12. September 2006

Tag 04 - Dienstag

Strecke: Lüscherz - La Sarraz

Als wir am nächsten Morgen zu gewohnt früher Stunde aufstanden, regnete es. Na sowas! Und es tröpfelte nicht nur so dahin, sondern es kam richtig was runter! Über dem See hingen tiefe schwarze Regenwolken und rührten sich nicht von der Stelle, allerdings wurde es auf der anderen Seite schon wieder heller. Wir ließen uns also erstmal nicht aus der Ruhe bringen und genossen das leckere Frühstück, das Frau Grimm uns servierte. Selbstgemachter Obstsalat aus Früchten aus dem eigenen Garten…. mmmhhhh das war lecker! Als wir fertig waren, hörten wir, dass es draußen nochmal so richtig losregnete. Ok, da muss man ja nicht gerade losfahren, also setzten wir uns noch auf die überdachte Terrasse und sahen dem Regen zu, wie er aufhörte.

Gegen 8.45 Uhr hörte es dann wirklich auf und wir machten uns auf den Weg. Ich hatte vorher noch kurz den Wetterbericht im Radio gehört und da wurde im Tagesverlauf zunehmend sonniges Wetter angesagt. Na also, die Regenjacke blieb also dort, wo sie war: ganz unten in der Packtasche.
Berge im Hintergrund Die Berge kommen immer näher
Gegen 10 Uhr sahen wir dann in der Ferne, wie sich das Unheil näherte: In Form von richtig hohen Bergen. Wir waren ganz schön beeindruckt. Das sah schon mal gut aus.

Eine Weile folgten wir diesen Bahnschienen, die man auf dem Bild sieht und dann ging es ab in den Gemüsegarten. Sprich, wir fuhren durch eine sehr fruchtbare Gegend, das Grosse Moos genannt, in der hauptsächlich Gemüse angebaut wird. Möhrchen, Kohl, Salat, Mais, da stand einfach alles an Gemüse, was man so kennt. Man sieht auch, dass der Boden sehr fruchtbar ist, er ist richtig dunkel, fast schwarz. Die Gegend war sehr flach und der Weg ging schnurgeradeaus, man konnte schon sehen, wo man in ner halben Stunde entlangfahren würde. Das Wetter wurde auch langsam, die Sonne kam heraus, man erkannte schon zeitweise blauen Himmel. Geht doch!

Jacke ausziehen

Dann fuhren wir einen Berg rauf (das war gar nicht abgemacht, weil in der Karte nicht eingezeichnet, pah!), woraufhin ich meine Jacke ausziehen musste. Erstens, weil die Sonne schien und zweitens weil ich ins Schwitzen gekommen war. Schimmi fährt ja immer früh gleich so hemdsärmelig los, das geht bei mir nicht, da friere ich. Die Temperaturen waren zwar immer mild, aber früh beim Losfahren ist es noch frisch. Der Karte nach waren wir jetzt über Champmartin und damit direkt am Neuenburgersee oder Lac de Neuchâtel auf französisch. Und damit war es wohl endgültig vorbei mit dem fröhlichen “Grüatzi mitanand”, wir würden ab jetzt “Bonjour” sagen. Auch die Ortsnamen klangen schon ziemlich französisch.
Der Neuenburgersee Blick von oben auf den See
Die Aussicht war wirklich traumhaft Und nochmal: Puschelwolken
Nun hatten wir einen wunderbaren Blick auf den See, den wir auch erstmal ausgiebig genossen und knipsten. Ein Stück weiter war der nächste Aussichtspunkt kurz vor Portalban. Kurz vorher waren wir an runden Häusern vorbeigefahren. Die waren wirklich kreisrund, eines war schon fertig und das andere gerade im Bau. Sah interessant aus, aber wie stellt man in sowas eckige Möbel auf? Nach Portalban ging es dann ziemlich steil runter und danach weiter am See entlang durch viele kleine Siedlungen.

