schiff konnten. Konnten wir auch pünktlich, allerdings nicht auf den schnuckeligen Katamaran, sondern die etwas kleinere Nussschale dahinter. Kein Katamaran, ein ganz normales Boot. Enttäuschte Blicke und ich grinste mir eins, denn das Teil würde noch viel besser schaukeln. *g*

Blick auf La Ciotat vom Boot aus

Der Kapitän war übrigens eine junge Frau. Cool! Gestern schon die Busfahrerin und heute die Kapitänin, sehr emanzipiert, die Französinnen. Wir schipperten also aus dem Hafen raus, an diesem großen Dampfer vorbei, der dort schon seit Tagen vor Anker lag und sobald wir auf offener See waren, ging ein herrliches Geschaukel los. Wir saßen ganz hinten im Heck und es war sehr schwierig, bei den Bewegungen vernünftige Fotos zu machen, denn mit Wasser wurden wir auch noch regelmäßig eingesprüht. Schimmi hat es aber trotzdem super hingekriegt und wie immer, wenn es wenig zu erzählen und viel zu gucken gibt, hier eine kleine Galerie mit den schönsten Bildern:

Wir fuhren die ganze Zeit sehr nahe an der Küste entlang und in jede kleine Bucht direkt hinein. Was wir ein bisschen blöd fanden, war die Tatsache, dass sich die Urlauber, die dort saßen oder am Strand lagen, sich vorgekommen sein mussten wie die Tiere im Zoo, wenn wir da reinfuhren und glotzten und fotografierten.

Aber es war eine sehr schöne Fahrt und man konnte gar nicht so schnell fotografieren, wie einem interessante Objekte vor die Linse kamen. Was ein bisschen nervte, war das fast ununterbrochene Gelaber von dem Führer, der sich alle Mühe gab, nicht mal für eine Minute den Mund zu halten und dessen Stimme laut durch einen kreischenden Lautsprecher hallte. Zumal wir sowieso kein Wort verstanden.

Immer, wenn wir eine Bucht verließen, machte das Schiff Bewegungen, die zur Folge hatte, dass wir alle nassgespritzt wurden. Und es war wirklich ein prima Geschaukel bei dem Seegang.

Allerdings war das bisher nur Übung. Als es auf den Rückweg ging, wurde uns empfohlen, uns bitte in den überdachten Teil des Schiffes zubegeben. Wir fanden das erst nicht so toll, waren aber gehorsam und das war auch gut so. Denn jetzt legte Frau Kapitänin richtig los: Volle Kraft gegen die Wellen und den Wind, es war wie in der Achterbahn und bald war der Platz, auf dem wir gesessen hatten, völlig überschwemmt.

Das hat richtig Spass gemacht und ich könnte wetten, dass es den meisten danach schlecht war. Obwohl alle ganz tapfer geguckt haben…

Wow! Ich glaube, irgendeiner meiner Vorfahren war Seemann, weil ich mich nirgendwo so wohlfühle wie auf einem Schiff mitten auf dem Wasser. Egal bei welchen Wetter. Immer einen Blick auf den Horizont werfen können und die Bewegungen des Wassers unter den Füßen spüren… Dazu der Wind und die salzige Luft… Hach!

Wieder zurück in La Ciotat Bald waren wir wieder im Hafen und es war gerade mal kurz nach Mittag, also tigerten wir erstmal wieder ins Hotel zurück. Inzwischen hatte sich der Himmel völlig zugezogen und wir bekamen sogar ein bis drei Regentropfen ab, aber es fing nicht richtig an zu regnen. Im Hotel war aber auch nichts los und so beschlossen wir, erstmal einen Kaffee trinken zu gehen und da die Seeluft doch ganz schön hungrig macht, bestellten wir auch gleich noch was zu essen. Das Lokal war gleich neben unserem Hotel und es schmeckte sehr lecker. Der Kellner war zwar ein Schlafkopf, aber man kann nicht alles haben. Außerdem konnte man dort gut Leute gucken, denn man saß direkt an der Strandpromenade.

Dann machten wir einen Verdauungsspaziergang zurück in die Innenstadt. Dort kam uns, ja wer sagt es denn, ein Internetcafè in die Quere, sogar eins mit angenehmen Preisen. Also war ja klar, wie wir die nächste Stunde verbrachten. ;-)

Jetzt kamen die Wellenreiter zum Zug Die restliche Zeit des Tages verbrachten wir am Strand und beobachteten die Wellenreiter bzw. solche, die es einmal werden wollten. Ich konnte ganz genau kommentieren, was sie machten und vor allem, was sie falsch machten, denn theoretisch wusste ich, wie es geht. Hatte ich mal irgendwann in meiner Jugend bei Jack London gelesen. “Die Fahrt der Snark” hieß das Buch und dort beschreibt er, wie er auf Hawaii das Wellenreiten lernen wollte. Warum ich mir das so detailliert gemerkt habe, weiß ich auch nicht.

Schließlich kehrten wir wieder in das Lokal von heute mittag ein, jetzt hatte ein neuer Kellner Dienst und der war recht clever. Ich hatte einen riesigen und unheimlich guten Salat mit Schinken, Ei und gegrillter Hühnerbrust und Schimmi hatte riesige Bruscettas a la Provencale. Zum Nachtisch gab es Crepes mit Banane und Nutella bzw. Schokoladensoße. Wir überfrassen uns mal wieder. Dazu führte ich mir einen halben Liter Rotwein zu Gemüte und das war wohl ein bisschen zu viel, jedenfalls habe ich hinterher auf der Quasselbox einen solchen Blödsinn erzählt, dass ich euch die Veröffentlichung hier mal erspare. ;-)

23. September 2006 | Reise: Schweiz - Frankreich 2006 | 2 Kommentare | TB