16. September 2006

Tag 08 - Samstag

Strecke: Villard-de-Lans - Bourdeaux

Am nächsten Morgen der Blick aus dem Fenster: Es war bewölkt, aber trocken. Der Regen hatte sich wohl über Nacht ausgepieselt. Sehr gut. Wir packten zusammen und gingen runter zum Frühstück. Dort muss der Mann auch gedacht haben, diese Deutschen fressen mehr, als sie bezahlt haben, als wir mit unserem Körbchen Baguettebrot nicht reichten und nachbestellten. Aber wenn es schon nicht lange vorhält, dann wollten wir wenigstens so satt wir möglich sein, bevor wir aufbrachen. Immerhin kostete das Frühstück 8 Euro pro Person extra und wenn wir nicht so furchtbar verwöhnt wären und uns am liebsten früh vor einen fertigen Kaffee setzten, könnten wir uns das für den Preis auch locker selber und vor allem besser machen. Wir sahen, dass außer für uns nur noch ein Tisch mit zwei Gedecken vorbereitet war, offensichtlich waren hier nur vier Gäste im Hotel. Na ja, Nachsaison halt.

Atemberaubende Ausblicke bei der Abfahrt

Wir waren ganz guter Dinge, wussten wir doch, dass uns heute als erstes eine laaaaange Abfahrt bevorstand. Zunächst hieß es mal den Ausgang aus der Stadt zu finden, wobei wir eine kleine Meinungsverschiedenheit hatten, aber dann hatten wir die Straße, es ging weiter auf der D531 und es ging bergab. Au ja. Und uns wurde dabei ganz schön kalt, immerhin waren wir hier auf 1000 m ü. M. und mein Tacho zeigte 13 Grad an. Das allein wäre kein Problem, wenn man sich warmstrampeln könnte. Musste man aber nicht, man musste überhaupt nicht treten. Nur gucken und zu gucken gab es ja was. Hier mal ein paar Bilder:

Wir waren restlos begeistert von dieser Landschaft (Gorges de la Bourne) und hielten alle paar Meter an, um zu knipsen und zu staunen. Es war wie in der Wutachschlucht, nur viel gigantischer. Mit dem Auto muss man auf dieser Straße echt aufpassen, manchmal wird es sehr eng und wenn man aus so einer Kurve ausbricht, dann wars das. An einer Stelle war so eine Art Baustelle, vielleicht war es auch ein ehemaliges Bergwerk, keine Ahnung, auf jeden Fall führte da ein Weg nach unten, der zwar abgesperrt war, aber wir kamen trotzdem durch. Da schoß dieser Fluss, die Bourne, aus einem Durchfluss durch den Berg, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstand, die Brücke darüber war auch schon halb überflutet, deshalb war wahrscheinlich auch gesperrt. Am Berg führte eine Art Steig nach oben und man sah lauter Höhlenöffnungen, leider kam man da nicht hin, weil der Fluss dazwischen war.

Und überall tropfte es herunter, die Luft war auch sehr feucht und wir froren wie die Weltmeister, sogar Schimmi zog sich jetzt was langes über. Und das, obwohl wir da oben mittlerweile wieder blauen Himmel sahen und die Sonne schien, nur halt nicht bis in diese Schlucht hier. Also fuhren wir weiter bergab, später waren wir aus der Schlucht heraus und bekamen wenigstens ab und zu etwas Sonne ab.

Das Städtchen Pont-en-Royans Bei Kilometer 25 waren wir dann unten auf 231 m ü. M. (und das von 1022 m ü. M.) und kamen durch ein Städtchen namens Pont en Royans, dessen Häuser zum Teil in den Fels hineingebaut waren, sozusagen mit dem Felsen verschmolzen. Auf dem Bild auf der verlinkten Seite sieht man das richtig gut. Hier waren eine Menge Touristen unterwegs, auch der Klischee-Japaner mit der dicken Kamera lief hier rum. *g* Wir waren dort einen Moment verunsichert, welches nun die richtige Richtung war, denn normal sollten wir einfach nur auf der D531 bleiben, aber das war merkwürdig ausgeschildert. Eine Frau in einem Andenkenladen erklärte uns in Zeichensprache den Weg und wir hatten das Gefühl, mal nachschauen zu müssen, was auf Französisch rechts, links und geradeaus heißt, das wäre vielleicht mal angebracht, damit man die Antwort auf die Frage nach dem Weg wenigstens ansatzweise versteht. :-)