Picknick am See neben dem Jachthafen Schließlich war Kilometer 50 erreicht: Kaffeepausenzeit. Wir waren inzwischen in Estavayer-le-Lac (fragt mich jetzt nicht, wie man das ausspricht) und gingen kurz vor der Mittagspause noch in eine boulangerie (Bäckerei auf französisch, manchmal stand da auch pâtisserie, was soviel wie Feinbäckerei oder Konditorei heißt) um uns mit ein paar süßen Teilchen einzudecken. Mit den herzhaften Teilchen haben es die Franzosen nicht so, auch wenn es im Moment noch Schweizer waren, aber die süßen Sachen können sie RICHTIG gut. Der von uns gewählte Picknickplatz lag heute neben einem Jachthafen auf so einer Art Mole am See. Es war völlig menschenleer, obwohl herrliches Wetter war, die Sonne brannte inzwischen wieder ziemlich heftig vom Himmel. Wieder verglichen wir das ganze mit dem Trubel am Bodensee und waren erstaunt ob der Ruhe. Ein Schwan interessierte sich für uns und kam sehr nahe zu der Stelle, an der wir saßen und Schimmi machte den Fehler, ihm ein Stück von seinem Teilchen hinzuwerfen. Das fand der ganz toll und machte dann ziemlich aufdringlich klar, dass er mehr wollte. Es fehlte nicht viel, und er wäre aus dem Wasser gestiegen. Mit Schwänen soll man sich ja nicht anlegen, deshalb räumten wir unseren Platz und aßen woanders zu Ende. Blödes Vieh!

Jede Pause war auch mal zu Ende. Wir erneuerten noch unsere Sonnenschutzeinreibung und weiter ging die Fahrt durch eine Art Sumpfgebiet. Das war sehr angenehm zu fahren, da es baumbewachsen und damit schön schattig war. Rechts lag der See und von Zeit zu Zeit standen da wieder Infotafeln, auf denen die Natur erklärt war. Danach ging es noch ein Stück an einer Straße entlang und wir erreichten Yverdon-les-Bains und damit das Ende des Neuenburgersees. Schimmi hatte die Idee, hier ein Internetcafè zu suchen, um über web.de eine Geburtstags-SMS an Marcus, den Freund von Jule zu versenden, der wurde nämlich heute 18. Das andere Geburtstagskind des Tages würden wir heute abend anrufen, da mein Vater kein Handy hat. Ja, das gibts auch noch. ;-)

In der Schweiz sind Internet-Cafès eher eine Seltenheit. Und so suchten wir auch in Yverdon vergeblich danach. Wir fragten dann einfach mal in ein Rudel Polizisten, die da so rumstanden, hinein und siehe da, einer konnte deutsch und erklärte uns nach kurzer Beratung mit seinen Kollegen den Weg. Nach einigem Suchen fanden wir es dann auch, aber es war kein Cafè. Es war einfach nur ein Kiosk, der im Hinterzimmer eine paar Computer zu stehen hatte. Hier hätte ich nie-mals nach einem Internetzugang gefragt. Aber wirklich! Gut, das mit der Geburtstags-SMS hat nicht geklappt, weil ich Dödel mein Passwort vergessen hatte. Du siehst, Mum, das geht nicht nur dir so. Dann würden wir heute abend eben zwei Anrufe machen, ist zwar mit dem Handy schweineteuer, aber was soll´s! 18 und 65 wird man nur einmal! *g*

Weiter ging es. Die nächste Strecke war nicht so toll zu fahren. Zwar eben, aber nur über irgendwelche Äcker, mal an Bahngleisen entlang, unter der Autobahn durch, über die Autobahn drüber, na ja, eben so eine 0-8-15-Strecke, auf der man am besten Tempo macht und angesichts der Sonneneinstrahlung so schnell wie möglich versucht, es hinter sich zu bringen.

