Irgendwann gegen morgen verrammelte ich das Fenster, weil der Lärm von der Straße einfach unmöglich war, aber 5 Minuten später klingelte leider schon der Wecker. Wir hatten ziemlich schlecht geschlafen, einmal wegen des Straßenlärms, zum anderen, weil wir uns in dem Hotel auch ziemlich unwohl fühlten. Wir packten also zusammen und gingen runter zum Frühstück. Ein Blick vor die Tür zeigte uns einen bewölkten Himmel und es regnete ein bisschen.
Heute bekamen wir also unser erstes rein französisches Frühstück und das hieß: Nichts herzhaftes, nur Baguettebrot und Croissonts mit Butter, Marmelade und Honig. Nichts für Radfahrer, aber aber besser als gar nichts, also aßen wir, soviel wir konnten. Nach der Affentour gestern tröstete mich die Tatsache, dass die weitere Fahrt jetzt erstmal vornehmlich bergab gehen würde. Wir mussten zwar erstmal noch an dieser vermaledeiten Nationalstraße bleiben, konnten aber laut Reiseführer dann bald wieder auf kleine Nebenstraßen ausweichen.
Also schleppten wir die Fahrräder wieder runter und machten uns auf den Weg. Es nieselte immer noch ein bisschen, war aber nicht schlimm, es war auch warm, so dass uns das erstmal nicht störte. Allerdings sah der Himmel in der Richtung, in die wir mussten, recht bedrohlich aus. Hoffentlich wurde das nicht schlimmer. Ok, den beschriebenen Weg aus dem Reiseführer fanden wir irgendwie nicht, wir sind zwar an den Stellen abgebogen, die dort beschrieben waren, haben uns aber irgendwie verfranst, so dass wir zuletzt wieder auf dieser N201 gelandet sind. Inzwischen regnete es etwas mehr.
Dann sollte es eben so sein und wir fuhren dort weiter. Auf der Karte sahen wir ja, dass wir so auch nach Annecy kommen würden. Das war zwar nicht schön, aber schnell und bei dem Wetter war es sowieso egal. Witzigerweise landeten wir auf einer vier- und teilweise sechsspurigen Autostraße, auf der wir tapfer weitergefahren sind, das war echt ein Höllenritt, aber was sollten wir machen? Immerhin kennen wir jetzt das Feeling, wie es ist, auf der Autobahn Fahrrad zu fahren.
Schimmi bog aber genau im richtigen Moment rechts ab und so landeten wir nach noch ein paar Kilometern im Stadtzentrum.
Die Stadt wollten wir nicht besichtigen, also suchten wir das Seeufer und hielten uns daran. Obwohl es laut Reiseführer am linken Ufer einen Radweg geben sollte, wollten wir am rechten Ufer fahren, weil es so beschrieben war und weil auch der weitere Weg, den wir uns ausgeguckt hatten so besser erreichbar war. Der See hat wirklich inmitten der hohen Berge eine sehr reizvolle Lage und wir bedauerten ein bisschen, dass wir ihn nicht bei Sonnenschein bewundern konnten. Na ja, immerhin hatte es jetzt mal aufgehört zu regnen. Wir fuhren also zunächst auf der D909 und danach auf der D909A sehr schön direkt am Seeufer entlang. Und es fing wieder an zu regnen und der Verkehr auf der Straße war auch nicht nett und so hatten wir auf dem ersten Teil der Strecke nicht allzuviel Spaß am Fahren.
Außerdem hatte Schimmi schon wieder Hunger, was nach dem süßen Frühstück kein Wunder war. Also hielten wir schon wieder Ausschau nach einer Boulangerie oder sowas. Leider fanden wir an der Strecke erstmal nur einen Laden, wo wir immerhin einen guten Kaffee kriegten. Also Päuschen, bisschen ausruhen, Regen ausregnen lassen, Karte studieren, Fotos machen. Der See war wirklich schön und hatte kristallklares Wasser. Aber bald hatten wir das Ende das Sees erreicht und mussten laut Karte wieder auf eine Bundesstraße, worauf wir ja nun so gar keinen Bock hatten. Da fanden wir es mal ganz wunderbar, dass auf einmal neben der Straße ein Radweg anfing, der bis Faverges, wo wir hinmussten, ausgeschildert war. Na, das fuhr sich doch mal ganz hervorragend! Wir hörten zwar immer nebenan den Lärm der Nationalstraße, fuhren aber relativ ruhig auf dem Radweg dahin.