Der weitere Weg, immer an Bergen entlang Die D531 mündete kurz vor St-Nazaire-en-Royans in die N532, der wir ein Stück folgten, bis wir links auf die wenig befahrene D125 abbiegen konnten. Das war wirklich ein einsames Sträßchen durch eine sehr ländliche Gegend, wir wunderten uns, dass die Ansammlungen von ca. 4 Häusern und einem Dorfbrunnen Ortsnamen hatten, meist sahen sie aus wie Bauernhöfe. Die ersten paar Kilometer breiteten sich rechts und links der Straße Walnuss-Plantagen aus, dann folgten Äcker mit Mais und Rüben. Und es ging zunächst fast unmerklich, später wieder etwas merklicher bergauf, bei Kilometer 40 waren wir schon wieder auf 320 m ü M. Die Sonne schien, wir hatten schon längst wieder auf kurze Klamotten umgestellt und konnten uns nicht vorstellen, jemals gefroren zu haben.
Berge und Schluchten auf allen Seiten Tiefhängende Wolken an den Felsen
Rechterhand zog sich eine wolkenverhangene Bergkette mit hübschen Felsen dahin, so dass die Gegend auch hier sehenswert blieb. Diese D125 führte uns direkt nach Chabeuil, wo wir diesmal absichtlich in die Stadt hineinfuhren, weil wir mal wieder Hunger hatten. Die nächste Boulangerie war die unsere und meine Quasselbox musste sich dazu was anhören.

Als wir uns ausreichend gestärkt hatten, verließen wir die Stadt auf der D538 in Richtung Crest. Nun ging es nur noch sehr leicht hügelig, dafür unendlich lang immer geradeaus. Kein Baum und nur selten ein Strauch und die Sonne brannte vom Himmel, es war richtig heiß und wir schwitzten, was das Zeug hält. Dazu kam der unangenehme Umstand, dass da lauter kleine Fliegen umherschwirrten, die sich überall festsetzten und hinkrochen und einem sogar in den Mund flogen (dabei waren wir jetzt eigentlich satt). Schimmis Arm- und Beinbehaarung waren das Lieblingsziel dieser lästigen Viecher.

Erstaunlich war, dass Schimmi mit der Hitze und der Sonne besser klar kam als ich, denn normalerweise bin ich das Sonnenkind, das bei Hitze erst so richtig aufdreht und Schimmi war da bisher immer empfindlich. Nun ja, dieses Mal war es umgekehrt, die Sonne schlauchte mich doch sehr und ich hatte das Gefühl, am ganzen Körper einen Mordssonnenbrand zu kriegen. War aber nicht so, denn wir waren ja dick eingecremt und trugen was auf dem Kopf. Nichtsdestotrotz fuhren wir weiter, was sollten wir auch sonst machen. Dann waren wir in Crest und diesmal gelang es uns wirklich, die Stadt zu umfahren und auf die D538 zurück zu gelangen, die uns weiter in Richtung Bourdeaux bringen sollte, unser heutiges Tagesziel.

Rastplatz am Wegesrand Jetzt wurde auch die Landschaft wieder schöner, ringsum wuchsen schöne, herrlich duftende Kiefernwälder, aber und wie sollte es auch anders sein: Es ging wieder nach oben. Nicht doll, aber zu merken und empfand es als anstrengend. Ok, wir hatten auch schon fast 100 Kilometer hinter uns, da durfte ich wohl ein bisschen vor mich hinschwächeln. Nach einer Weile erreichten wir Saou, ein Örtchen, das durch seine Lage in diesem schönen Wald und in der Nähe eines langgezogenen Bachtals mit hohen Felsen einen gewissen touristischen Stellenwert hat. Nun ja, wir haben versucht, deshalb in dieser “Touristenhochburg” eine Unterkunft zu finden, leider ohne Erfolg. Ein Hotel oder einen Gasthof gab es nicht, das Office de Tourisme hatte zu (klar, Samstag nachmittag).

An einem Infopoint vor einer Kneipe standen diverse Privatzimmer ausgeschrieben, aber wir hatten keine Lust, hier umherzuirren und die jeweiligen Adressen zu suchen, nur um dann festzustellen, das das eh nichts für uns ist. Die Leute waren hier auch irgendwie abweisend. Ok, so kaputt war ich auch noch nicht, wir beschlossen also, weiterzuradeln, obwohl es in diesem Moment, man glaubt es kaum, mit regnen anfing. Herrlich! Das war total angenehm und erfrischend und störte uns überhaupt nicht nach der Hitze den ganzen Tag.

Nach Saou hörte die Steigung auf und es fuhr sich relativ angenehm, durch den Regenschauer war es auch nicht mehr so heiß. Wir kamen an einigen Häuseransammlungen vorbei, an denen dieses Schild “Gites d´ètape” angebracht war, was in Frankreich Unterkünfte für nichtmotorisierte Reisende sind, die ungefähr das Niveau einer Jugendherberge haben, nur dass man sich ums Essen allermeistens selbst kümmern muss und Bettwäsche ist auch nicht überall vorhanden. Sagt jedenfalls der Reiseführer. Na ja, in der Not könnte man sowas ansteuern, um wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben, aber soweit war es ja noch nicht.

