Unser Handy weckte uns am nächsten Tag wie gewohnt früh um 6 Uhr und Schimmi versuchte, zu meiner Erweckung einen Kaffee zu organisieren, da wir vorn an der Rezeption gestern abend eine Kaffeemaschine entdeckt hatten, aber leider erfolglos, das Teil war wohl kaputt. Also quälte ich mich ohne Kaffee aus dem Bett. Man hatte uns gesagt, dass es ab 7 Uhr Frühstück gäbe, aber die Rezeption sei erst ab 8 Uhr besetzt. So war es auch. Als wir zum Frühstück rausgingen, war da kein Mensch. Ein Frühstücksbuffet war zwar vorbereitet, aber leider ohne Brot oder Brötchen und die Kaffeemaschine weigerte sich immer noch beharrlich, ihren Dienst zu tun.
Also ging Schimmi nach unten in der Hoffnung, dort jemanden zu finden, der sich zuständig fühlte. Er kam mit einer ziemlich schnippischen Tusse wieder, die aber immerhin Brötchen dabei hatte. Sie wollte schon wieder verschwinden, deshalb fragte ich, ob denn die Kaffeemaschine jetzt ginge. Sie wirkte ziemlich genervt, dass sie sich darum auch noch kümmern sollte und schaltete das Ding einfach aus und wieder an. Aha, ein Reboot, dachte ich, da hätten wir auch selbst drauf kommen können. Dann war sie verschwunden. Immerhin kriegten wir jeweils eine Tasse Kaffee da raus, dann musste man sie wieder rebooten, den Knopf hatte ich mir gemerkt.
Wie gesagt: Wir waren hier in einem 3-Sterne-Etablissement. Ganz toll.
Ok, draußen lachte aber die Sonne, wir freuten uns aufs Fahren und ließen uns die Laune nicht verderben. Sowas muss man mit Humor nehmen, sonst versaut man sich ja gleich zum Anfang den ganzen Urlaub. Wer mag, kann sich ja mal anhören, was ich dazu auf meine Quasselbox gesprochen habe.
Gegen 8 verließen wir das ungastliche Haus und machten uns auf den Weg. Fuhren natürlich erstmal in nicht ganz die richtige Richtung, bis wir den Weg wiederhatten, dafür erwartete uns sofort ein heftiger Frühsport, wie man auf dem Bild sieht. Ich habe mich darüber bei meiner Quasselbox beklagt.
Zur Belohnung waren wir dann aber wieder in der Natur und hatten die Großstadt hinter uns gelassen. Kurz hinter Lindau (nicht das am Bodensee, da gibts noch eins in der Schweiz) kamen wir an einem Bauernhof vorbei, dort saßen auf einem Stalldach eine Horde Hühner zusammengekuschelt mit zwei Ziegen, das sah echt zum Schießen aus. Als wir dann schießen wollten, Fotos nämlich, dachten aber die blöden Ziegen, dass es was zu futtern gäbe und sprangen vom Dach runter. Schade. Das wäre ein nettes Foto geworden. Als wir weiterfahren wollten, musste ich Schimmi darauf aufmerksam machen, dass sein Ständer nicht ganz oben war. Hm. Kann ja mal passieren. 