In Faverges mussten wir uns orientieren, die Stadt war etwas größer, damit wir folgenden Satz aus dem Reiseführer verwirklichen konnten: “Wer von Annecy weiter nach Grenoble durch das Iseretal fahren möchte und einen (kleineren) Paß nicht scheut, sollte von Faverge auf der D12/D201 über den 901 m hohen Col de Tamie nach Ste-Hèlene an der Isere fahren.” Ok, nach Ste-Hèlene wollten wir nicht, aber auf der D201 würden wir dann einfach weiterfahren und stellten uns die Strecke, die an den Bergen entlang führte sehr schön vor. Die Alternative wäre wieder eine Nationalstraße gewesen, die uns nach Albertville gebracht hätte. Der Reiseführer schildert diesen Ort auch nicht als besonders schön, deshalb wollten wir da nicht hin. Hauptrichtung war Grenoble.
Das ganze war in Faverges recht gut ausgeschildert und so fanden wir die D12 recht gut und es ging auch gleich gut in die Höhe. Die Steigung war so ähnlich wie hier beim Dreifaltigkeitsberg, also so zwischen 5 und 8 Prozent, man musste sich zwar anstrengen, aber es war zu meistern. Auch von mir und trotz des Gepäcks. Und da der Schimanski am Berg immer schneller ist als ich und dieses Jahr, wie man gemerkt hat, für die Knipserei zuständig war, konnte er mich sehr oft dabei fotografieren, wie ich den Berg hochstrampele.
Wie immer, hatten wir bei der Bergfahrerei schöne Aussichten zu genießen, hier an dieser Stelle machten wir gerade ein kleine Pause, um einen Apfel zu essen (wir hatten immer noch kein zweites Frühstück im Magen und waren ziemlich hungrig). Immerhin hatte es nun scheinbar endgültig aufgehört zu regnen. Wir fuhren weiter, immer bergan, aber die Steigung wurde langsam flacher, so dass es nicht mehr so anstrengend war. Die Straße führte dann durch den Wald, daneben plätscherte die ganze Zeit ein Bach, jetzt hatten wir wieder Spass, trotzdem es bergauf ging. So hatten wir uns das vorgestellt. Nur die Sonne könnte wieder rauskommen, obwohl der Tag heute unserer sonnengeplagten Haut mal ganz gut tun würde.
Gegen halb zwei und nach 55 Tageskilometern hatten wir dann unseren ersten Paß bezwungen. Gut, ja, der war nur 907 Meter hoch, aber immerhin! Ein Paßfoto! Unser Tacho zeigte 700 gefahrene Höhenmeter an, das fanden wir schon mal ganz ordentlich. Und so hingen wir eine Weile da oben rum und genossen die phantastische Aussicht ins Iseretal in dem Bewusstsein, dass wir da gleich im Sauseschritt und ohne zu treten runterfahren würden. 
Und das machten wir dann auch und das war einfach klasse. In einer Pause erzählte ich das meiner Quasselbox. Weiter ging dann die Abfahrt, die ca. 10 Kilometer lang war und in Frontenex endete. Damit kriegten wir ein paar Kilometer auf den Tacho, ohne uns anzustrengen und auch unsere Durchschnittsgeschwindigkeit kam wieder auf einen vorzeigbaren Level. 
In Frontenex fanden wir sogar ein Bistro, in dem wir uns ein Käse- und ein Wurstsandwich nebst Kaffee bestellten. Die beiden Sandwiches waren so dick belegt, dass wir zwei Wurst-Käse-Sandwichs daraus machen konnten. Riesige Dinger, total lecker und genau das Richtige für zwei ausgehungerte Paßfahrer. Das Bistro lag praktischerweise genau an der D201, auf der wir gleich weiterfahren wollten.
Diese Strecke stand jetzt überhaupt nicht im Reiseführer, aber sie war der absolute Volltreffer, dass merkten wir schon, als wir aus Frontenex rausfuhren. Obstplantagen und Weinberge säumten unseren Weg, links gings runter ins Iseretal und rechts türmten sich recht ansehnliche Berge auf. Dazu war die Straße fast gar nicht befahren, so dass wir restlos begeistert waren. Es ging allerdings die ganze Zeit rauf und runter, also ziemlich hügelig, aber das ist ja klar, wenn man an einer Bergkette langfährt.
Es gab die ganze Zeit was zu gucken, ab und zu überholten uns Rennradfahrer, die uns mit unverständlichem Französisch zutexteten und denen wir fröhlich zuwinkten. Es machte richtig Spaß heute, da waren wir uns einig. Die Straße, auf der wir fuhren, führte uns direkt nach Montmèlian, der Ort, den wir uns für heute als Übernachtung auserkoren hatten. Gegen 17 Uhr trafen wir auch dort ein, inzwischen bei schönstem Sonnenschein, na wer sagts denn?