La Sarraz Der nächste größere Ort hieß La Sarraz und ein Blick auf unseren Tacho und ein Abchecken unserer Hinterteile sagte uns, dass es genug war. Wir würden also versuchen, hier Quartier zu nehmen, der Ort schien einigermaßen geeignet zu sein. Schimmi, der den Ort gleich mal in “Alcatraz” umgetauft hatte, ging ins Tourismusbüro oder Office de tourisme, wie es hieß, um nach einem Zimmer zu fragen. Diese Office de Tourisme gibt es in Frankreich an jedem größeren Ort und hier wird dich geholfen, auch wenn du den Französischen nicht mächtig bist (oder Probleme mit der deutschen Grammatik hast). Meistens sind die in den Büros dreisprachig am Start und irgendwas passt dann immer.

Häuserzeile in La Sarraz Jedenfalls wurde uns ein Hotel namens Hôtel de la Croix-Blanche, was soviel heißt wie Hotel zum Weißen Kreuz. Das Zimmer kostete um die 100 Euro, war zwar etwas klein, aber in Ordnung. Wir radebrechten mit dem Hotelpersonal in einer deutsch-englischen Sprachmischung, kamen aber klar. Frühstück würde es auch geben. Gut, das war also mal wieder geschafft. Also unser abendliches Programm durchziehen und frisch geduscht begaben wir uns auf einen Rundgang durch die Stadt.
Und ab jetzt immer das Wörterbuch dabei Wir mussten unsere Vorräte an Schweizer Franken nochmal auftanken, da das Hotel keine Kreditkarten akzeptierte und dann suchten wir uns ein Restaurant. Unsere Wahl fiel wieder mal auf die italienische Küche, da Nudeln immer gut sind für unsere Art der Fortbewegung.

Und hier beglückwünschten wir uns schon das erste Mal, dass wir das Wörterbuch mithatten, denn die schicke, aber etwas tiefgekühlte Kellnerin weigerte sich beharrlich, etwas anderes als französisch mit uns zu sprechen. Wir übersetzten also erstmal mühevoll die Speisekarte und bestellten dann jeder eine Portion Nudeln orientalischer Art und das war richtig lecker! Schimmi lernte an diesem Abend, wie man auf französisch ein Bier vom Fass bestellt und wie man sich die Rechnung kommen lässt und dabei mit der Kellnerin flirtet. :-D War schon lustig.

Ein letzter Blick auf La Sarraz Wir riefen dann noch die Geburtstagskinder des heutigen Tages an und nach einem kleinen Verdauungsspaziergang, bei dem es schon dunkel wurde, verschwanden wir dann kurz nach 9 Uhr in den Betten. Morgen würde die nächste große Etappe unserer Reise beginnen: Wir würden die Schweiz verlassen und in Frankreich einreiten. Wir waren schon mächtig gespannt und hatten bereits die entsprechenden Karten (Michelin local für die jeweiligen Gebiete) und unseren Reiseführer rausgepackt, um alles parat zu haben, wenn wir durch Genf durch wären. Immerhin war das das erste Mal, dass wir nicht auf irgendeinem ausgeschilderten Radweg rumgurken würden, sondern direkt nach Karte fahren sollten. Wobei es uns überlassen war, wo wir fahren wollten. Das wird bestimmt spannend und aufgrund der nicht vorhandenen Feinplanung würden wir wohl jeden Abend über der Karten hängen, um zu entscheiden, wo es am nächsten Tag entlang gehen sollte. Schauen wir mal.

Statistik
gefahrene km: 96,6 in 5 h 55 min Fahrzeit 286 Höhenmeter
Übernachtung: Hôtel de la Croix-Blanche in La Sarraz ein etwas älteres Hotel, aber ganz ok
Essen: Spaghetti orientale im Restaurant “Casino” mit Französischunterricht inclusive
Wetter: früh Regen und Gewitter, dann sonnig und sehr warm fast schon unheimlich, dieses Urlaubswetter
Stimmung: hervorragend wir sind gespannt auf Frankreich
12. September 2006 | Reise: Schweiz - Frankreich 2006 | Kommentieren | TB