Der Radweg führte jetzt recht nahe am Züricher Flughafen vorbei und wir beschlossen, einen Abstecher zu machen und ein bisschen Flugzeuge gucken zu gehen. Und verloren dadurch ziemlich viel Zeit. Immerhin führte uns der Radweg bis direkt vor das Flughafengebäude. War schon witzig: Rings herum Schnellstraßen, Zubringer und Autobahnen neben- und übereinander, kreuz und quer und dazwischen ein durchgängiger sicherer Radweg. Sowas kriegt man wohl nur in der Schweiz hin. Wir liefen erst ein bisschen verloren in dem riesigen Flughafengebäude herum, bis wir die Aussichtsplattform gefunden hatten. Das kostete natürlich Eintritt, aber man verweigerte uns glattweg den Zugang mit den Rädern. Die sollten wir doch bitteschön zwei Stockwerke tiefer in der Gepäckaufbewahrung abstellen, was auch wieder was kosten würde. Das wäre uns ja egal, aber langsam reichte es uns und es war auch zu umständlich. Wir fragten noch einen Mitarbeiter an einem Infostand, ob wir die Räder kurz hier stehen lassen konnten, aber nix war. Erhöhte Sicherheitsbestimmungen galten und da hatten wir ja auch irgendwie Verständnis für. Obwohl unsere selbstgebauten Bomben ja gar nicht mehr in die Ortliebs reingepasst hatten und wir sie deshalb zu Hause gelassen hatten…
Den Weg aus dem Flughafengebiet raus fanden wir leider nicht so einfach wie rein. Wir landeten sogar kurz auf einer für Velos verbotenen Straße, fuhren da aber trotz Protestgehupe der Autofahrer ungerührt weiter (was sollten wir auch tun, fliegen ging ja nicht und in Luft auflösen konnten wir uns auch nicht). Nach einigem Hin- und Hergeirre waren wir dann wieder auf dem Radweg und der führte dann hinter dem Flughafen entlang, wo wir dann auch noch ein paar Flugzeugen beim Starten zusehen konnten. Ohne Eintritt. Bäh!
Weiter ging es und man ahnte die Nähe der Großstadt, da die Gegend ziemlich dicht besiedelt war und der Radweg nicht besonders schön durch zahlreiche Industrie- und Gewerbegebiete führte. Dabei knipsten wir diesen originellen Brunnen hier mit dem Käfer. Zürich umfuhren wir, ließen wir sozusagen links liegen. Es gab zwar auch eine Radwegführung durch die Stadt, aber unser Bedarf an Zivilisation war für heute gedeckt und wir wollten ja vorankommen.
Wir kämpften uns durch Wettingen und Baden, zwei dicht hintereinander liegende größere Städte. Wobei die Altstadt von Baden sehr schön war, einmal mussten wir da ziemlich den Berg rauf, aber es war nett anzuschauen. Dann waren wir schon 7 Kilometer über der Kaffeepause, weshalb die nächste Parkbank unser Ziel war. Wie man sieht, sind wir hier auch schon wieder etwas mehr in der Natur. Während Schimmi das Equipment in Gang brachte, spielte ich mit meiner Quasselbox (noch traute ich der Technik nicht und hörte ab und zu rein, ob der mein Gesabbel auch ordentlich speichert) und machte ein paar Fotos von meinem rot-weißen Mann:
Wobei ich ausgesprochen froh bin, dass der Sonnenbrand bei mir im Gesicht nicht so auffällt. Durch die ständige Sonnenblinzelei ist meine Grundfarbe im Gesicht nämlich rot und die Blinzelfalten sind weiß. Das sieht wirklich… ähem… interessant aus. Momentan drücke ich mich verständlicherweise vor Nahaufnahmen aller Art. Aber den Brunnen hier fanden wir schön, der steht in irgendeinem Gewerbegebiet zwischen Baden und Windisch Brugg direkt am Radweg.
Auf dem Weg dorthin überquerten wir ein Flüsschen namens Reuss (hast du was damit zu tun? *g*), dem wir dann folgten, bis es bei Brugg in die Aare mündete.
Als wir durch Brugg fast durch waren, kamen wir an dieser interessanten Brücke vorbei, die wir uns gleich mal näher anschauten. Für Brücken habe ich ja irgendwie was übrig. Meine Quasselbox hat dazu auch was gespeichert. An der Aare würden wir jetzt erstmal ne ganze Zeit entlang fahren, obwohl wir ja dieses Jahr definitiv keine Flusstour machen wollten. Aber der Radweg ist so angelegt und landschaftlich schön ist es allemal. Eine Wohltat nach der ganzen Großstadtbesiedelung. Wir waren uns einig, dass der Tag gestern ausgesprochen schöner zu fahren war als heute, denn auch der weitere Weg stellte sich auf der Karte nicht gerade dünn besiedelt dar.
Wir düsten also weiter und brachten Aarau relativ schnell hinter uns. Das war diesmal nicht so schwer, weil der Weg nicht durch die Innenstadt führte, sondern am Fluss blieb, so dass man die Stadt kaum mitbekam. Wir kriegten einigermaßen Kilometer auf den Tacho und mein Hinterteil fing an zu schmerzen. Deshalb gabs zum Trost erstmal ein Eis am Schwimmbad in Schönenwerd.