Wir fuhren erstmal durch die Altstadt, die war sehr bergig und sehr alt und es kam nicht mal ansatzweise ein Hotel in Sicht. Na gut. Weiter also durch die Stadt und dann erreichten wir einen neueren Stadtteil, auch ein Zentrum mit Einkaufspassage und allem möglichen, aber kein Hotel. Das konnte doch nicht wahr sein! Heute früh am See oder in Annecy waren wir an zig schicken Hotels vorbeigefahren und jetzt, wo wir eins brauchten, steht hier wieder nicht eine müde Hütte. Wir befragten dann zwei junge Frauen, die unseren Weg kreuzten und von denen jede drei Worte englisch sprach. Das gab zusammen mit den je drei Worten französisch, die wir zwei beherrschten einen dollen Wortschatz. 
Der aber ausreichte, um uns (unter Zuhilfenahme eines Stiftes nebst Zettel) zu erklären, wo es hier doch zwei Hotels geben sollte. Na also! Wir fuhren also nach der Skizze der Mädels und fanden ziemlich fix das Hotel Comfort Inn Les Primeveres, das irgendwo außerhalb direkt an der Isere und in der Nähe der Autobahn lag. Als ich auf dem Parkplatz auf Schimmi wartete, empfand ich das Rauschen des Flusses aber lauter als die Autobahn, die ja doch noch ein Stück weg lag. Das Haus sah von außen ganz ordentlich aus und Schimmi kam auch bald wieder raus. 50 Euro sollte das Doppelzimmer kosten und die Zimmer waren sehr ordentlich. Zudem eine sehr nette Dame an der Rezeption, die aus Belgien kam und ein bisschen deutsch konnte. Sie freute sich über die Gelegenheit, mal wieder Deutsch zu reden und machte gerne Gebrauch davon.
Die Räder kamen in eine abschließbare Garage und wir bezogen unser Zimmer. Wirklich sehr schön und vor allem sauber. Heute hatten wir etwas mehr zu waschen, da wir gestern nichts mehr gewaschen hatten in dem Muchelhotel, auch weil es schon recht spät war. Heute war genug Zeit und als wir fertig waren, war auch noch Zeit für einen kleinen Rundgang draußen an der Isere. Dabei bemerkten wir ein Hinweisschild für einen Supermarkt hier ganz in der Nähe und nahmen uns vor, den erstmal aufzusuchen, bevor wir morgen weiterfahren würden. Unsere Vorräte an Obst und Schokoriegeln mussten dringend aufgefüllt werden. Und ja, auch die Gummibärchenvorräte von Schimmi waren auf Null zurückgefahren, das war also fast schon ein Notfall.
Die Gegend hier war auch wirklich sehr schön anzuschauen, wie man auf den Bildern sieht. Rundherum von Bergen und Felsen eingekreist und mitten durch die Isere. Sah gut aus. Aber dann hatten wir auch langsam Hunger. Essen konnten wir im Hotelrestaurant und das war sehr lecker. Es gab ein Vorspeisen- und ein Nachtischbuffet und als Hauptgang das Tagesgericht, das war Hühnchen in einer leckeren Tomatensoße mit Bandnudeln und Spinat. Eine ungewöhnliche Mischung, hat aber gut geschmeckt. Vor allem aber das Nachtischbuffet, an dem wir uns gleich zweimal bedienten, erzeugte bei uns restlose Begeisterung! Ich sagte ja schon, das mit den süßen Sachen haben die Franzosen voll drauf!
Als wir dann satt waren, ging es auch gleich ins Bett. Natürlich nicht, ohne noch den Fahrplan für den nächsten Tag auszuknobeln. Dazu mussten wir bereits die nächste Michelinkarte auspacken und morgen würden wir Grenoble sehen. 
| Statistik | ||
| gefahrene km: | 97,0 in 6 h 18 min Fahrzeit | 1.089 Höhenmeter |
| Übernachtung: | Hotel Comfort Inn Les Primevères in Montmèlian | ein sehr gutes Hotel etwas ausserhalb der Stadt |
| Essen: | Hühnchen mit Bandnudeln und jede Menge Nachtisch! | War superlecker und wir waren pappsatt |
| Wetter: | früh Regen, ab mittag bewölkt und trocken, gegen abend sonnig | aber immer warm |
| Stimmung: | heute wieder bestens | das war ein schöner Tag und eine tolle Tour |