Schließlich erreichten wir Bourdeaux, eine etwas größere Stadt und hier würden wir schon irgendwas finden. Gleich am Ortseingang war auch ein Hinweisschild auf ein Hotel und auf dem Weg dorthin, rief Schimmi auf einmal von hinten, ich solle mal warten, er hätte da gerade beim Vorbeifahren deutsche Worte gehört. Ich wartete und er fuhr ein Stück zurück und sprach die Leute an, die er angeblich hatte deutsch reden hören. Schließlich winkte er und ich fuhr auch zurück, um zu erfahren, dass wir soeben eine Unterkunft gefunden hatten. Die Leute hatten zwar alles andere als Deutsch geredet, die Gastgeberin konnte aber etwas deutsch, weil sie mal eine Weile in München gewohnt hatte.

Schimmi ging mit ihr hoch, um sich das Zimmer anzusehen und bald steckte er oben den Kopf aus einem der Fenster und strahlte. Schien ja richtig gut zu sein. Die Fahrräder kamen hinten im Hof in die Garage, die von einem Hund bewacht wurde. Es gab sogar einen Swimmingpool im Garten, den wir benutzen dürfen, wenn wir wollen. Wow! Dann schleppten wir unser Zeug die Treppen rauf und erlebten eine Überraschung: Ein herrliches Zimmer!!!
Unser Zimmer in Bourdeaux: Riesengross und liebevoll eingerichtet Noch ein Blick in das Frühstückszimmer
Riesengroß war auch das Bad und das alles sollte inclusive Frühstück nur 46 Euro kosten. Wir konnten es kaum glauben. Ach ja, noch ein bisschen Werbung dafür machen: Wir wohnten bei Françoise Veuillet in der Herberge La Tulipe Sauvage. Auf der Seite sind auch nochmal Bilder und Ferienwohnung gibt es bei ihr auch zu vermieten. Und (ganz wichtig): Sie ist unheimlich nett!!!

Nach dem Duschen gingen wir dann auf Essenssuche und das war wieder mal gar nicht so einfach, da zwei Restaurants, die wir fanden, zu hatten (die Nachteile der Nachsaison). Schließlich fanden wir ein offenes Lokal bzw. war das auch zu, aber der Besitzer kam gerade und schloss auf und wir durften uns schon reinsetzen.

Was soll ich sagen: Wir waren und blieben die einzigen Gäste, wurden aber ganz nett bekocht und bedient. Der Salat war klasse, das Hauptgericht sollte irgendwas mit Kalbfleisch sein. Schmeckte, aber ich bin mir nicht sicher, ob das nicht ein Fertiggericht war. Ich meine, eine dreiviertel Stunde vorher war der Laden noch menschenleer. Hm. Einen Nachtisch und einen Kaffee gab es auch und immerhin waren wir einigermaßen satt, obwohl das alles nicht so der Brüller war. Draußen war es auch schon dunkel, also machten wir, dass wir ins Bett kamen. Morgen würde auch wieder ein harter Tag werden, denn die Strecke nach Sault, die wir uns ausgeguckt hatten, war nicht ohne.

Schimmi guckte mit Françoise noch ins Internet nach einem Hotel in Sault, denn wir befürchteten, dass die Stadt auf Grund der Mont-Ventoux-Touristen ziemlich voll sein würde. Immerhin war schönes Wetter und da wollen da viele hoch. Er kam mit der guten Nachricht hoch, dass wir ein Zimmer hätten, Françoise war so nett, da gleich anzurufen und zu reservieren. Sehr gut, dann brauchten wir morgen nicht groß rumsuchen. Ich war ziemlich erschossen und hatten mich gleich hingelegt und war auch ganz schnell eingeschlafen.

Statistik
gefahrene km: 114,7 in 6 h 14 min Fahrzeit 801 Höhenmeter
Übernachtung: bei Françoise Veuillet in der Herberge La Tulipe Sauvage in Bourdeaux Eine private Herberge mit Swimmingpool und netter deutschsprachiger Betreuung
Essen: irgendwas mit Kalbfleisch im einzigen offenen Restaurant der Stadt Ging so…
Wetter: früh bewölkt und frisch, dann Affenhitze, nachmittags ein Regenschauer fast schon zu heiß
Stimmung: super, aber geschafft wieder eine sehenswerte Tour, jederzeit gerne nochmal
16. September 2006 | Reise: Schweiz - Frankreich 2006 | Kommentieren | TB