Von dieser Episode gibt es wieder eine Quasselboxaufzeichnung. Wegen der Atmosphäre. *g* Wie man sieht, ist die Gegend wieder landwirtschaftlicher geworden, obwohl ein Atomkraftwerk in der Nähe seine Dampfwolken in den Himmel bläst. Wir hatten uns zwischenzeitlich Olten als Übernachtungsstätte ausgeguckt, da stand ein nettes Hotel im Radwegbuch, das könnte was für uns sein.
Also auf nach Olten, das war eine größere Stadt, da würden wir mit Sicherheit auch was Leckeres zu Essen bekommen. Nun ja. Das war es wohl dann doch nicht. Olten war schon recht groß, aber fürchterlich ungemütlich und verkehrsreich und das besagte Hotel sah ziemlich muchelig aus und lag direkt neben einer Baustelle an einer vielbefahrenen Straße, obwohl im Radwegbuch steht: “Sympathisches Hotel im Herzen von Olten”. Na ja, sympathisch versteht wohl jeder anders. Wir gurkten noch ein bisschen rum, ob da noch was anderes war, fragten auch einen Eingeborenen, aber so richtig gefiel es uns hier nicht und so entschlossen wir uns zur Weiterfahrt, obwohl unsere Tachos schon über 100 km anzeigten.
Erstmal wieder einen Berg rauf und dann weiter in Richtig Aarburg, das war der nächste größere Ort, dort wollten wir es versuchen. Aarburg sah auf den ersten Blick richtig nett aus. Wir fuhren rein und fragten gleich den ersten Passanten nach einem Hotel. Der empfahl uns auch gleich das Ibis-Hotel in Rothrist (ca. 3 km hinter Aarburg). Es sei zwar etwas ausserhalb gelegen, hatte aber ein Restaurant und sollte wohl auch nicht so teuer sein. Die beiden Hotels, die wir in Aarburg ausgeschildert gesehen hatten, waren nach Angaben des Mannes “ziemlich teuer”.
Also nochmal aufs Rad, drei Kilometer waren jetzt auch egal. Ging auch ganz schnell und es war auch was frei und so blieben wir. Es ist eine dieser Hotelketten wie Etap oder Novotel, da weiß man, was einen erwartet und kann einen gewissen Standard voraussetzen. Das war uns ganz recht nach der Pleite gestern und zum Rumlaufen hatten wir heute nach 112 km sowieso keine Lust mehr. Wir durften wieder mit den Rädern durch die Hotelhalle (ich liebe das!) in den Gepäckraum, wo abgeschlossen wurde. Die waren also schonmal sicher. Nachdem wir noch ein bisschen mit dem Mann an der Rezeption rumgeflachst hatten (der war echt gut drauf und versprach uns ein “Riesenfrühstücksbuffet”), bezogen wir unser kleines, aber feines Zimmer (alles neu und modern eingerichtet), spulten unser Programm ab und bewunderten gegenseitig unsere Sonnenbrände.
Dann ging es runter ins Restaurant, mal gucken, was die Ibis-Küche so zu bieten hatte. Das Restaurant war richtig gut besucht, wir staunten und es waren nicht nur Hotelgäste zum Essen da. Schimmi hatte Schnitzel Cordon blue und ich Hühnerbrust mit Käse und Spargel überbacken, war wirklich sehr lecker und wir waren auch satt. Ich zumindest, bei Schimmi setzte jetzt nach dem zweiten Tag offensichtlich schon wieder die Fresssucht ein, der war nicht sattzukriegen. Ich war an dem Tag ziemlich müde und deshalb lagen wir mal wieder recht zeitig in den Betten. Aber wollten ja auch früh los und deshalb war das wohl kein Fehler.
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 112,1 in 7 h 18 min Fahrzeit | 522 Höhenmeter |
| Übernachtung: | Ibis-Hotel in Aarburg-Rothrist | nicht billig, aber gut |
| Essen: | Schnitzel im Hotel-Restaurant | wir waren zufrieden |
| Wetter: | sonnig und warm | Die Sonne meinte es wirklich sehr gut dieses Jahr |
| Stimmung: | immer noch super | aber ziemlich müde am Abend |